Es geht Schlag auf Schlag: Nach den Plänen für neue Quartiere in Gündenhausen (Reibematt) und Fahrnau (Alte Weberei) kommt ein drittes großes Wohnbauprojekt in kürzester Zeit auf den Tisch. Im Bremt ist zwischen stillgelegtem Gewerbekanal und Wieseufer ebenfalls Wohnbebauung im großen Stil angedacht. Allerdings betrifft dies eine beliebte Naherholungszone und Grünfläche. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) sieht das Vorhaben skeptisch.

  • Das Bauvorhaben: Dass es aktuell noch ein drittes großes Wohnbauprojekt gibt, hatten Bürgermeister Dirk Harscher und Stadtplaner Peter Ego schon in den vergangenen Gemeinderats- und Ausschusssitzungen angedeutet. Bekannt waren bisher die Reibematt-Pläne – hier sind Büros, Praxen und mehrere Dutzend Wohnungen vorgesehen. Ferner ging es erst jetzt im Mai im Gemeinderat um das Areal der Alten Weberei in Fahrnau, wo 100 bis 120 Wohnungen gebaut werden sollen. Aus den Unterlagen der Gemeinderatssitzung am 14. Juni nun geht hervor, was es mit Projekt Nummer drei auf sich hat: Eine Immobilienfirma will im Bremt zwischen altem Turbinenhaus, stillgelegtem Gewerbekanal und Wieseufer rund 130 Wohnungen bauen. Die Firma ist Eigentümerin des Geländes und hat ihre Absichten im Oktober in nichtöffentlicher Klausursitzung dem Gemeinderat vorgestellt. Dieser habe damals weiteren Planungsschritten zugestimmt. Dass es eine konkrete Absicht gibt, dieses Gelände zu bebauen, hatte Stadtplaner Peter Egi im Februar auf Anfrage derbestätigt.
  • Was genau ist geplant? Wie die Bebauung im Detail aussehen soll, ist noch offen. In den Sitzungsunterlagen finden sich acht verschiedene städtebauliche Entwürfe. Die grundsätzliche Linie aber scheint klar zu sein. So sollen „Mehrfamilienhäuser entstehen, die ohne Einfriedungen um größere, zusammenhängende Freibereiche gruppiert werden“. Eine offene Bauweise solle eine „hohe Wohn- und Freiraumqualität nicht nur für die künftigen Bewohner sichern“. Weiter heißt es in der Vorlage: „Als Leitidee dient die Gartenstadt.“ Bei einer dreigeschossigen Bebauung könnten rund 130 Wohneinheiten für etwa 300 Einwohner entstehen.

Andere Varianten indes wie eine „verdichtete, kleinteilige Einfamilienhausbebauung, mit Doppelhäusern oder Reihenhäusern, wie sie bereits im Umfeld besteht“, wäre „nicht möglich“, weil sich damit das Planungsziel nicht erreichen ließe. Vorgesehen sei nämlich, „eine möglichst offene Baustruktur als Verbindung zum Naturraum der Wiesenaue als Abrundung des Siedlungskörpers zu realisieren“.

Der stillgelegte Gewerbekanal soll reaktiviert und renaturiert werden. Damit würde die Wasserversorgung für den städtischen Gewerbekanal und das Stadtwuhr sichergestellt, auch könnten damit Ausgleichsmaßnahmen vor Ort umgesetzt und ein parkartiger Grünbereich angelegt werden, der als Puffer zur bestehenden Bebauung diene und eine „Naherholungsnutzung nicht nur für das geplante Quartier“ ermögliche. Das denkmalgeschützte Turbinenhaus soll in die Bebauung integriert werden und mit dem Kanal „die Identität des Neubaugebiets maßgeblich prägen“. Erschlossen werden soll das Quartier über die bestehenden Zufahrten von der Walter-Brutschin-Straße im Einbahnverkehr.

Unter die Erde verlegt werden soll die 110-kV-Freileitung, die über das neue Baugebiet führt. Ebenfalls verlegt werden soll der Verbandssammler des Abwasserverbandes Mittleres Wiesental, der das Gebiet durchschneidet.

  • Was sind die nächsten Schritte? Der Gemeinderat soll am 14. Juni die Aufstellung des Bebauungsplans („Auf der Bremt – West“) beschließen. Vorgesehen sei ein zweistufiges Verfahren mit Umweltbericht, parallel dazu muss der Flächennutzungsplan geändert werden, da das Grundstück als landwirtschaftliche Fläche ausgewiesen ist und in den Außenbereich ragt, wie Stadtplaner Egi im Februar mitgeteilt hatte. Sofern der Gemeinderat am 14. Juni zustimmt, soll der städtebauliche Entwurf ausgearbeitet werden. Sobald ein mit der Stadtverwaltung abgestimmter Bebauungsplanentwurf inklusive vertraglicher Regelungen vorliege, würden die nächsten Schritte (Voranhörung Bürger und Behörden) in die Wege geleitet. Alle Kosten für Planung und Erschließung übernehme der Vorhabenträger.
  • Skeptischer BUND: Schon im Frühjahr hatte Klaus Böttger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), angedeutet, dass die Ortsgruppe ein Auge auf dieses Areal haben werde. Böttger hatte damals bei der Stadt interveniert und vor vereinfachten oder verkürzten Planverfahren gewarnt. Anders als bei anderen Bauvorhaben gehe es hier nicht allein um Verdichtung, die der BUND im Grundsatz begrüße. Betroffen sei in diesem Fall vielmehr ein Areal, das im Flächennutzungsplan als Grünfläche ausgewiesen sei. So gesehen sei es jetzt zwar „im Prinzip“ positiv, dass ein zweistufiges Verfahren mit Umweltbericht vorgesehen sei. „Das ändert aber nichts daran, dass der Flächennutzungsplan hier kein Bauland vorsieht.“ Wenn der Gemeinderat dafür grünes Licht gebe, „würde die Stadt hier einen Präzedenzfall schaffen“, gibt Böttger zu bedenken.

Dann könnten auch andere Investoren auf die Idee kommen, an Randlagen Grünflächen zu kaufen, um daraus Bauland zu machen. Abgesehen davon handle es sich bei diesem Gebiet um eines der letzten „ebenerdigen Naherholungsgebiete im Stadtgebiet“. Da eine Bebauung bis nahe an den Weg entlang der Wiese angedacht sei, gehe bei einer dreigeschossigen Bebauung der offene Charakter dieses Gebiets unweigerlich verloren – das im Übrigen derzeit auch als Überschwemmungsfläche diene. Auch seien viele Kostenaspekte noch unklar – zudem sei in der Vorlage nirgends erwähnt, ob und in welchem Umfang Schule und Kindergarten erweitert werden müssen, wenn nun in Fahrnau beide Bauvorhaben – Bremt sowie das Projekt „Alte Weberei“ – umgesetzt werden. Böttger: „Im Moment stellen sich Fragen über Fragen.“ Er bezweifelt deshalb, dass jetzt schon der richtige Zeitpunkt sei, um grünes Licht für einen Bebauungsplan zu geben. Sinnvoll wäre es seiner Meinung nach auch, wenn sich der Gemeinderat vor Ort ein Bild mache.