Sehr gut besucht war die Auftaktveranstaltung zur Erarbeitung des Gemeindeentwicklungsplanes bis 2035. Gute 150 Einwohner waren gekommen. Die Freude über die zahlreichen Teilnehmer ließ Bürgermeisterin Christine Trautwein-Domschat gerne spüren. Für sie war es doch auch die Erfüllung eines Wahlversprechens, schließlich hatte sie damals zugesagt, nach etwa eineinhalb Jahren zu einer Bestandsaufnahme einzuladen.

Wertvolle Tipps von Sabine Hartmann-Müller

Nun, da die Einwohner aufgefordert waren, ihre Ideen und Vorschläge für die künftige Entwicklung einzubringen, war dies sogar noch etwas mehr als nur eine Bilanz. Der Abend begann mit zwei kurzen Vorträgen. Sabine Hartmann-Müller war gekommen, weil sie als Ortsvorsteherin des Rheinfelder Ortsteils Herten den gleichen Prozess bereits ins Laufen brachte. Selbst kleine Siedlungsbereiche müssten für die Entwicklung in den kommenden zwei Jahrzehnten möglichst präzise Wegmarken setzen. „Klimawandel und Digitalisierung betreffen auch uns kleine Gemeinden und Ortsteile“, sagte sie. „Um die richtigen Lösungen zu finden, ist die Begleitung durch die Kommunalentwicklung des Landes angebracht, damit fließen viele externe Kenntnisse in den Prozess ein.“

Kreis gibt für Strukturentwicklung jährlich 150000 Euro

Martina Hinrichs von der Stabsstelle Strukturpolitik im Landratsamt wies darauf hin, dass es Ziel sei, möglichst gleichwertige Lebensbedingungen in den Gemeinden des Kreises zu schaffen. Das treffe eben auch auf solche Orte wie Schwörstadt zu, die über keine starke Wirtschaftskraft verfügen. Für die Strukturentwicklung stelle der Kreis jährlich 150 000 Euro bereit, dieses Geld solle für solche Lösungen verwendet werden, die in den kommenden Jahren den Bürgern unmittelbar zugute kommen.

Dann trugen Bertram Roth und Berit Ötinger von der Kommunalentwicklung des Landes die in einer Klausurtagung vom Gemeinderat erarbeiteten Schwerpunkte für die mittelfristige Gemeindeentwicklung vor. Einigen Zuschauern ging diese Präsentation sichtlich etwas zu lang, das Drängen, selbst mitreden zu können, war zu spüren. Die markanten Fakten überraschten sie indes nicht.

Schwörstadt bleibt auf Zuwandetung angewiesen

Demographische Entwicklung, Gewerbeausbau sowie Bildung und Kinderbetreuung gelten als Schwerpunkte. Bis 2035 bleibt Schwörstadt auf Zuwanderung angewiesen, um die jetzige Einwohnerzahl zu halten. Das hängt auch damit zusammen, dass die heutige Jugendgeneration sehr schwach vertreten ist, ausgelöst durch die erhebliche Abwanderung wegen Studium und Ausbildung und danach wegen des Jobs. Belegt hatte Roth dies unter anderem mit dem Rückgang der Arbeitsplätze in der Gemeinde von 223 im Jahr 2000 auf nunmehr 151. Dagegen pendeln 700 Einwohner in andere Arbeitsorte. Erfreulich, dass sich für die Grundschulgeneration ein leichter Anstieg abzeichnet. Die Gemeinderäte hatten im Juni die Neugestaltung der Ortsmitte unter Nutzung des Parkplatzes gegenüber des Rathauses als wichtigen Schritt zur Belebung des Ortes bewertet. Das könnte unter anderem auch die Ansiedlung weiterer Händler fördern.

Teilnehmer sammeln Ideen auf der Tafel

Als nach einer Stunde und 15 Minute die Einwohner endlich die Chance hatten, ihre Ideen auf den vorbereiteten Tafel zu sammeln, platzten die Vorschläge nur so heraus. Im Gespräch war sehr schnell heraus zu hören, dass die meisten gekommen waren, weil so vieles im Ort zu erledigen sei. Für die Bereiche Städtebau und Sanierung sowie Bildung und Betreuung häuften sich die Kärtchen mit Anregungen. Dabei war es nicht so, dass die Einwohner still für sich ihre persönlichen Vorschläge aufschrieben, nein, an den Stehtischen wurde zu fast jeder Idee in kleinen Runden ausführlich diskutiert.

Mehr Kinderkrippenplätze, die Modernisierung und eine inhaltliche Stärkung der Schule wurden häufig gefordert. Für die Ortsgestaltung kamen viele sehr konkrete Vorschläge auf, neue Bahnunterführung, besserer Zugang zum Einkaufszentrum, Fußgängerüberweg in der Schwanenhalskurve sind nur einige Beispiele. Für sich genommen sind es oft relative Kleinigkeiten, die aber in der Masse eine Vielzahl von Verbesserungen in den Alltag bringen würden. Nun gilt es, zu präzisieren.

Bei einer weiteren Werkstattrunde am Monag, 12. November, soll in die Tiefe gegangen werden. Viele Bürger haben ihre Teilnahme dafür zugesagt.