Das Rheinschwimmbad in Schwörstadt kommt nicht aus den Schlagzeilen. Dieses Mal geht es um eine Leiter, die Manfred Henle als Einstiegshilfe in den Rhein angebracht hat. Nachdem das Bürgermeisteramt sich gezwungen sah, diese zu entfernen, brachte Henle eine neue an. Das Land als Eigentümer des Uferstreifens fordert Henle auf, die Leiter zu entfernen. Der macht aber klar, dass er immer wieder neue Leitern einbringen wird.

Rheinschwimmen soll wieder ins Freibad integriert werden

Die Aufregung war groß, als noch unter Altbürgermeister Artur Bugger ein Zaun das Freibad vom Rhein abtrennte. Wer in den Rhein wollte, sollte das nur auf eigene Gefahr tun können und oberhalb des Freibads ein- und unterhalb wieder aussteigen. Henle möchte das Rheinschwimmen wieder in den Freibadbetrieb integriert sehen. Bis dahin müsse man besonders Senioren eine Hilfe bieten. Man könne denen nicht zumuten, über Steine zu klettern. Henle schaffte Tatsachen mit einer Aluleiter, die am Uferstreifen befestigt wurde. Eine am Einstieg, eine am Ausstieg, wobei nicht klar ist, ob letztere auch von ihm oder einem Mitstreiter stammt.

Der Uferstreifen gehört dem Land

Der Uferstreifen gehört dem Land Baden-Württemberg. „Die von Ihnen behelfsweise installierten Einstiegsleitern befinden sich auf dem landeseigenen Grundstück und wurden dort ohne unsere Zustimmung angebracht“, heißt es in einem Schreiben aus dem Regierungspräsidium. Die Abteilung Umwelt teilt weiter mit, dass man die Gemeinde aufgefordert habe, in ihrer Eigenschaft als Ortspolizeibehörde diesen rechtswidrigen Zustand zu beseitigen. Man behalte sich, so die Information, weitere rechtliche Schritte vor.

Henle will sich auch für Senioren einsetzen

Henle nimmt das als Steilvorlage. Er antwortet, dass er es als seine Bürgerpflicht ansehe, Menschen in der zweiten Lebenshälfte oder gar dem letzten Lebensdrittel, die bereits einen Teil ihrer Mobilität verloren haben, zu einem sicheren Zutritt zu ihrem seit Jahrzehnten gewohnten Rheinbad zu verhelfen. Und auch die rechtlichen Schritte bereiten ihm keine Sorgen. Im Gegenteil. „Ich werde die von mir montierte Leiter deshalb vorläufig nicht entfernen und warte auf den Gerichtsentscheid dazu in letzter Instanz“, schreibt er, zusammen mit der Information, dass er nach einem Abbau der Leiter anderntags eine gleichartige installieren werde. Ihn regt besonders auf, dass man überall sonst am Rhein ins Wasser könne, nur da, wo es immer möglich war, auf einmal nicht mehr.

Ordner im Rathaus füllen sich mit Schreiben

Im Rathaus füllen sich derweil die Ordner mit Henles Schreiben, seinen Wurfzetteln, Unterschriftensammlungen und sonstiger Korrespondenz. Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat bringt einen Vergleich an. Sie sagt: „Nicht die Gemeinde tut etwas Widerrechtliches, sondern Herr Henle.“ Er verhalte sich wie ein Autofahrer, der über eine rote Ampel fahre, weil er der Meinung sei, selbst einschätzen zu können, ob die Regel, bei Rot anhalten müssen, sinnvoll ist. „Er fordert sogar andere auf, über Rot zu fahren“, sagt sie.

Wenn Personen in einem der Gemeinde gehörenden Freibad Eintritt bezahlten und es Möglichkeiten zum Rheinschwimmen gebe, suggeriere man den Badegästen, dass das Rheinschwimmen in Ordnung und sicher sei. „Wir sind damit in der Haftung“, meint Trautwein-Domschat.

Baden im Rhein auf eigene Verantwortung erlaubt

Im Rahmen des Jedermannsrecht sei das Baden im Rhein grundsätzlich an jeder Stelle auf eigene Gefahr erlaubt. Man dürfe also oberhalb des Freibads einsteigen. Auch Einstiegshilfen gebe es überall am Rhein, aber eben auf privatem Gelände. „Der Eigentümer des Ufers darf so eine Badeleiter einbringen“, sagt sie. Wenn das Land beschließe, in der Nähe einer bezahlten Badestelle keine Einstiege in den Rhein zu schaffen, sei das bindend, auch für einen Herrn Henle. „Als Herr Henle sagte, er werde immer wieder eine Leiter anbringen, war die Leiter keine Fundsache mehr, sondern eine Einstiegshilfe, so dass ich den Grundstückseigentümer informieren musste“, sagt sie. Dabei stehe sie gar nicht gegen das Rheinschwimmen.

Vorstöße kosten viel Zeit und Geld

Manchmal brauche man auch mal etwas Zeit, um etwas aufzugleisen, sagt sie. Wenn Henle immer wieder alle vergraule, die behilflich sein könnten, sei das kontraproduktiv. Ob die Gemeinde nun den Uferstreifen kaufen könne und einen Flachwassereinstieg schaffe, oder eine Renaturierung des Baches vornehmen wolle, es brauche dafür Zeit und Geld. Henles Vorstöße würden aber auch viel Zeit und Geld kosten. Und außerdem, so die Bürgermeisterin, gibt es auch noch viele andere wichtige Themen in Schwörstadt.

Henle entfacht indes ein wahres Feuerwerk an Schreiben an alle möglichen Stellen. In seinen Faxen argumentiert er und gibt Widerrede auf empfangene Post. Dabei frage ihn seine Frau, warum er sich so verbissen für andere einsetze. „Man rechnet damit, dass ich mich aus dem Kampf gegen Windmühlen zurückziehe“, sagt Henle. Eigentlich will er das nicht. Aber er mag auch kein Einzelkämpfer sein. „Alle freuen sich, dass ich mich wehre, aber keiner will mich dabei unterstützen“. ärgert sich Manfred Henle.