Ausfallende Kurse und die Ungewissheit, wie die Bildungsangebote in der Pandemie zukünftig gestaltet werden können, bestimmten die alljährliche Sitzung des Betriebsausschusses der Volkshochschule Schopfheim.

Im Blickpunkt standen vor allem die fast 100 Dozenten, von denen eine Menge der Volkshochschule in der Krise verloren gehen könnten, weil ihre Einnahmen jetzt schon zum zweiten Mal in diesem Jahr zu großen Teilen wegbrechen.

VHS-Leiterin Katrin Nuiro
VHS-Leiterin Katrin Nuiro | Bild: Gerald Nill

„Wer hätte vor einem Jahr gedacht, was da auf uns zukommt?“, blickte Bürgermeister Dirk Harscher nachdenklich auf 2019 zurück. Das vergangene Jahr fiel für die VHS von den Teilnehmerzahlen und der Bilanz besser aus als gedacht. Doch dann kam Corona und brachte den Kurs-Betrieb praktisch zum Erliegen. Nachdem das Herbstprogramm noch verhalten optimistisch anlief, wirkt der Teil-Lockdown wie ein Schlag. „Eine ganz schwierige Situation für die VHS “, so Harscher. Es laufe ziemlich „geräuschlos“, was das VHS-Team leiste, sei aber „organisatorisch eine Meisterleistung“.

Harschers Devise: „Aushalten und durchhalten.“ Realistisch sei kein Ende der Pandemie vor Frühjahr nächsten Jahres zu erwarten. Was die VHS dann zum dritten Mal ein Programm mit vielen Fragezeichen versehen lässt. Aktuell kann nur ein kleiner Teil der angebotenen 250 Kurse stattfinden. Die meisten mussten aus Angst vor Ansteckung oder wegen der Sicherheitsauflagen abgesagt werden. Und mit einer Lockerung der Corona-Maßnahmen sei bis Weihnachten sicher nicht zu rechnen, so Harscher.

Es war denn auch Bürgermeister Harscher, der den Fokus auf die Kursleiter richtete. Dozenten, die teils nebenberuflich Ausbildungs-, Sport- oder Kreativkurse durchführen. Teilweise ist die VHS aber auch die einzige Einnahmequelle für sie. „Es ist eine schlimme Zeit für die Kursleiterinnen und -leiter“, meinte Harscher. „Die meisten können die Ausfälle nicht anderweitig kompensieren.“ Da es für die Dozierenden schwierig sei, an Hilfsgelder zu kommen, bleibe für viele nur das Arbeitslosengeld II.

VHS-Leiterin Katrin Nuiro erklärte, dass Online-Angebote nur in sehr begrenztem Maße eine Alternative seien. Yoga oder Malen gehe eben nur durch Präsenz. Zum anderen sei ein Großteil der Kursteilnehmer über 60 Jahre alt und nicht so online-affin. Dann richtete auch Nuiro ihr Augenmerk auf die Kursleiter. Aktuell gingen erst eine Handvoll Dozenten von der Fahne, aber durch Telefongespräche weiß die VHS-Leiterin, dass eine ungewisse Anzahl an Kursleitern der Volkshochschule den Rücken kehren wird, wenn die Einnahmemöglichkeit für sie dauerhaft wegfällt. Die meisten Dozenten seien mit Leib und Seele dabei, doch jetzt stelle sich eine gewisse Zurückhaltung ein. „Wir müssen hinterhertelefonieren und nachfragen, warum kein Angebot kommt“, berichtete Nuiro. Die Sorge: „Unsere Dozenten springen ab.“

Bei diesem Punkt meldete sich eine Zuhörerin und erhielt – ausnahmsweise – das Wort von Bürgermeister Harscher. Sie sprach von einem „Riesenverlust für die VHS“, der drohe. Man müsse jetzt etwas unternehmen, um den Dozenten zu helfen. Sie würden bestimmt nicht „ewig warten, bis bei der VHS wieder etwas geht.“ Der Vorschlag der Zuhörerin: „Einen Teil der Kursbeiträge an die Dozenten abzugeben. Und zwar jetzt.“

Beim Punkt Ausblick gab die VHS-Leiterin an, gerne jetzt ausgefallene Kurse aus dem Herbstprogramm im Frühjahr noch einmal aufzunehmen, sofern deren Durchführung dann möglich ist. Harscher dankte dem gesamten Team der Volkshochschule für eine „tolle Leistung in schwieriger Phase“ und organisatorische Klimmzüge. Er wiederholte: „Eine ganz schwierige Situation!“