Schwörstadt – Ein agiler alter Herr öffnet die Tür und bittet in sein Arbeitszimmer. Wohl geordnet stehen oben im Regal über dem Sofa gut und gern 40, 50 Bücher, viele davon gleichfarbig, so dass es leicht fällt, sie als Werke gleicher Thematik zu ordnen. Alle sind seine Bücher, also nicht, dass sie ihm nur gehören, nein, er hat sie alle geschrieben. Wolfgang Klein erweist sich von Beginn des Gespräches an als logischer Denker, als Feingeist und als Autor mit außerordentlichem Detailwissen.

Geboren wurde Klein 1922 in Königsberg, der Hauptstadt des früheren Ostpreußens. Er musste in den Krieg ziehen, geriet in sowjetische Gefangenschaft und wurde 1950 nach Deutschland entlassen. Da waren seine Landsleute alle schon vertrieben aus Ostpreußen.

Immer noch ein Blick für seine alte Heimat

Seit 1964 lebt er in Schwörstadt. Doch den Blick für seine alte Heimat verlor er nie. Schließlich hatte er nicht nur Erinnerungen, er wusste auch, dass vieles noch gar nicht für die Nachlebenden erfasst und manches überhaupt noch nicht entdeckt war. So begann er also, seine Geburtsstadt Königsberg neu und vielleicht sogar viel besser kennenzulernen, als er sie vorher gesehen hatte.

Wolfgang Klein beherrscht französisch, griechisch, russisch, versteht auch polnisch. So war für ihn der Weg in die Arbeit mit vielen Originalquellen stets sehr ergebnisreich. Die Themen fand er schnell, so etwa die Geschichte der Stadttore von Königsberg, bestehende und frühere Friedhöfe. Allein 18 Bände umfasst sein Überblick über die Verwaltungseinheiten und evangelische Kirchspiele für die früheren preußischen Bezirke Königsberg, Gumbinnen, Allenstein und Westpreußen. Anfang der 1990er Jahre besuchte er noch einmal Königsberg, ebnete dabei auch den Weg für Zugänge zu Archiven und Bibliotheken.

Ausgezeichnet mit der Königsberger Bürgermedaille

Vor wenigen Wochen erst fand seine heimatgeschichtliche Arbeit Anerkennung mit der Verleihung der Königsberger Bürgermedaille durch die Stiftsgemeinschaft Königsberg. Doch Klein geht es nicht nur ums Schreiben an sich. „Ich sehe es mit großer Freude, dass heute etliche meiner Werke von Einheimischen in Königsberg in die russische Sprache übersetzt wurden und im Alltag genutzt werden“, sagt Klein. „Das gilt zum Beispiel für die Schriften über die Stadttore und die Friedhöfe.“

Gerade die dokumentarischen Nachweise über die einstigen Bestattungsflächen werden heute von den dortigen Behörden für die städtebauliche Planung von Bauarbeiten genutzt. Ebenso hoch im Kurs stehen die Erinnerungen an den alten Königsberger Tiergarten. Der neue Zoo soll nach dem Vorbild seines Vorgängers ausgebaut werden.

Auch Schwörstadts Geschichte auf der Spur

Recht bald fielen seine historischen Kenntnisse und die Fähigkeit zur sachkundigen Bearbeitung derartiger Themen auch in Schwörstadt und Umgebung auf. So begann Wolfgang Klein mit der Dokumentation von Familiengeschichten, dann folgte die „Geschichte der Gemeinde Öflingen“. Inzwischen kam ein ganzer Stapel Werke zur Ortsgeschichte zusammen, seien es nun die Überblicke zur Geschichte von Schwörstadt und Dossenbach, zur evangelischen Kirchengemeinde Dossenbach oder die Geschichte des Fischervereins.

Dabei brachte sich Wolfgang Klein auch aktiv in das gesellschaftliche Leben von Schwörstadt ein, im Turnverein, im Gesangverein und im Schwarzwaldverein war er aktiv. „Diese vielen Kontakte nutzten mir auch, als ich die Dokumentation über die Häuser in Schwörstadt und Dossenbach erarbeitete“, erinnerte sich Klein. „Damals habe ich jedes Haus besucht, wurde überall aufgeschlossen empfangen. Dennoch konnte ich erhebliche Mentalitätsunterschiede feststellen.“

Sehr gute Verbindungen zu den Archiven

Erstaunlich, mit welchem Elan der heute 96-jährige Autor an neue Themen herangeht. Dank sehr guter Verbindungen zu Archiven kann er immer wieder historische Quellen unmittelbar einsehen. So hat er bereits ein neues Werk in Arbeit, diesmal befasst er sich mit den Siegeln und Wappen der Gemeinde Schwörstadt. Die Bücher von Wolfgang Klein erschienen nicht als Massenauflage in Großverlagen, sondern stets nur in kleiner Zahl. Wer Interesse hat, erhält die Bücher zum Selbstkostenpreis, kann sie einsehen und darf die damit erlangten Erkenntnisse auch weiter ausbauen. Eben solche Rückgriffe und Nutzungen seiner Schriften empfindet Wolfgang Klein als befriedigende Anerkennung seiner Arbeit.