Die Orgel in der Dossenbacher Pelagiuskirche ist eigentlich ein Schmuckstück, nur momentan nicht, denn sie muss grundsaniert werden. In ihrer rund 156-jährigen Geschichte wurde sie viel bespielt, gelegentlich auch einmal inspiziert und etwas repariert, aber noch nie von Grund auf saniert. Nachdem dafür nun vom Land Fördermittel zugesagt wurden, kann die umfassende Überholung beginnen.

Die Merklin-Orgel hat nicht nur mit der selten verbauten „Wiener Flöte“ eine Besonderheit.
Die Merklin-Orgel hat nicht nur mit der selten verbauten „Wiener Flöte“ eine Besonderheit. | Bild: Rolf Reißmann

Die Orgel ist ein Denkmal mit nationaler Bedeutung und in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Sie war der erste Neubau des Freiburger Meisters Fridolin Merklin. Zwar schuf die Familie Merklin insgesamt viele Instrumente, Fridolin hingegen nicht sehr viele. Schließlich befindet sich die Dossenbacher Orgel nicht in Kirchenbesitz, sondern gehört der Gemeinde. Als nach dem großen Brand von 1851 das Dorf wieder aufgebaut wurde, übernahmen die Einwohner sogar die Kosten für eine Kirche samt Orgel. Vertraglich wurde in den 1860er Jahren festgelegt, dass die politische Gemeinde Eigentümer der Orgel ist und sie auch erhalten muss. Deshalb trägt Schwörstadt heute die Kosten dafür. Im diesjährigen Haushaltsplan bewilligte der Gemeinderat eine erste Tranche von 50.000 Euro für die Instandsetzung. Nach einer Zusage von Fördermitteln vom Bund kündigte auch das Land seine Unterstützung an.

Ein kleines Namenschild am Spieltisch weist auf die Herkunft der Dossenbacher Orgel von hin. Auch die große Orgel in der Pariser ...
Ein kleines Namenschild am Spieltisch weist auf die Herkunft der Dossenbacher Orgel von hin. Auch die große Orgel in der Pariser Kathedrale Notre Dame stammt von der berühmten südbadischen Orgelbauerfamilie. Fridolin Merklin hat nicht viele Orgeln gebaut. | Bild: Rolf Reißmann

Nun hat Schwörstadt das große Glück, dass im Ort ein Orgelbaumeister ansässig ist. Jens Steinhoff kennt das Dossenbacher Instrument sehr gut „Grundlegende Instandsetzungen sind für alle Baugruppen erforderlich“, sagte er. „Das Tragwerk hat sich verzogen, sichtbar ist das durch den schiefen Prospekt. Die Windladen arbeiten nicht mehr entsprechend ihrer ursprünglichen Funktion und alle Stimmteile, also Pfeifen und Spieleinrichtung, sind verschlissen und verschmutzt.“ Der Rahmen und auch die Verkleidung sind aus Fichtenholz.

In den 1970er Jahren fand bereits eine Instandsetzung der Orgel statt, danach wurde in der Absicht, Gutes zu tun, die Kirche eine Zeitlang sehr gut geheizt, doch dabei trocknete das Holz zu stark aus, das führte zum Verziehen einiger Teile im Tragwerk. „Die Luft um eine Orgel darf nicht zu trocken sein, damit Holz in seiner Form bleibt“, erklärte Steinhoff. „Ist die Luft zu trocken, kann es auch zu Rissen kommen.“ Gleichzeitig wies er auf die gute Qualität der Konstruktion hin, alle Fügungen seien sauber und sicher gearbeitet. Erfreulicherweise sei das Holz nicht von Schimmel befallen. Besonders empfindlich seien die Windladen, die gewissermaßen das Herz der Orgel seien, denn sie trügen die Pfeifen und die Spielmechanik. Von den beiden Kastenbälgen sei nur noch einer in Betrieb.

„Die Spielmechanik litt unter späteren Umbauten und unter den verzogenen Rahmenteilen, sie ist derzeit schwer gängig“, sagte Liane Klingler, Organistin und Vorsitzende des Kirchengemeinderats. „Bei den Pedalen wurden in den 1970er Jahren aus optischen Gründen mehr eingebaut, als eigentlich bedienbar sind, das müssen wir jedem Gastorganisten erst mal erklären.“ Auch in ihrem Aussehen soll die Orgel mit dieser Sanierung wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden.

Insgesamt aber sei das Instrument eine aufwendige Sanierung wert, meint Orgelbaumeister Jens Steinhoff: „Die Orgel besitzt sehr hohen historischen Wert und verfügt über außergewöhnlichen Klang.“ Und Liane Klingler verweist auf die wohlklingende Wiener Flöte: „Deshalb kamen schon mehrfach namhafte Organisten von weit her, um darauf zu spielen, darunter zwei Domorganisten aus Wien.“ Das Register sei nur selten eingebaut worden und eher gar nicht in einer kleinen Dorfkirche. Nun ist es an der Gemeinde, die erforderlichen Arbeiten zu organisieren und vorzubereiten.