Unscheinbar, obwohl hoch aufragend, oft übersehen, obwohl direkt am Wege stehend, ist das Umspannwerk Schwörstadt. Vielleicht fällt es weniger in Erscheinung, weil das benachbarte Kraftwerk dominanter ist. Doch das Umspannwerk gehört nicht zum Kraftwerk, sondern zum Netzbetreiber TransnetBW. Am Mittwoch stand es mit einem Spatenstich für mehr Leistung im Mittelpunkt.

Badenwerk baut Objekt 1970

Erbaut wurde das Umspannwerk Schwörstadt 1972 vom damaligen Badenwerk. Hier wird Strom, der aus den Kraftwerken der Region eintrifft, in Hochspannung umgeformt, damit die Elektroenergie große Distanzen überwinden kann. Bisher transformierte das Umspannwerk Schwörstadt die Spannung auf 220 Kilovolt. Doch das reicht künftig nicht mehr aus. TransetBW leitet den Strom in Baden-Württemberg über weite Strecken. Daher erlangt auch dieses Umspannwerk landesweite Bedeutung und muss rechtzeitig an die Erfordernisse der Energiewende angepasst werden.

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Zwei Millionen Energieerzeuger bundesweit

Werner Götz, Geschäftsführer der TransnetBW, begründete dies mit der enormen Zunahme der Energieerzeuger. Noch vor etwa 15 Jahren gab es rund 450 Großerzeuger in Deutschland, mit den vielen Wind- und Sonnenergieanlagen speisen heute rund zwei Millionen Erzeuger Strom ins Netz. Die relativ kleinen Leistungen gilt es zu bündeln und bedarfsgerecht zu verteilen. Eine Prognose für 2030 besagt, dass die übertragene Leistung verdoppelt werden muss.

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Netzausbau stößt andernorts auf Widerstand

Götz verwies darauf, dass mit der Umstellung auf elektrisch betriebene Fahrzeuge die Zuleitungen zu den Ladestandorten auf den neuen Bedarf ausgebaut werden müssen. Leider gebe es beim Ausbau der Übertragungseinrichtungen, seien es nun Leitungen oder auch Umspannwerke, enormen Widerstand in der Bevölkerung. Vielfach seien es nur sekundäre Beeinträchtigungen wie gestörte freie Aussichten oder nicht gefallende Architektur, die zu Verzögerungen beim Ausbau der Netze führen. Dort, wo sich die politischen Positionen von Bund, Land und Kommunen gleichen, kämen Umbauten gut voran.

Langer Bestand bringt hohe Akzeptanz

„Schwörstadt bietet den Vorteil, dass dieses Umspannwerk durch langen Bestand hohe Akzeptanz genießt, hier haben wir keine direkten Anwohner, und der Umbau wird niemanden direkt beeinflussen“, sagte er. „Der auftretende Baulärm entsteht weitab von der Siedlung und die oft kritisierte Strahlung liegt bei unseren Einrichtungen ohnehin innerhalb der Grenzwerte.“

Umbau erfolgt in zwei Stufen

Der Umbau erfolgt in zwei Stufen auf dem vorhandenen Grundstück. Zunächst werden im östlichen Bereich die 220 Kilovolt-Schalteinrichtungen abgebaut und neue installiert, diese werden weiterhin mit der bisherigen Leistung betrieben. Dann erfolgt der Umbau im zweiten Teil, auch die Straße innerhalb des Geländes wird ausgebaut. Ebenfalls erneuert werden die Freileitungen. Als letzter Schritt erfolgt der Tausch der Trafos. Die Kosten liegen bei 25 Millionen Euro, 2023 soll das neue Umspannwerk vollständig für 380 Kilovolt funktionstüchtig sein. Während des Umbaus ist die Stromversorgung gewährleistet.

Ernergieerzeugung hat in der Gemeinde Tradition

Bernd Michael Jauch, Leiter Technik bei TransnetBW, hob hervor, dass hier ein Projekt planmäßig vorangehe. Dies sei das ein Vorzug dieses Standorts. Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat verwies auf die Tradition der Gemeinde bei der Energieerzeugung. Bereits seit 93 Jahren produziere das Kraftwerk Rhyburg-Schwörstadt umweltfreundlich Strom. Sie erinnerte daran, dass 1970 auf dem Gelände des Umspannwerks ein Atomkraftwerk gebaut werden sollte. Dagegen habe sich die Bevölkerung erfolgreich gewehrt. Der jetzige Umbau finde Zustimmung.