Keine Scheu vor Motorrädern hat Martin Kiefer, egal welche Marke oder Klasse. In seiner Werkstatt steht eine Cagiva von 1989. Bei der Maschine steht eine komplette Restauration an. 120.000 Kilometer hat das Motorrad schon zurückgelegt. Kiefer wird es zerlegen und den Motor aufbereiten. „Wenn wir fertig sind, fährt sie nochmal 200.000 Kilometer“, meint er. „Wir machen sie besser.“

Das könnte Sie auch interessieren

Eine andere Maschine, Marke AGV, rüstet er auf Kundenwunsch mit einem größeren Tank aus. Die Tankfüllung soll für 1000 Kilometer reichen. Kiefer hat die Maschine von 22 Litern auf 47 Liter Tankvolumen umgebaut. Eine Simson AWO von 1959 aus der DDR modernisiert er mit einer kontaktlosen Zündung und rüstet sie von sechs auf zwölf Volt auf. „Der Kunde will es im Alltag nutzen, da braucht er auch vernünftiges Licht“, meint Kiefer. Bei einem Motorrad der Marke Auto Union von 1963 setzt er gerade die Elektrik instand.

Das könnte Sie auch interessieren

Kiefer ist von Motorrädern in allen Facetten begeistert. Gerade beim Reisen ist man viel näher an der Realität, meint er. Mit dem Motorrad war er schon in der Mongolei. Aber auch Offroad-Fahren, Motocross oder Rennen faszinieren ihn. Früher hat der 50-Jährige selbst an Wettbewerben teilgenommen und die Fahrzeuge für Rennen vorbereitet. „Wenn man das macht, lernt man viel über Motorräder“, sagt Kiefer.

Das Besondere am Motorradfahren beschreibt Kiefer als Flow. „Das ist ein Zustand wie eine Art Meditation.“ Das Hirn schalte dabei ab und das Fahren sei automatisch wie Atmen. „Das Fahren an sich war früher einfacher. Der Verkehr hat in den letzten Jahren so zugenommen“, meint Kiefer, der sich deswegen auch lieber auf der Rennstrecke austobt.

Das könnte Sie auch interessieren

In seiner Werkstatt „SOS Motor“ kommt vom Chopper bis zum Fernreisemotorrad alles auf die Hebebühne. Kiefer bietet Servicearbeiten für Maschinen aller Marken an. Er betont, dass er nach Herstellervorgaben arbeitet. Während der Saison sind es oftmals Reifenwechsel oder Reparaturen.

Kiefer ist gründlich. Einfach nur ein Teil ersetzen reicht ihm nicht. Er sagt, dass er die Ursache finden und das Problem grundsätzlich lösen will. Zur Hand geht ihm Julian Ückert, der 2017 die Ausbildung in der Werkstatt abgeschlossen hat. Außerhalb der Saison kümmert sich Kiefer um Instandsetzungen oder Umbauten. Um die Maschinen ihrem jeweiligen Zwecken anzupassen, baut er sie auch komplett um. Zur Einrichtung von Fernreisemotorrädern kommt die Kundschaft aus ganz Europa.

„Ich habe schon seit frühester Kindheit eine große Affinität zu Technik gehabt“, meint Kiefer, der erstmals 1985 an einem Mofa Zündapp ZD20 rumschraubte. Gelernt hat Kiefer Maschinenbauer, aber in der Industrie hat es ihn nicht gehalten. Ab Anfang der 90er Jahre arbeitete er als Mechaniker im Motorsport. 1992 bis 2000 machte er sich mit einer ersten Werkstatt selbständig.

Das könnte Sie auch interessieren

Nach einem kurzen Zwischenspiel in der Industrie wurde er 2005 erneut selbständig in Wehr. 2011 erfolgte der Umzug von SOS Motor nach Schwörstadt und Anfang des Jahres zog er in die Hauptstraße 196 um, wo er das Gelände der früheren Gemeinschaftsunterkunft erwarb. In der Werkstatt sind ein Elektronik-, ein Fahrwerkbereich, einer für Motor und Vergaser und ein Schlossereibereich eingerichtet. Es gibt einen Schweißraum und einen Leistungsprüfstand, wo Leistungsmessungen nach internationalem Standard vorgenommen werden können.

Das könnte Sie auch interessieren

Für die Arbeit hat Kiefer sechs Hebebühnen und zahlreiche Aufbockständer in allen Variationen. Vom Schraubenzieher bis zum Diagnosegerät für die Elektronik braucht er alle Werkzeuge. Die Maschinen sind teilweise sehr komplex in der Elektronik. Bei manchen Maschinen kommunizieren miteinander bis zu neun verschiedene Steuergeräte etwa für den Motor oder das Antiblockiersystem. Letztlich erachtet Kiefer das Motorrad selbst nur als ein Werkzeug. „Die große Herausforderung besteht darin, es so zu konfigurieren, dass der Pilot intuitiv damit umgehen kann.“ Kiefer schätzt, dass die Hälfte der Motorräder nicht richtig an die Fahrer angepasst sind.

Kiefer plant noch eine Verkaufsfläche einzurichten für Motorradzubehör und -bekleidung. Die Pläne sind noch nicht ganz ausgereift. Er kann sich auch vorstellen, sein Portfolio um E-Mountainbikes zu erweitern, da Federung und Elektronik der Antriebe sich dem Motorradstandard immer mehr annähern.

Unser bestes Angebot ist wieder da: die Digitale Zeitung + das neuste iPad für 0 €