Dass in Schwörstadt die vorhandenen Kinderkrippenplätze nicht ausreichen, wissen alle Familien im Ort. Selbstverständlich sollen die bestehenden Tagesstätten erweitert werden, doch Kommunen sind auch verpflichtet, Vielfalt bei der Kinderbetreuung anzubieten. Dazu gehören die Tagesmütter, in der Fachsprache als Tagespflege bezeichnet. Deshalb beriet der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwochabend über einen Kooperationsvertrag mit dem Familienzentrum Rheinfelden.

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Ausbildung mit 160 Unterrichtseinheiten

Dessen Geschäftsführerin Birgitt Kiefer erläuterte, in welcher Weise Tagesmütter gefördert werden können. Wer eine solche Kinderbetreuung anbieten möchte, benötigt dafür eine Ausbildung mit 160 Unterrichtseinheiten. Dabei wird unter anderem Erste Hilfe am Kind gelehrt, aber auch ein Führungszeugnis und eine ärztliche Bestätigung gehören zu den Voraussetzungen. Neben diesen Kursen gestaltet das Familienzentrum Rheinfelden die erforderliche jährliche Weiterbildung.

Gute Empfehlungen für Neueinsteiger

Derzeit betreut das Familienzentrum 42 Tagespflegepersonen. Aus der Erfahrung heraus kann es auch gute Empfehlungen für Neueinsteiger geben, unter anderem zur Raumfrage und zur Gestaltung der Tagesabläufe. In Schwörstadt arbeiten derzeit sechs Tagespflegerinnen, sie betreuen 17 Kinder, neun davon aus der Gemeinde. „Der Vorzug der Tagespflege liegt in der sehr individuellen Gestaltung“, beschrieb Birgitt Kiefer. „So können vielfach andere Betreuungszeiten als in einer großen Einrichtung angeboten werden, zum Beispiel für abends arbeitende Eltern.“

Gemeinden zahlen einen Aufschlag von zwei Euro

Die Gemeinderäte berieten über die Finanzierung der Kooperation mit dem Familienzentrum. Da Tagesmütter nur 6,50 Euro pro Kind und Stunde von der wirtschaftlichen Jugendhilfe im Landratsamt erhalten, zahlen die meisten Gemeinden einen Aufschlag von zwei Euro. Wie hoch dann letztlich der weitere Beitrag ist, den die Eltern zu zahlen haben, bestimmen die Tagespflegerinnen selbst. Denn sie sind selbständige Gewerbetreibende, die wiederum alle Leistungen wie ihre Sozialversicherungsbeiträge und Qualifikationskosten sowie die Ausstattung der Räume selbst tragen müssen.

27,5 Stunden Betreuung pro Kind kalkuliert

In ihrer Kalkulation geht die Gemeindeverwaltung von 27,5 Stunden Betreuung pro Kind in der Woche aus und erwartet ab Oktober ein weiteres Kind, so dass dann zehn in der Tagespflege wären. Die steigende Nachfrage lässt die Kalkulation realistisch erscheinen. Allein für das letzte Quartal dieses Jahres sind so für die Gemeinde 10 600 Euro an Ausgaben zu erwarten, für 2020 insgesamt 40 000 Euro.

Familienzentrum vermittelt und qualifiziert

Der Kooperationsvertrag soll zunächst zwei Jahre lang gelten, das Familienzentrum übernimmt in dieser Zeit die Vermittlung und Qualifikation von Tagesmüttern. „Für die Gemeinde erhoffen wir uns eine spürbare Entlastung der angespannten Situation in der Kinderbetreuung“, sagte Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat. Dennoch bleibt der Ausbau der U 3-Betreuung im Kindergarten Dossenbach weiter dringende Aufgabe. Der Rat stimmte dem Kooperationsvertrag zu.