Wann soll das Freibad schließen? In dieser Frage sind sich Betreiber und Stadt auf der einen sowie 176 Inhaber der Frühschwimmer-Saisonkarte nicht einig. Stadt und Betreiber wollten das Bad eigentlich an diesem Wochenende schließen, werden es nun aber wegen guter Wetterprognosen außerplanmäßig bis zum 16. September geöffnet lassen. Auf den Karten ist allerdings als Saisonende der 30. September angegeben. Nun gibt es einen schriftlichen Streit um das Schließungsdatum.

Am Donnerstag teilte die Sport- und Freizeitmanagement GmbH als Betreiberin in einer Presseinformation mit, dass das Schopfheimer Freibad bis zum kommenden Mittwoch, 16. September, geöffnet sein wird. Der Wetterbericht verspricht Temperaturen weit über 20 Grad – also können die Schopfheimer weiter schwimmen. Aber einigen reicht das nicht. Es gibt 176 Inhaber der Frühschwimmer-Saisonkarte. Und auf der ist als Saisonende der 30. September vermerkt. Fritz Lenz, früherer Stadtrat und passionierter TSG-Schwimmer, fiel diese vermeintliche Ungereimtheit sofort ins Auge: „Frühschwimmer haben mit dem Erwerb der Frühschwimmer-Saisonkarte mit dem Betreiber des Freibades schriftlich einen Vertrag geschlossen, der sie zwischen dem 29. Juni und dem 30. September in festgelegtem Zeitraum zum Badbesuch berechtigt“, schreibt Lenz in einer Mail an die Stadtverwaltung, die uns vorliegt.

Eine frühere Schließung sei „ein klarer Bruch des mit den Frühschwimmern geschlossenen Vertrages, der nicht hingenommen werden kann“, schreibt der frühere Hausarzt Lenz. „Ich gehe davon aus, dass die Stadt Schopfheim mit dem Betreiber vor der Wiedereröffnung des Bades alle Konditionen abgesprochen hat – auch die für das Frühschwimmen – und bitte die Stadtverwaltung, auf der Einhaltung des Schließ-Termins 30. September zu bestehen.“ Lenz geht es nicht nur um die Frühschwimmer, sondern „auch um alle anderen Badbesucher, die gerne weiter schwimmen wollen und sich in den vergangenen Jahren über ein früh im September geschlossenes Freibad geärgert haben, wenn das sonnige Wetter einen Badbesuch zugelassen hätte“. In diesem Jahr hätten, so Lenz, zumindest alle Frühschwimmer einen Rechtsanspruch auf ein offenes Freibad bis Ende September. Außerdem spreche die Wettervorhersage für einen freundlichen Monat.

Bis zum 30. September hatte das Bad allerdings noch nie geöffnet. Stadt und Betreiber vereinbaren, so Remko Brouwer vom Tiefbauamt in einer Antwort auf die Lenz-Mail, normalerweise das Ende der Freibadsaison zum Ende der Sommerferien – also zum kommenden Wochenende. „Bezüglich der Frühschwimmer wurde vereinbart, dass eine Saisonkarte angeboten wird, welche Gültigkeit hat für die vereinbarte Dauer der Saison 2020“, so Brouwer. „Eine Verlängerung der Saison bis zum 30. September war zwischen der Stadt und dem Betreiber nie im Gespräch.“ Mike Kunz, Geschäftsführer der Sport- und Freizeitmanagement GmbH, die das Bad betreibt, erklärt auf Nachfrage, dass es normalerweise einen zeitlichen Puffer gebe, falls das Wetter in den Tagen nach den Ferien außerordentlich gut sei – so wie nun vorhergesagt. Es sei üblich, die Öffnungszeit dann ein paar Tage zu verlängern. „Aber wenn die Schule wieder anfängt, macht es normalerweise keinen Sinn, das Bad aufzulassen“, so Kunz. Und bis zum 30. September sei eine Öffnung sowieso utopisch. Das aufgedruckte Datum stamme im Übrigen nicht vom Betreiber, sondern von einem zwischengeschalteten Online-Anbieter.

Damit geben sich die Frühschwimmer allerdings nicht zufrieden: Fritz Lenz beharrt auf dem auf den Karten vermerkten Datum. „Vermutlich wollte man die späte Öffnung des Bades durch eine spätere Schließung ausgleichen“, schreibt Lenz in einer Antwort auf das Schreiben der Verwaltung. Und auch ein weiterer Bürger – Johannes Kehm aus Wiechs – meldet sich per Zuschrift zu Wort: „Saisonkartenbesitzer sitzen auf dem Trockenen, obwohl sie eine bis Ende September gültige Eintrittskarte haben“, schreibt Kehm. Es sei seitens des Betreibers „eine ziemlich dreiste Idee, die Verantwortung auf andere“ abzuwälzen. Die Aufgabe der Stadt als Eigentümerin des Bades „wäre es eigentlich, sich für die Bürger einzusetzen“. Die Verwaltung hätte sich um das Problem kümmern und den Betreiber des Bades auffordern sollen, abgeschlossene Verträge einzuhalten. „Zumindest hätte sie aber zusichern müssen, dass die Saisonkartenbesitzer für den Nutzungsausfall von einem halben Monat entschädigt werden“, heißt es in der Zuschrift. „Das wäre ein Anruf des Bürgermeisters. Der heißt ja Bürgermeister und nicht Bademeister.“

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