Der Verein Winterhalter in Menzenschwand plant den Umbau der alten Dorfkirche zu einem modernen Museum. Im Vorfeld wurde nun der Zustand des Dachstuhls untersucht. „Ein sehr schöner Dachstuhl in einem tollen Zustand“, lautet das Fazit von Fachmann Andreas Hagedorn. Maßnahmen sind vorerst nicht erforderlich.

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Im vergangenen Jahr hatten sich die Verantwortlichen des Vereins um die Vorsitzende Elisabeth Kaiser entschlossen, den Dachstuhl der alten Dorfkirche begutachten zu lassen. Über große Fachkenntnis auf diesem Gebiet verfügt die Sulzburger Firma Holzbau Hagedorn. Andreas Hagedorn und seine Mitarbeiter haben sich auf die Restaurierung historischer Holzkonstruktionen spezialisiert und sind überwiegend in Kirchen, unter anderem in den Münstern in Freiburg und Breisach, tätig. Und so nahm man Kontakt zu dem Sulzburger Unternehmen auf.

Dachstuhl in gutem Zustand

Dass sich der Dachstuhl in einem recht guten Zustand befindet, hatte Hagedorn bei einem ersten Vororttermin im vergangenen Sommer festgestellt. Aber dennoch hatte er zu einer detaillierten Begutachtung geraten. Eine solche sei gerade im Vorfeld von Umbau- und Sanierungsarbeiten sinnvoll, damit diese nicht aus dem Ruder laufen, sagte er. In der vergangenen Woche war Hagedorn nun erneut vor Ort, seine erste Einschätzung des guten Zustandes des Dachstuhls bestätigte sich. Dies sei angesichts des Alters der Kirche – sie wurde 1688 errichtet und hat, wie es Hagedorn formulierte, „schon ein paar Jahre auf dem Buckel“ – nicht selbstverständlich.

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Der gute Zustand des Dachstuhls sei eindeutiges Indiz dafür, dass den Menzenschwandern ihre Kirche wichtig gewesen und der Schindelmantel gut gepflegt worden sei, sagte Hagedorn. Lediglich an einem Balken hatte der Holzfachmann Fäule festgestellt und diese entfernt. Aber der Balken weist, was eine Seltenheit ist, eine Breite von 38 Zentimetern auf, ist somit ein „kräftiger Kollege“, wie Hagedorn schmunzelnd sagte. Er muss daher nicht ausgetauscht werden.

Kuriuosum im Dachstuhl

Auf ein Kuriosum des Dachstuhls machte Hagedorn aufmerksam: Angesichts der Länge der den Kirchenraum überspannenden Deckenbalken war als Konstruktion ein Hängewerk vorgesehen, bei dem die Deckenbalken an sogenannten Hängebalken befestigt werden, eine, so Hagedorn, in Kirchen recht übliche Konstruktion. In der Menzenschwander Kirche fehlt jedoch die Verbindung der Deckenbalken mit dem Hängewerk mit der Folge, dass das Hängewerk nicht aktiviert wurde und die Hängebalken das Kirchendach zusätzlich belasten statt es, wie vorgesehen, zu entlasten, erklärte der Fachmann. Er führt dieses Kuriosum darauf zurück, dass die ländlichen Zimmerleute die Konstruktion des Hängewerkes nicht mit allen ihren Erfordernissen kannten.

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„Ein sehr schöner Dachstuhl in einem tollen Zustand“ lautete das Fazit von Hagedorn, vorerst sind keine Maßnahmen erforderlich. Im Rahmen der Umbauarbeiten empfahl der Fachmann jedoch die Aktivierung des Hängewerkes, insbesondere, wenn der Dachraum als Lagerfläche genutzt werden sollte. Und auch Schäden am alten Schindelmantel, der sich noch unter dem neuen Ziegeldach befindet, werden wohl behoben werden müssen. Darauf werde das Denkmalamt Wert legen, vermutete Hagedorn. Er riet angesichts des Unterhaltungsaufwandes davon ab, zu dem alten Holzschindeldach zurückzukehren.

Vorarbeiten ersparen 2600 Euro

Im Vorfeld waren bereits Arbeiten erforderlich, es galt, die schwer zugänglichen Bereiche der Mauerkrone von Unrat zu befreien, um die Deckeinbalkenköpfe und die Mauerlatten kontrollieren zu können. Diese Arbeiten hatten Elisabeth Kaiser und ihr Stellvertreter Bernd Coenen-Lehmann übernommen, an fünf Nachmittagen hatten sie Unmengen von Dreck, Staub, Altglas und defekte Schindeln entfernt. Schutzanzüge und Mundschutz waren dabei erforderlich. Durch ihren Einsatz hatten sie rund 2600 Euro gespart, die eine professionelle Reinigung gekostet hätte. Dies war nicht der erste Einsatz – kurz nach dem Kauf musste eine rund zehn Zentimeter dicke Schicht Taubenkot entfernt werden.

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