Der Ton war an Deutlichkeit kaum zu überbieten: Im Januar der Gemeinderat die Behörden mit einer Resolution aufgefordert, „die nicht mehr akzeptierbaren gesundheitlichen Lärmbelastungen“ durch Verkehr in Langenau und Enkenstein abzustellen. Nicht nur Resolutionsverfasser Ernes Barnet (Grüne) hat nun aber den Eindruck, „dass wir damit auf taube Ohren stoßen“ – nicht nur, weil jetzt eine übergangsweise Tempo-30-Regelung abgelehnt wurde.

Auch vom Verkehr belastet: Langenau.
Auch vom Verkehr belastet: Langenau. | Bild: Edgar Steinfelder

Es ist nicht so, dass es gar keine Reaktion von den Behörden gibt. Im April hatte Bürgermeister Dirk Harscher berichtet, dass das Regierungspräsidium Freiburg für die Landesstraße 139 in den beiden Ortsteilen Flüsterasphalt in Aussicht stellt – allerdings erst im Zeitraum 2022 bis 2025, wobei in Langenau der Flüsterasphalt nur außerhalb der Tempo-30-Bereiche vorgesehen sei, weil er nur dort Sinn mache. Mit ein Grund für diesen langen Zeithorizont sind noch ausstehende Bauarbeiten für den Hochwasserschutz. In Enkenstein muss stellenweise die Straße aufgerissen werden. Der Flüsterasphalt soll dort daher erst nach Abschluss des Hochwasserschutz-Projekts aufgebracht werden.

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Harscher wollte sich mit dieser Aussicht nicht zufrieden geben und kündigte damals an, sich dafür einzusetzen, dass für die Übergangszeit Tempo 30 durchgängig in den beiden Orten angeordnet wird. In der Gemeinderatssitzung am Montag nun wollte Werner Oswald von der Interessensgemeinschaft Verkehr Enkenstein den aktuellen Sachstand wissen. Harscher berichtete daraufhin, dass das Regierungspräsidium seine Tempo-30-Idee abgelehnt hat.

Oswald reagierte enttäuscht auf diese Nachricht. „Man hat das Gefühl, die Sache wird verwässert und verläuft im Sand.“ Auch für die Enkensteiner Ortschaftsrätin Karin Bernbach wirft das Fragen nach dem Zeithorizont auf, da der Hochwasserschutz in Enkenstein ja eher zögerlich vorankomme. Bürgermeister Dirk Harscher stellte klar, dass die Stadt daran interessiert sei, den Hochwasserschutz schnellstmöglich umzusetzen. „Wir stoßen in Enkenstein aber nicht auf allerbeste Rahmenbedingungen.“ Enkensteins Ortsvorsteherin Eva Brutschin, die das Thema emotional aufwühlte, schilderte in der Sitzung nochmals nachdrücklich den Leidensdruck der Menschen, die vor allem durch Schwerlastverkehr – auch wegen der Kreismülldeponie und von Langholztransportern – stark belastet sind. „Wir haben Montag bis Samstag Schwerlastverkehr, der in jüngster Zeit um 34 Prozent zugenommen hat.“ Samstag und Sonntag dann fahren die Motorradfahrer in Scharen durchs Dorf und obendrauf käme auch noch Ultraleichtflugzeuge. „Die machen der Lärm wie kleine Motorräder.“ Die Menschen seien „sieben Tage die Woche Lärm ausgesetzt. Eigentlich ist es das Beste, man haut am Wochenende ab oder oder wünscht sich, dass es regnet.“ Und jetzt solle ja auch noch die Deponie erweitert werden. Brutschin: „Es wird immer mehr mit dem Verkehr – die Leute sind traumatisiert.“

Harscher versprach, nicht locker zu lassen und sich weiter für eine Tempo-30-Übergangsregelung einzusetzen. „Das ist eine einfache Lösung, die fast kein Geld kostet. Das müsste in meinen Augen möglich sein.“ Langenaus Ortsvorsteher und Freie-Wähler-Stadtrat Walter forderte für die L 130 „einen Masterplan.“ Bisher komme von den Behörden nur „Blabla, passieren tut nichts.“ Dabei wäre es absolut kein Problem, Schilder aufzustellen. „Das ist Pillepalle.“ Mittlerweile vergehe keine Ortsvorsteher-Sprechstunde, ohne dass sich nicht mindestens ein Bürger über Lärm beschwere. „Es wird immer schlimmer, die Lkw werden größer und mit dem Ausbau der Deponie wird der Verkehr sicher nicht weniger. Wir müssen den Druck hochhalten sonst passiert nichts.“

Raitbachs Ortsvorsteher Wilhelm Tholen kann „nicht nachvollziehen, warum Tempo 30 in Schwörstadt sogar bei einer Bundesstraße geht und bei uns nicht.“ Für Ernes Barnet (Grüne) ist es „eine Unverschämtheit“, wie das Landratsamt und das Regierungspräsidium auf die Resolution reagiere. Einerseits stelle das Landratsamt Forderungen oder habe Wünsche – Stichwort Asylunterkunft Fahrnau. „Wenn man dann aber umgekehrt etwas will, stößt das auf taube Ohren. So kann man mit der Bevölkerung nicht umgehen.“ Es sei völlig unverständlich, warum Tempo 30 in großen Städten wie Paris möglich sei „aber nicht hier bei uns.“ Für Barnet ist es schlicht „eine Frechheit, den Menschen zuzumuten, dass sie sonntags bei schönem Wetter nicht auf der Terrasse sitzen können.“ Dazu kommen die fehlenden Gehwege gerade auch für Kinder. „Verdammt nochmal, warum muss es erst Tote geben, bis was passiert. Das kann doch nicht sein.“

Felix Straub (Grüne) regte an, die Fortschreibung des Lärmaktionsplans zeitlich vorzuziehen. Abgesehen davon sollten Schopfheimer Kreisräte einer Deponievergrößerung nur bei einer Tempo-30-Regelung zustimmen.