Die Orgel in der evangelischen Kirche im Schwörstadter Ortsteil Dossenbach stammt aus dem Jahr 1867 und muss dringend renoviert werden. Ein Teil der hohen Kosten soll über Spenden sowie drei Benefizkonzerte getragen werden. Das erste fand am Sonntag mit Irmtraud Tarr statt und die Zuhörer ließen sich nicht lumpen.

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Defekte Windmaschine und verstimmte Pfeifen

Vor einigen Wochen hatte Orgelsachverständiger Herbert Deininger die Schäden genau beschrieben: Die Windmaschine ist defekt und die Pfeifen sind verstimmt (wir berichteten). Im Gegensatz zu anderen Orten sind in Dossenbach Orgel und Glocke nicht Eigentum der Kirche, sondern gehören der politischen Gemeinde. Um die mit 230 000 Euro kalkulierten Kosten für die Orgelsanierung etwas zu lindern, konnten vor Beginn der Reparaturen noch drei musikalische Veranstaltungen organisiert werden.

Irmtraud und Edward Tarr begeistern beim Konzert in der evangelischen Kirche. Die Musikerin hat das musikalische Potenzial des „altersschwachen“ Instruments heraus gekitzelt.
Irmtraud und Edward Tarr begeistern beim Konzert in der evangelischen Kirche. Die Musikerin hat das musikalische Potenzial des „altersschwachen“ Instruments heraus gekitzelt. | Bild: Rolf Reißmann

Erster Gast ist die Organistin Irmtraud Tarr

Erster Gast war am Sonntagnachmittag Organistin Irmtraud Tarr aus Eichsel. Aus ihrer Heimatgemeinde kennt sie zwar Merklinorgeln, doch auf der Dossenbacher spielte sie zum ersten Mal. Vieles funktioniere derzeit nicht mehr so leicht wie einst, meinte sie, insgesamt sei das große Instrument schwer zu spielen. „Diese Orgel ist nach Jahrzehnten der Nutzung etwas kurzatmig und schwerfällig geworden“, sagte die Künstlerin schmunzelnd. „Doch ihre Erhaltung ist auf jeden Fall lohnenswert, zumal sie eben wegen ihrer Entstehungsgeschichte in ganz besonderer Beziehung zum Ort steht, sie gehört zur Regionalkultur.“

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Vom geistlichen Lied bis zur Klassikadaption

Irmtraud Tarr hatte ein sehr vielfältiges Programm zusammen gestellt, vom geistlichen Lied von Dietrich Buxtehude über eine Klassikadaption – einen Beethoven-Rag von Andreas Willscher – bis hin zu volkstümlicher Musik. Bei allen Stücken lockte die Organistin die noch mögliche Vielfalt des Instruments heraus. Die von ihr bereits genannte Schwerfälligkeit war stellenweise nicht zu überhören, da spielte sie schneller als die Orgel mitkam. Auch das Ziehen der Register war immer wieder unüberhörbar, doch vor solchen Nebengeräuschen hatte die Solistin bereits vorher gewarnt.

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Die Künstlerin überspielt die technischen Mängel

Doch mit der ihr eigenen Virtuosität überspielte Tarr geschickt die technischen Mängel des Instrumentes, auch manch kleine Disharmonie ließ sich eben wegen der altersbedingten Unstimmigkeiten der Pfeifen nicht vermeiden. Immer wieder spielte sie einen sehr dominanten Vollklang der Orgel heraus. Bei der Toccata h-moll von Eugène Gigout zeigte sich dann, dass die Orgel beim Einsatz weniger Register auch schneller bespielbar ist.

Interessante „Toggenburger Tänze“

Interessant waren die „Toggenburger Tänze“ von Elsbeth Forrer. Den Marsch und die beiden Polkas möchte man eher für ein Blasorchester vermuten, doch hier auf der Orgel erzeugten sie mindestens genau so viel Frohsinn und verdeutlichten gleichzeitig die nahezu unzähligen Variationsmöglichkeiten. Die Zuhörer konnten sich gerade bei diesen drei Stücken kaum ein Lächeln verkneifen. Dann erklang im Beethoven-Rag das Motiv der „Ode an die Freude“ ebenso so locker und leicht, wie man es in Chorinterpretationen kaum zu hören vermag.

Edward Tarr bereichert Orgelklänge an der Trommel

Zu Beginn und am Ende des Konzerts bereicherte Edward Tarr die Orgelmusik mit der Trommel. Insgesamt ein sehr hörenswertes Programm, mit dem Irmtraud Tarr gleich einen doppelten Effekt erreichte: Sie zeigte das musikalische Potenzial der Merklinorgel auf und wies mit der gekonnt überspielten Altersschwäche auf den Wert des Instruments hin. Den Zuhörern hat das sichtlich gefallen, was auch am Erlös abzulesen ist. Der Eintritt war kostenfrei, beim Ausgang durften – stilecht in zwei Orgelpfeifen – Spenden für die Sanierung eingeworfen werden. Es wurden etwas mehr als 800 Euro.

Termin: Das nächste Benefizkonzert findet am Samstag, 21. September, mit dem Rheinfelder Kantor Rainer Marbach statt. Er lädt einen ganzen Nachmittag zum gemeinsamen Singen ein.