Tourengänger, Schneeschuhwanderer, Skifahrer – viele Menschen wollen den Winter in der Natur verbringen. Was häufig nur mit den Alpen in Verbindung gebracht wird, ist auch im Schwarzwald keine Seltenheit – Schnee löst sich und wird zur Lawine. Meist ist kein Mensch davon betroffen, sollte aber dennoch jemand verschüttet werden, ist schnelle Hilfe überlebenswichtig. Am Grafenmatt im Skigebiet Feldberg gibt es jetzt ein Lawinentrainingszentrum. Interessiert bleiben zwei Tourengänger oberhalb des neuen Lawinenübungsfeldes stehen und beobachten, wie Mitglieder der Bergwacht Schwarzwald dessen Funktion vorführen: Mit ihrem handtellergroßen Suchgerät sind sie unterwegs, um die verschüttete Person – in diesem Fall einen von mehreren im Schnee eingegrabenen Sendern – zu orten. Ist die Stelle gefunden, kommt die Sonde zum Einsatz. Mit ihr stellen die Suchenden fest, ob sie den Verschütteten wirklich gefunden haben. Im Lawinenverschüttetentrainingszentrum, offiziell „Avalanche Trainings Center“ (ATC), ertönt am Steuerungsgerät ein Signal, wenn die Sonde die vergrabene Platte mit dem Sender berührt.

Mirko Friedrich, Referent Bergrettungsdienst bei der Bergwacht, erläutert, wie die Nutzer die Zahl der zu suchenden Personen und die Zeit, in der die im Schnee versteckten Sender aktiv sind, einstellen können. Bilder: Sebastian Barthmes
Mirko Friedrich, Referent Bergrettungsdienst bei der Bergwacht, erläutert, wie die Nutzer die Zahl der zu suchenden Personen und die Zeit, in der die im Schnee versteckten Sender aktiv sind, einstellen können. Bilder: Sebastian Barthmes | Bild: Sebastian Barthmes

In Deutsch und Englisch wird dort erklärt, wie die Anlage und die Suche nach verschütteten Personen funktioniert: Ganz einfach kann man die Zahl der Verschütteten (bis zu fünf) und die Zeit, in der die Sender aktiv sind, wählen. Per Zufallsprinzip werden die fünf vergrabenen Sender aktiviert, erläutert Mirko Friedrich, der in der Landesleitung der Bergwacht Schwarzwald für den Bergrettungsdienst verantwortlich ist. „Nutzen kann die Anlage jeder, der so ein Lawinenverschüttetensuchgerät hat“, sagt Friedrich. Auch Bergwachtmitglieder werden dort üben. Sinnvoll sei so ein Gerät für jeden Wintersportler, der abseits von den Pisten unterwegs ist, „seien es Tourengeher mit Skiern oder auch Schneeschuhwanderer, die in potentiell lawinengefährdetes Gebiet gehen“.

Auf der Fläche des Lawinentrainingszentrums am Zeller Hang können Wintersportler jetzt die Suche nach unter einer Lawine verschütteten Personen üben. Eingerichtet wurde die Trainingsfläche von der Bergwacht Schwarzwald und der Stadt St. Blasien.
Auf der Fläche des Lawinentrainingszentrums am Zeller Hang können Wintersportler jetzt die Suche nach unter einer Lawine verschütteten Personen üben. Eingerichtet wurde die Trainingsfläche von der Bergwacht Schwarzwald und der Stadt St. Blasien. | Bild: Sebastian Barthmes

Das Training sei aus Sicht der Retter „sehr, sehr wichtig“, sagt Friedrich. Denn bei der Suche nach Verschütteten sei viel zu beachten und die Situation trete doch recht selten ein. Die Übung helfe, im entscheidenden Moment nicht in Panik zu geraten, sondern mit einem gewissen Automatismus zu handeln. Ob die beiden Tourengänger, die kurz das Geschehen auf dem Trainingsareal beobachteten, ein solches Lawinenverschüttetensuchgerät haben? Solche Geräte, die senden und empfangen können, gibt es schon lange, weiß Friedrich, kaum ein Wintersportler besitze jedoch eines. Doch die Investition in ein Lawinenrettungsset, zu dem neben dem Suchgerät auch eine zusammenklappbare Sonde für die Feinortung und ein Lawinenspaten gehören, lohne sich. Denn es zähle jede Minute: Eine verschüttete Person habe rund 15 Minuten lang eine relativ gute Überlebenschance, und diese Zeit sei extrem kurz, sagt Mirko Friedrich. „Man hat eigentlich nur eine realistische Chance, wenn die Kameraden, die vor Ort sind, einen suchen“, weiß er, denn bis die ausgebildeten Helfer vor Ort sind, dauere es oft länger. Mit dem ATC werde das Angebot für die Gäste im Skigebiet deutlich erweitert, sagt St. Blasiens Bürgermeister und Vorsitzender des Liftverbundes, Adrian Probst. „Das Erlebnis hier im Skigebiet soll sicher sein, deshalb haben wir heute diese Anlage in Betrieb genommen.“ Das ATC ermögliche es erstmals auch außerhalb der Alpen, die Suche nach Verschütteten kostenlos und unkompliziert trainieren zu können, denn im Notfall „kommt es ganz arg auf die Übung drauf an“. „Die Anlage ist recht aufwendig und teuer“, sagt Probst, der auch Landesvorsitzender der Rettungsorganisation ist. Stadt St. Blasien und Bergwacht St. Blasien haben sich die Kosten geteilt. „Es geht um einen fünfstelligen Betrag. Aber ich glaube, es ist eine Investition, die sich lohnt. Wenn es um Sicherheit geht, dann sollte es uns im Skigebiet Feldberg nicht darauf ankommen“, ergänzt er.