Schon einen Tag, nachdem Manfred Henle eine Ausstiegsleiter in den Rhein errichtet hatte, hatten Mitarbeiter des Bauhofs diese wieder entfernt. Henle ist überzeugt, dass ihm eine Frist hätte gesetzt werden müssen, da er sich als Verursacher auswies. Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat widerspricht.

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Mit einem Zaun ist der Block eines früheren Sprungbretts am Rand des Zauns zum Rheinschwimmbad unzugänglich gemacht. Die dortige Einstiegshilfe ist schon lange entfernt, ebenso die Ausstiegsleiter 120 Meter flussabwärts unterhalb der betonierten Berme. Die Diskussion um das Baden im Rhein, den Zaun zwischen Rheinschwimmbad und Fluss sowie die Ein- und Ausstiegshilfen zieht sich schon Jahre hin. Der unermüdliche Einsatz von Henle für einen seniorengerechten Zugang mutet inzwischen wie ein Kampf gegen Windmühlen an.

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„Die Stege sind baurechtlich geschützt und wasserrechtlich genehmigt“, hält Manfred Henle daran fest, dass der Abbau 2017 widerrechtlich erfolgte. Die einzige Einschränkung der Genehmigung sei, dass das Regierungspräsidium Freiburg nicht die Haftung für die Benutzung übernimmt. Zu einer Übernahme der Haftung hätten sich aber der mittlerweile aufgelöste Förderverein des Rheinschwimmbades und Privatpersonen bereiterklärt. „Innerhalb von drei Jahren habe ich vier Ausstiegsleitern und zwei Einstiegsleitern montiert“, sagt Henle. Die Leitern wurden immer wieder entfernt. Henle baut und montiert auf eigene Kosten. „Ich möchte den Badenden einen halbwegs sicheren Ausstieg gewährleisten.“

Zugangssituation sei miserabel

Die heutige Zugangssituation hält Henle für „miserabel“. Der Einstieg ins tiefe Wasser ist über die Berme noch machbar, während beim Ausstieg über Steine geklettert werden muss. Die letzte Ausstiegsleiter baute Henle am 9. Juni auf und machte mit einem Schild deutlich, dass er der Verursacher war. Schon einen Tag später war die Leiter von Mitarbeitern des Bauhofs wieder entfernt worden. „Nach meiner Überzeugung hätte die Bürgermeisterin die Leiter nicht beseitigen dürfen“, sagt Henle. Er sei als Verursacher bekannt gewesen, daher seien auch nicht die Bürgermeisterin, die Gemeinde oder das Regierungspräsidium (RP) haftbar, wenn es zu einem Unfall gekommen wäre, sondern er. Ihm sei aber nicht mal eine Frist zur Beseitigung der Leiter gesetzt worden.

Gemeinde in der Rolle der Ortspolizeibehörde

„Herr Henle baut immer wieder Leitern auf und alle Leitern, die er aufbaut, werden wieder abgebaut“, sagt Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat. Das RP als Grundstückseigentümerin hat die Gemeinde schon im August 2018 mit einem Schreiben aufgefordert, eine Leiter zu entfernen. „Wir fordern die Gemeinde in ihrer Rolle als Ortspolizeibehörde auf, diesen rechtswidrige Zustand unverzüglich zu beseitigen, das heißt die Leiter zu entfernen und bei künftigen Störungen ebenso zu verfahren“, zitiert sie aus dem Schreiben.

Unsachgemäße Befestigung

Bei gutem Wetter waren schon Badende am Rhein, hat Trautwein-Domscht beobachtet. „Das hat ihn vielleicht dazu animiert, ihnen helfen zu wollen. Aber was soll ich den machen, wenn er mir sogar Fotos davon unter die Windschutzscheibe von meinem Auto klemmt.“ Das RP begründete in dem Schreiben die Entfernung der Leiter damit, dass zusammen mit der Berme der Eindruck entstehe, dass dort eine öffentliche Badestelle sei und kritisierte auch eine unsachgemäße Befestigung. Eine Fristsetzung an Henle sei nicht nötig, da die Gemeinde aufgefordert sei, sofort zu handeln. „Natürlich ist dort die Nutzung für jedermann zugelassen, aber nicht irgendetwas aufzubauen“, sagt Trautwein-Domschat.

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Henle weiß, dass in den letzten Jahrzehnten beim Schwimmen im Rhein nie etwas passiert ist. „Jede kleine Behinderung muss heute beseitigt werden, aber hier werden Leute am gesunden Schwimmen gehindert.“ Auch die Diskussion um die schlechte Wasserqualität hält er für unsinnig, da in Rheinfelden das Rheinschwimmen und in Bad Säckingen das Brückenschwimmen stattfindet. Sein ganzes Leben schwimmt der 78-jährige Schwörstädter schon im Rhein. Am meisten wünscht sich Henle eine offene Diskussion zu dem Thema.