Die „Große Tanne“ von Gersbach war die größte Weißtanne in Westeuropa. Vor 30 Jahren musste sie gefällt werden. Die Schäden an Stamm und Krone wurden zur Gefahr für die Besucher. Der Gersbacher Gerd Sutter führte zum „Tag des Baumes“ zu den Überresten und zur ausgestellten Baumscheibe am Glasmuseum.

Die Stammscheibe wird am Wald- und Glaszentrum präsentiert.
Die Stammscheibe wird am Wald- und Glaszentrum präsentiert. | Bild: Heinz Scholz

Die fast 400 Jahre alte „Große Tanne“ galt mit einer Höhe von 51 Metern, einen Stammumfang von acht Metern und einer Gesamtmasse von 40 Festmetern als die mächtigste Weißtanne in Westeuropa. Fünf Erwachsene mussten sich die Hand reichen, um einen Kreis um die Tanne zu bilden. 1992 wurde die Tanne aufgrund starken Hallimasch-Befalls und Stammfäule gefällt werden. Die Krone war durch Luftschadstoffe geschädigt und seit Oktober 1991 abgestorben. Auch waren Sicherheitsgründe ausschlaggebend. Wie Gerd Sutter anmerkt, wurde eine Absperrung von Neugierigen überwunden, um an den Baum zu gelangen. Die Gefahr von herabfallenden Ästen wurde ignoriert. Der Stamm, der mit Moos bewachsen ist, liegt heute noch am früheren Standort. An mehreren Stellen wachsen kleine Tannen und Fichten heraus. Auf der Rückseite sieht man die von einem Baumchirurgen vor der Fällung angebrachten Streben zur Stabilisierung.

Nach der Exkursion zeigt Gerd Sutter die Schautafel in der Nähe des Eingangs zum Glasmuseum mit dem imposanten Tannenring. Der Gersbacher Rolf Strohm setzte sich damals für einen würdigen Platz ein. Mitglieder der Privatwald-Betriebsgemeinschaft und des Fördervereins „Gerisbac“ sägten und schliffen den Tannenring zur jetzigen Form. Alt-Ortsvorsteher Christan Walter hat 2013 nach Drängen von Rolf Strohm die Standortsuche im Ortschaftsrat angestoßen. Neben der Scheibe stehen Infos aus dem Leben der Tanne, zur Verwendung des Holzes und Daten zur Geschichte von Gersbach.

Die Baumveteranen auch in Gersbachs Wäldern wirken imposant, erhaben und manchmal geheimnisvoll. Sie sind Zeugen vergangener Jahrhunderte. Die Bäume beeindrucken durch ihr hohes Alter und durch ihre Stammdicke. Diese Bäume haben Kriege, Stürme, Blitze und Seuchen überstanden. Im Naturpark Südschwarzwald, besonders im Gersbacher Wald, gibt es noch mehrere starke Tannen, die hunderte Jahre auf dem Buckel haben. Bemerkenswert ist die „Neue Große Tanne“ mit einer Höhe von 53 Metern am Dietenschwander Kopf. Beachtenswert ist auch die „Hohle Eiche“ in Gersbach, die völlig hohl, aber vital ist. Sutter erwähnte, dass an der Eiche mehrmals Feuer gelegt wurde. Heute sieht man im Inneren der Eiche, am Stamm und Ästen Brandspuren.

Die Gersbacher Tannen sind weltweit gefragt. So wurden für das größte freitragende Holzdach der Welt auf dem Gelände der Weltausstellung in Hannover 70 Gersbacher Weißtannen mit mindestens 27 Zentimetern Durchmesser gefällt. Heute wird das astfreie Holz in Containern nach Japan verschifft. Dort werden buddhistische Totentafeln gefertigt und am Totengedenktag auf die Gräber gestellt.