Es sind dieser Tage Schneemengen gefallen, wie sie Südbaden und der ganze Schwarzwald lange nicht gesehen hat. Bis in die tiefen Lagen liegen mehrere Zentimeter Schnee. Doch in den kommenden Tagen soll es Tau- und Regenwetter geben – was Flüsse und Bäche voraussichtlich anschwellen lässt.

Experten rechnen mit erhöhten Pegelständen bis hin zu einem sogenannten fünfjährigen Hochwasser entlang von Wiese und Kleiner Wiese. Letztere trat vor zwei Jahren das letzte Mal über die Ufer. Wie bereiten sich die Anrainergemeinden darauf vor?

  • Die Hochwassergefahr: Ab heute, Donnerstag steigen die Temperaturen. Laut Wetterbericht gibt es Ende der Woche bis zu sieben Grad, inklusive weiterer Niederschläge. Wer auf die Webseite der Hochwasservorhersage der Landesanstalt für Umwelt (LUBW) geht, kann die Prognose einsehen: Ab dem 22. Januar werden für den Pegel in Zell signifikant steigende Stände erwartet; ab dem 27. Januar sogar rapide steigend. Gleiches ist auch an der Kleinen Wiese zu erwarten, wo der Webseite für den Pegel in Tegernau allerdings keine Vorhersagen, sondern nur aktuelle Pegelstände zu entnehmen sind. Hochwasserprobleme entlang der Wiese waren in den vergangenen Jahren selten. Der Fluss ist hinter Hochwasserschutzdämme gezwängt und fließt im Oberen Wiesental in einem tiefen Bett, sodass es in den letzten Jahren lediglich sporadisch dazu kam, dass er über die Ufer trat. Zuletzt war das im November 2017 in Schönau, Todtnau und Zell-Mambach der Fall. Bei Maulburg machte damals Jahren der Zusammenfluss mit der Kleinen Wiese und dem Schopfheimer Gewerbekanal Probleme: Hier mussten Feuerwehr und THW einen Sandsackwall errichten, um die Trinkwasserversorgung zu sichern. In Maulburg war Hochwasser ins Pumpwerk eingedrungen. Die Kleine Wiese zeigt sich sowieso regelmäßig etwas wilder als ihre große Schwester. 2018 ließ sie in Bürchau Keller volllaufen und in Langenau wurden – wieder einmal – große Flächen, darunter der Sportplatz, überflutet.
  • Die jetzigen Vorkehrungen: „Wir erwarten das Hochwasser nach dem Wochenende“, sagt Remko Brouwer. „Die Vorhersage hat sich zwar wieder etwas entschärft, kann sich aber stündlich ändern. Das hängt davon ab, bis in welche Höhenlage das Tauwetter einsetzt und wie viel Regen dazu kommt.“ Die Stadt bereite sich darauf vor, indem die Gewässer – vor allem Kleine Wiese, Schlierbach und in Enkenstein der Gresger Bach – von Gehölzen befreit werden.

„Davon müssen wir so viel es geht wegbekommen in den nächsten Tagen“, so Brouwer. Gerade oberhalb von Enkenstein gebe es am Gresger Bach viel zu tun. „Wir rechnen nicht mit größeren Schäden“, sagt Brouwer. Es könne an den üblichen Orten – in Langenau am Sportplatz und nördlich des Orts – zu Überschwemmungen kommen, „aber das ist nichts ungewöhnliches“. Abgesehen von den städtischen Bemühungen könne jeder Anlieger an den Gewässern zum Hochwasserschutz beitragen: Anrainer sollten nichts direkt am Ufer lagern, was weggeschwemmt werden und anderswo einen Rückstau verursachen könnte. „Für den eigenen Schutz wissen die Anlieger, dass man sich bis zu einem gewissen Punkt mit Sandsäcken behelfen kann“, so Remko Brouwer.

  • Der Hochwasserschutz: Dass gerade entlang der Kleinen Wiese häufiger Probleme registriert werden, liegt auch am noch unvollständigen Hochwasserschutz. In den Schopfheimer Ortsteilen Langenau und Enkenstein sind seit Jahren Konzepte geplant, die allerdings noch auf ihre Umsetzung warten. In Enkenstein ist ein teils unterirdischer Entlastungskanal für den Gresger Bach geplant. „Hier ist das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen“, so Brouwer. Die Stadt wird nun Förderanträge stellen und Grundstücke erwerben, die Bauarbeiten werden voraussichtlich aber nicht vor 2022 starten. Bei den Vorkehrungen in Langenau ist die Stadt durch den Personalmangel – unter anderem ist die Leitung des Tiefbauamts unbesetzt – im Zeitplan zurückgeworfen worden. „Es liegt ein Konzept mit mehreren Varianten vor“, so Brouwer. Dabei geht es vor allem um den Schutz einzelner Straßen und Gebäude. Es sei noch nicht final entschieden worden, welche Variante weiterverfolgt wird.

Im Kleinen Wiesental ist ähnliches geplant: Nach den Überflutungen 2018 waren in der Gemeinde mehrere Vorkehrungen zum sogenannten Objektschutz – dem Schutz einzelner Häuser – vorgesehen. „Wir sind noch nicht wirklich weiter mit den Überlegungen“, sagt Bürgermeister Gerd Schönbett auf Nachfrage – wobei auch noch strittig sei, wer für den Schutz einzelner Gebäude zuständig sei, Gemeinde oder Bewohner.

In Wieslet sei der Durchfluss der Kleinen Wiese unter der Brücke der L 136 vor Jahren ausgebaggert worden, was Entspannung geschaffen habe. Der Werkhof werde allerdings die Engstellen im Auge behalten und eventuell Treibgut noch vor dem kommenden Wochenende entfernen.