Viele Vereine klagen über ungewisse Zukunftsaussichten. Neben der Überalterung der Mitglieder wird häufig die mangelnde Bereitschaft, Ämter und Verantwortung in den Vorständen zu übernehmen, als Grund genannt. Ungewöhnliche Wege geht nun der Ortsverband des Vereins der Kriegsversehrten, VdK, Schwörstadt. Per Anzeige wird nach einem Nachfolger für den amtsmüde gewordenen Heinrich Maus gesucht. Wird keiner gefunden, könnte die Auflösung des Ortsverbandes drohen.

„Kandidaten für das Amt des Vorsitzenden oder des Kassierers gesucht“, heißt es im Anzeigenton im Schwörstädter Mitteilungsblatt vom 23. Oktober. Sollten sich keine Kandidaten finden, müsse der VdK-Ortsverband aufgelöst werden, wie der von Kassenwart Helmut Kohler aufgegebene Aufruf bekannt gibt. „Ich sehe allerdings schwarz, dass wir jemanden finden“, sagt Kohler. Seit 2003 hatte Heinrich Maus den Vorsitz inne. Kohler stieß 2006 dazu und wurde bald mit dem Amt des Kassierers betraut. Gespräche seien zwar noch keine geführt worden. Eine Eingliederung der rund 50 Schwörstädter Mitglieder in den Ortsverein Rheinfelden im Sommer 2021 müsse aber ernsthaft in Erwägung gezogen werden.

Egoistische Neumitglieder

Menschen, die durch eine Mitgliedschaft beim VdK Geselligkeit und Gemeinschaft erleben und gestalten wollten, werden laut Kohler immer weniger. Besonders ärgert Kohler das Gebaren mancher Neumitglieder. Nach Inanspruchnahme von Serviceleistungen und der Bearbeitung eigener Anliegen erfolge der baldmögliche Austritt. „Keine schöne Art“, findet er. Von der Bereitschaft, sich in der Vorstandsarbeit ehrenamtlich zu engagieren, ganz zu schweigen, fügt Kohler hinzu.

In Rheinfelden willkommen

In Rheinfelden scheinen die Schwörstädter VdK-Mitglieder willkommen zu sein. Ihr 500 Mitglieder zählender Ortsverband sei aktiv und gut organisiert, sagt die kommissarische Vorsitzende Heidi Weiß. Nur sei nach dem Ausscheiden des langjährigen Vorsitzenden Roland Nuß auch in Rheinfelden ein Personalproblem aufgetreten. Als kommissarische Vorsitzende teile sie alle Aufgaben und Funktionen mit ihren Vorstandskollegen. „Sich anders organisieren und gegenseitig unterstützen“, lautet ihr Rezept, um die Herausforderungen beim Umgang mit digitalen Medien zu meistern. Der VdK-Kreisverband sieht in den Schwörstädter Problemen einen Trend. Vorsitzender Manfred Merstetter kennt die Amtsunwilligkeit aus mehreren Vereinen.

Der Kreisverband

Von 19 Ortsverbänden mit 4500 Mitgliedern im Kreisverband denken gerade über eine Auflösung oder Fusion nach. Überlegungen und Debatten darüber, wie Leitbild und Selbstverständnis eines Sozialverbandes, der noch die „Kriegsversehrten“ im Namen trägt, aktualisiert und modernisiert werden könnten, seien auf Bundes- und Landesebene im Gange, sagt Merstetter. Das Vorgehen in Schwörstadt, per Anzeige nach Vorstandsmitgliedern zu suchen, entspreche den Empfehlungen des Kreisverbandes. Von einem Mitgliederschwund oder dem Wegbrechen einer Daseinsfürsorge könne beim VdK keine Rede sein. Ein stetiger Zuwachs auch jüngerer Mitglieder habe dem VdK den Ausbau seiner Sozialberatungsstelle in Lörrach erlaubt. Allerdings: Es sei es zutreffend, dass „trotz steigender Mitgliederzahl die Zahl der ehrenamtlich Tätigen nicht automatisch mitwächst“, so Merstetter.

Kontakt zum VdK Ortsverband Schwörstadt unter Telefon 07762/95 86.

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