Sie stehen an prominenter Stelle im Schopfheimer Stadtbild – und dennoch seit mehr als 16 Jahren leer. Jetzt aber scheint ein Ende absehbar. „Wir sind guter Dinge“, sagt Bürgermeister Dirk Harscher mit Blick auf die Zukunft der beiden historischen Uehlin-Häuser. Geplant ist, dass ein potenzieller Käufer im Oktober sein Konzept für die künftige Nutzung der Gebäude öffentlich im Gemeinderat vorstellt.

Drei Angebote lagen der Stadt nach Ablauf der Bieterfrist kurz vor den Sommerferien für das 312 Quadratmeter große Gelände mit den beiden rund 200 Jahre alten Gebäuden in Schopfheims zentralster Lage vor (wir berichteten). Ende Juli dann hatte eine Jury die Offerten unter die Lupe genommen. Geht es doch Stadt und Gemeinderat nicht allein darum, den besten Preis zu erzielen – festgesetzt worden war ein Mindestgebot von 250.000 Euro. Auch war ein Nutzungskonzept für die Häuser verlangt worden – „ im Sinne der Stärkung der Innenstadt als zentralen Treffpunkt und Kommunikationsort“, wie es im Ausschreibungstext hieß.

Die Jury, der Vertreter der Stadtverwaltung und der Stadtratsfraktionen angehörten, hatte sich laut Harscher in der Sitzung Ende Juli auf einen Favoriten geeinigt. „Wir haben einen Interessenten ausgewählt, mit dem wir weitermachen wollen“, sagt Harscher auf Nachfrage der BZ. Allerdings sollten aus Sicht der Jury am Konzept noch einige Dinge überarbeitet werden. Anfang September habe der Investor das geänderte Konzept vorgelegt – aus Sicht von Bürgermeister Harscher passt jetzt so weit alles. Mit anderen Worten: Ein Verkauf der Häuser rückt nach der langen Vorgeschichte in greifbare Nähe. Harscher: „Es sieht gut aus.“

Geplant sei, dass der Investor sein Konzept am 11. Oktober im Gemeinderat – der beim Verkauf das letzte Wort hat – öffentlich vorstellt. Details will Harscher aktuell noch nicht nennen, weder zum Namen des Investors – „man kennt ihn in Schopfheim“ – noch zu der geplanten Nutzung. Nur so viel lässt er schon mal durchblicken: „Es gibt zur geplanten Nutzung Überlegungen, wo man sagen kann: Das passt.“

Auch die beiden anderen Interessenten hätten laut Harscher „brauchbare Angebote abgegeben“. Die von der Jury favorisierte Offerte aber habe am meisten überzeugt.

Was die vorgelegten Konzepte gemeinsam haben: Alle drei sehen einen Abriss und Neubau der Gebäude vor – also auch der jetzt bevorzugte Entwurf.

„Das macht auch Sinn“, sagt Dirk Harscher mit Blick auf den langen Leerstand und den Zustand der Gebäude, die obendrein zusätzlich beim Brand 2017 beschädigt worden waren. Auch ist beispielsweise das Erdgeschoss nicht ebenerdig, was im Falle eines Gebäudeerhalts einen aufwändigen Umbau erfordert oder aber eine Nutzungen erschwert hätte. Baurechtlich zulässig sind Einzelhandel, nicht störendes Kleingewerbe, Wohnen, Gastronomie und kulturelle Nutzungen – aber keine Vergnügungsstätten.

Zwei frühere Verkaufsversuche beziehungsweise Ausschreibungsrunden in der Vergangenheit waren denn auch vor allem daran gescheitert, dass noch bis März dieses Jahres ein Abriss zumindest des Gebäudes an der Ecke Scheffelstraße aus Denkmalschutzgründen untersagt war. Grund: Johann Georg Uehlin (geboren 23. September 1819; gestorben 20. Dezember 1893) hatte hier an dieser Stätte ab 2. April 1864 die erste Schopfheimer Lokalzeitung, den „Statthalter von Schopfheim“ herausgegeben. Johann Georg Uehlin war nicht nur als Redakteur tätig, sondern auch Druckereibesitzer, Verleger und Autor zahlreicher Gedichte.