Die Infoveranstaltung zum Thema Verkehrslärm mit Polizeibeamten am Donnerstagabend in der Stadthalle Schopfheim war wider Erwarten nur spärlich besucht. Die insgesamt 15 Teilnehmenden an der Runde diskutierten aber engagiert mit – und übten teils heftige Kritik an den Behörden.

Im Vorfeld hatte es Bedenken gegeben, dass man wegen der durch die Corona-Auflagen beschränkten Besucherzahl von 91 Personen viele Interessierte wieder abweisen müsse. Doch leider weit gefehlt: Lediglich 15 Personen kamen, was auch für den Kürnberger Ortsvorsteher Peter Ulrich als Initiator der Veranstaltung enttäuschend war. Gleichwohl gab es nach den Ausführungen der Polizeibeamten mit Statistiken über Motorradunfälle, Verkehrsüberwachung und Unfallprävention engagierte Wortmeldungen, teilweise aber auch heftige Kritik.

Mehr Ruhe wünschen sich nicht nur Anwohnerinnen und Anwohner in Äule am Schluchsee, sondern auch im Wiesental. Bild: Tanja Bury
Mehr Ruhe wünschen sich nicht nur Anwohnerinnen und Anwohner in Äule am Schluchsee, sondern auch im Wiesental. Bild: Tanja Bury | Bild: Tanja Bury

Für die Anwesenden etwas ernüchternd fiel zunächst die Unfallstatistik der vergangenen drei Jahre im Bereich der Strecke Kürnberg bis Gersbach auf der Landstraße K 6352 aus. So erklärte Jerry Clark, Referent für Verkehrsangelegenheiten beim Polizeipräsidium Freiburg, dass nach Erhebungen in diesem Verkehrsabschnitt nur 22 von insgesamt 1697 Motorradunfällen im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Freiburg erfasst worden seien. Dabei habe es 19 verletzte Personen gegeben, zwei Motorradfahrer seien bei Unfällen ums Leben gekommen. In fast allen Fällen habe man als Unfallursache eine zu hohe Geschwindigkeit feststellen können.

Andreas Schaffhauser, Leiter des Verkehrskommissariats Weil, machte deutlich, dass man Verkehrsüberwachung nur sporadisch und nicht überall durchführen könne. Gerade der kurvige Streckenverlauf erschwere Geschwindigkeitsmessungen, bei Lärmmessungen der Motorräder an geeigneten Plätzen seien die Eintragungen für die Lärmhöchstwerte in der Zulassungsbescheinigung relevant. Und die seien bei schweren Motorrädern zu hoch angesetzt. Zudem seien Motorradunfälle von weniger geübten Fahrern bei nicht angepasster Geschwindigkeit in Kurven auch durch Geschwindigkeitsreduzierungen auf diesen Strecken nicht zu verhindern.

Diese Ausführungen brachten den Schopfheimer Grünen-Stadtrat Ernes Barnet auf die Palme: „Ich möchte von der Polizei nicht hören, dass Geschwindigkeitsbegrenzungen zur Vermeidung von Unfällen nicht zielführend sind“, sagte er. „Vielmehr muss man die Geschwindigkeitsvorgaben radikal reduzieren. Wir haben im Gemeinderat eine Resolution verfasst, aber nichts ist bisher passiert. Wenn Sie sagen, die Polizei muss nur die behördlichen Vorgaben überwachen, dann muss die Polizei eben auch Einfluss auf die Behörden nehmen, welche die Vorgaben machen.“ Der Kürnberger Ortsvorsteher Peter Ulrich forderte: „Wir müssen unbedingt Druck auf die Entscheidungsträger ausüben.“

Ein Gersbacher Bürger meinte: „Wenn ich den statistischen Filter umlege und Pkw-Unfälle mit Motorradunfällen vergleiche, komme ich zum Ergebnis, dass es 95 Prozent mehr Motorradunfälle gibt. Bei fast allen Motorradunfällen gibt es Schwerverletzte. Und die Unfälle passieren meist an den gleichen Stellen.“

Kürnbergerin berichtet von Rennen in der 30er-Zone

Drastisch schilderte Regina Maeder aus Kürnberg die Situation: „Ich beobachte ständig mit Helmkameras ausgestattete Motorradfahrerkolonnen, die durch unseren Ort preschen und Rennen austragen. An die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern hält sich niemand. Unsere Kinder, aber auch andere Verkehrsteilnehmer sind da schwer gefährdet.“ Ins selbe Horn stieß Daniela Gempler aus Kürnberg: „Ich habe schon so viele Briefe an die Behörden geschrieben.“ Mittlerweile habe sie die Hoffnung aufgegeben.

„Lärm macht krank. Und dagegen müssen wir etwas tun,“ sagte Jürgen Brüderlin aus Schopfheim, der der Polizei keinen Vorwurf machen wollte. „Aber wir müssen Druck aufbauen, um die bestehenden Zulassungsregeln und die Straßenverkehrsordnung zu ändern.“ Er verwies auf Fahrverbote für laute Motorräder in Österreich: „Das sollte man auch bei uns überdenken.“ Der Schopfheimer Bürgermeister Dirk Harscher resümierte: „Wir sollten bei der Lärmbekämpfung unbedingt am Ball bleiben und führen deshalb einen ständigen Dialog mit den Behörden.“ Dennoch müsse man immer wieder an die Vernunft aller Verkehrsteilnehmer appellieren.