Nach Jahren der Planung folgt nun die Umsetzung: Der Erweiterung und Verbesserung der Kläranlage in Schwörstadt steht nichts mehr im Wege. Im März soll die Vergabe der Bauarbeiten erfolgen. Eine Kröte mussten die Mitglieder des Abwasserzweckverbands in ihrer Sitzung am Montag jedoch schlucken: Die Sanierung wird teurer als gedacht. Und diese Erweiterung ist nicht das einzige Millionenprojekt, vor dem der Verband steht.

„Wir beschäftigen uns mit diesem Thema seit zwei bis drei Jahren. Jetzt reicht es an Begutachtungen, jetzt sollen Maßnahmen folgen“, machte Oberbürgermeister Klaus Eberhardt, Vorsitzender des Zweckverbandes, deutlich. Denn eigentlich war der Baubeginn für 2016 vorgesehen. Dieser zeitliche Verzug hat auch Auswirkungen auf die Kosten. „Bei den Planungen sind wir von Preisen aus dem Jahr 2014 ausgegangen“, erläuterte Jochen Molitor vom Fachbüro SAG, das mit der Erweiterung betraut ist. Da die Baufirmen aber volle Auftragsbücher haben, werden die Kosten steigen. Molitor geht von einem Zuschlag von 7,5 Prozent aus.

Des weiteren haben sich während der Begutachtung einige Schwierigkeiten herausgestellt, die ebenfalls mit Mehrkosten zu Buche schlagen. Der dickste Brocken ist der Mehraufwand beim Entsorgen des Bodenmaterials. Wie berichtet, soll die Kläranlage um ein Becken erweitert werden. „Dafür müssen wir tief in den Fels gehen“, so Molitor. Eine Untersuchung habe ergeben, dass der Boden an dieser Stelle mit natürlichem Arsen belastet ist und speziell entsorgt werden muss. Außerdem haben die Planer die Einwohnerwerte (EW) nach oben korrigiert.

Mitglieder heben Deckelung auf

In die Kläranlage fließen aktuell 13.000 EW aus Schwörstadt und den östlichen Stadtteilen Rheinfeldens ein. Diese Werte sollten ursprünglich auf 15.000 hochgesetzt werden, nun sind es 16 000. In der Summe geht Molitor von einer Kostensteigerung von 330.000 Euro aus. Inklusive der angenommenen Kostensteigerungen bei den Bauleistungen, kostet die Erweiterung 4,1 Millionen. In den Haushalten von 2015 bis 2017 sind zwar 4,4 Millionen eingestellt – eigentlich wollte der Zweckverband die Ausgaben aber bei vier Millionen deckeln. Am Montag haben die Mitglieder einstimmig beschlossen, diese Deckelung wieder aufzuheben. Matthias Kipf (CDU) hatte dabei kein ganz gutes Gefühl. „Im März 2015 sind wir noch von 3,3 Millionen Euro ausgegangen. Jetzt liegen wir bei 4,1 Millionen. Kommen wir irgendwann auf fünf Millionen?“ Molitor erklärte, dass die Kostenschätzung in dieser Phase als verlässlich gelten könnten. Molitor geht von einer Bauzeit von gut zwei Jahren aus. „Da wir bei laufendem Betrieb erweitern, müssen wir immer wieder Provisorien schaffen, was Zeit kostet.“

Abwassermeister Jürgen Nass, zuständig für die Anlagen Schwörstadt und Herten, ist gespannt auf die Bauphase. „Das wird eine wirklich große Herausforderung.“ Von der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) wurde der Zweckverband im Übrigen gerügt: Eine Baumaßnahme dieser Größenordnung hätte EU-weit ausgeschrieben werden müssen. Tiefbauamtsleiter Tobias Obert bemerkte, dass der GPA-Mitarbeiter den Nutzen einer solchen Ausschreibung auch nicht erklären konnte.

Während dieses Projekt nun bald in die Bauphase kommt, steht ein anderes gerade am Anfang. Das Regenüberlaufbecken Warmbach ist in einem schlechten Zustand und muss saniert werden. Die erste Kostenschätzung beläuft sich auf knapp 2,5 Millionen Euro. Auch für dieses Projekt hat das Ingenieurbüro SAG den Auftrag bekommen. „Die Becken sind in einem sichtbar schlechten Zustand, was ein betontechnologisches Gutachten noch bekräftigt hat“, so Jochen Molitor. Auch die sogenannte Spülkippe, mit der die Becken gereinigt werden, funktioniert nicht mehr richtig und muss erneuert werden. Die Sanierung muss abschnittsweise erfolgen. „Da müssen wir die Statik noch abklären“, so Molitor. Baubeginn könnte, wie in Schwörstadt, 2017 sein.