Nach coronabedingtem Ausfall im vergangenen Jahr konnte der Verein „ExBluesive – Jazz und Blues Südbaden“ nun die von ihm 2018 begonnene Geschichte des Blues in Form von Livekonzerten weitererzählen. Das fünfte Dreyland-Bluesfestival 2021 bot an drei Tagen und an drei Spielorten wieder mal gewohnt erlesene musikalische Kost. Zum Auftakt gab‘s am Freitag im Schopfheimer Stadtpark gleich doppelte Frauenpower: Vanja Sky und Laura Cox sorgten für einen „rockigen Hammer-Blues-Ladies-Abend“.

Laura Cox und Band gelang es, die Zuhörer von ihren Sitzen zu reißen.
Laura Cox und Band gelang es, die Zuhörer von ihren Sitzen zu reißen. | Bild: Paul Eischet

In Scharen waren Besucher in den Stadtpark geströmt. Einerseits erfreulich, andererseits war aufgrund der Menschenmenge an coronakonforme Abstände nicht zu denken. So kam denn auch Manfred Bokey vom Team ExBluesive in seiner Begrüßung nicht umhin, für den gesamten Konzertabend eine Maskenpflicht auszusprechen.

Den Auftakt machte die in Kroatien geborene Sängerin und Gitarristin Vanja Sky mit ihrer Band, bestehend aus Robert Wendt (Gitarre), Artjom Feldtser (Bass) und Flash Ostrock (Schlagzeug). Sky ist ein musikalischer Spätzünder: Im Alter von 19 Jahren besuchte die gelernte Konditorin eine Veranstaltung mit Live-Musik, wo sie unheilbar mit dem Rock-Virus infiziert wurde. „Es war verrückt“, erinnert sie sich. „In dem Moment habe ich beschlossen, Gitarre zu spielen.“ Gesagt, getan. Nachdem sie vom deutschen Label „Ruf Records“ entdeckt wurde, tourte sie durch Europa, gründete ihre eigene Band, spielte als Support für die britische Hardrockband UFO und die US-amerikanische Bluesrockband Cannet Head. Sie nahm zwei Alben auf, die bei Bluesrock-Fans großen Zuspruch fanden. In Schopfheim überzeugte Sky mit ihrer wandlungsfähigen Alt-Stimme und bewies ihr unverkennbares Talent als Blues-Sängerin. Zudem agierte sie als versierte Rhythmus-Gitarristin – die Soli spielte Band-Gitarrist Robert Wendt, und das ausnahmslos mit furioser Brillanz. Sky präsentierte vornehmlich Titel ihres zweiten Albums „Woman Named Trouble“ sowie einige interessant interpretierte Coversongs. Vor allem beim Led Zeppelin-Klassiker „Whole Lotta Love“ ließ sie es mittels elektronischer Klangkapriolen so richtig krachen. Das Publikum dankte es ihr mit stürmischen Ovationen.

Überraschend ließ es sich die Sängerin nicht nehmen, die Bühne zu verlassen und Süßigkeiten zu verteilen. Mit ihren zumeist bodenständigen und kraftvollen Songs machte sie ihrem Ruf als „aufsteigender Stern am Bluesrock-Himmel“ alle Ehre. Nach zwei Zugaben bedankten sich die Solistin und ihre Band mit gemeinschaftlichen Schüssen aus kleinen Konfettikanonen bei einem begeisterten Publikum. Dem rockigen Blues von Vanja Sky folgte bluesiger Hardrock von Laura Cox. Die französische Sängerin und Lead-Gitarristin bot „High voltage Rock ‚n‘ Roll“ vom Feinsten. Und gleich zu Beginn machte sie klar, wohin die Reise geht: Sie eröffnete ihren Auftritt mit Heavy Metal-artiger Wucht. Hatten die Zuschauer bislang brav auf ihren Plätzen gesessen, riss das plötzlich hereinbrechende Soundgewitter Jung und Alt förmlich von den Sitzen. Etliche strömten auf den Platz vor der Bühne, um sich tanzend, springend und wiegend der treibenden Kraft der Musik hinzugeben. Cox bezeichnet sich selbst als „Badass Rock ‚n‘ Roll Lady“, und im Verlauf des Abends machte sie diesem Ruf alle Ehre. Unterstützt vom Lead-Gitarristen Mathieu Albiac, der Bassistin Marine Danet und Antonin Guérin am Schlagzeug zündete Cox ein anderthalbstündiges Rock-Feuerwerk und brachte die Bühne zum Beben.

Laura Cox, Tochter einer französischen Mutter und eines englischen Vaters, lernte mit 14 Gitarre. Vier Jahre später lud sie ihre ersten Coversongs bei YouTube hoch, wo sie inzwischen über 450 000 Abonnenten und mehr als 100 Millionen Aufrufe vorzuweisen hat. 2013 gründete sie ihre erste Band, tourte durch Europa und veröffentlichte zwei Alben. Schon jetzt zählt die 31-Jährige zu den weltbesten Rock-Gitarristinnen. Genau das stellte sie auch in Schopfheim unter Beweis.

Sowohl ihr druck- und kraftvoller Gesang als auch ihre ausgefeilte und fingerfertige Spieltechnik auf der E-Gitarre sorgten im Stadtpark immer wieder für Wellen der Begeisterung. Getragen wurde Cox von den grandiosen Leistungen ihrer Band-Mitglieder – angefangen bei den markanten Riffs und ausladenden Soli des Lead-Gitarristen bis hin zu einem humorvoll inszenierten und virtuosen Solo, mit dem der Schlagzeuger das Publikum zum Mitklatschen animierte. In seiner anfänglichen Begrüßung hatte Bockey zugegeben, dass ursprünglich an diesem Abend zwei andere Bands eingeladen waren. Beide sagten ab, und Vanja Sky und Laura Cox sprangen ein.

Die beiden Bluesrock-Musikerinnen als „Ersatz“ anzusehen, wäre aber unangemessen, denn sie haben für einen rundum gelungenen hörenswerten Auftakt des diesjährigen Dreyland-Bluesfestivals gesorgt.