Doppelter Symbol-Akt auf dem Schulcampus: Am Montag feierte die Stadt mit illustren Gästen auf Schopfheims größter Baustelle einerseits die Grundsteinlegung für die neue Friedrich-Ebert-Sporthalle, andererseits das Richtfest am Neubau von Friedrich-Ebert-Schule und Johann-Peter-Hebel-Schule. Beide Großbaustellen – so die wichtigste Botschaft – sind zwar immer teurer geworden, liegen aber immerhin im Zeitplan. Und das Geld, so betonten die Redner wiederholt, sei gut angelegt.

Grundsteinlegung Halle

Der bis dato letzte Grundstein auf dem Gelände (nämlich jener am benachbarten Neubau) wurde bei strömendem Regen im vergangenen Oktober gelegt. Nun der krasse Kontrast: Am Montag wurde der mit allerlei Beigaben gefüllte Betonblock bei grillend heißen 34 Grad ins Fundament der Halle eingelassen. Und auch der Großteil der vielköpfigen Gesellschaft aus Schulvertretern, städtischen Mitarbeitern, Stadträten und sonstigen Illustren, die der Zeremonie da mehrheitlich schwitzend beiwohnte, war im Sonnenschein-Modus. Die Streitereien um die ausufernden Kosten des Großprojekts waren kein Thema an dem Tag – es ging darum, den Blick auf Kommendes zu richten. „Es ist der Startschuss für den zweiten Bauabschnitt“, freute sich Bürgermeister Harscher. Das stimmt zwar nur bedingt, denn die Betonierarbeiten an der Bodenplatte für die Halle haben schon vor ein paar Tagen begonnen. Aber der symbolische Akt der Grundsteinlegung und das gleichzeitige Richtfest am Neubau stellen eben doch ein wichtiges Etappenziel und den Start in eine neue Etappe dar.

Bürgermeister Dirk Harscher (links) und Architekt Matthias Seyfert beim Versenken der Zeitkapsel.
Bürgermeister Dirk Harscher (links) und Architekt Matthias Seyfert beim Versenken der Zeitkapsel. | Bild: Nicolai Kapitz

Direkt neben der inzwischen rund 50 Jahre alten und inzwischen recht abgewirtschafteten Friedrich-Ebert-Halle entsteht ein Bau, der die Bedürfnisse des Schulsports und des Vereinssports abdecken und zudem noch das angebaute neue Jugendzentrum beherbergen soll. Es steckt viel Symbolik in einer Grundsteinlegung, und so bemühten sich die Sportler, die Schüler, die Verantwortlichen und auch die Stadtjugendpfleger darum, möglichst vielsagende Talismane in dem Betonklotz zu platzieren, die dereinst – wenn in 5000 Jahren mal jemand just an dieser Stelle archäologische Ausgrabungen tätigt – Aufschluss darüber geben sollen, wie wichtig den Schopfheimern ihre neue Sporthalle im Jahr 2020 war.

Schulrat Helios Scherer (links) bewundert gemeinsam mit FES-Konrektor Günther Fischer und den Gästen den Neubau.
Schulrat Helios Scherer (links) bewundert gemeinsam mit FES-Konrektor Günther Fischer und den Gästen den Neubau. | Bild: Nicolai Kapitz

Die Sportler steckten T-Shirts, Vereinschroniken und andere Symbole in die Zeitkapsel. „Es wird ein Meilenstein für die Hallensport treibenden Vereine in Schopfheim“, freute sich stellvertretend für alle Vereine Gernot Lay von den Handballern über die nun entstehende neue Halle. Zustimmend nickten nebenan Fritz Trefzger von den SVS-Fußballern und Frank Itzin von der TSG. „Es wird eine Heimat für alle Vereine sein“, sagte Lay. Die Vorfreude steigt bei den Handballern, Turnern und anderen Athleten, denn schließlich waren sie in die Planungen direkt eingebunden und freuen sich nun auf eine Sportstätte, in der es zumindest in Sachen Grundausstattung an nichts fehlt. Zudem können 388 Zuschauer von einer festen Tribüne aus die Spiele und Wettkämpfe verfolgen und im Foyer gibt es genug Platz für Veranstaltungen. Architekt Matthias Seyfert ließ ein Beutelchen Münzen in den Klotz plumpsen, Bürgermeister Dirk Harscher packte unter anderem die aktuelle Tageszeitung in den Grundstein, die Schüler von Ebert- und Hebel-Schule und die JUZ-Verantwortlichen Silke Dantona und Katja Janker komplettierten das Zeitzeugen-Sammelsurium mit Fotos. Dann kam der Deckel drauf. Apropos: Der sprichwörtliche Deckel soll auf der Halle im Frühjahr 2022 drauf sein. Ab da können, wenn alles klappt, Schüler und Vereine umziehen und es beginnt der Abriss der alten Halle. Wenn die abgetragen ist, wird bis Ende 2022 das JUZ gebaut. Stand jetzt kostet allein der Hallen-Neubau 12,1 Millionen Euro – Steigerungen nicht ausgeschlossen.

Und bei der Frage nach den Kosten für die Hallenausstattung, an denen sich die Vereine maßgeblich beteiligen sollen, warf Gernot Lay dann doch etwas Schatten auf die ansonsten sehr sonnige Zeremonie: „Corona setzt ganz neue Prioritäten“, sagte Lay. „Die Schäden finanzieller Art durch die Pandemie sind für die Vereine enorm.“ Es sei nicht sicher, in welchem Rahmen die Clubs in der Lage sind, sich mit eigenem Geld an den Anschaffungen zu beteiligen. An diese Stelle passt ein kleiner Witz, den Bürgermeister Dirk Harscher in Richtung des eingeladenen Ex-Bürgermeisters und CDU-Landtagskandidaten Christof Nitz machte: Sein Amtsvorgänger könnte ja künftig in Stuttgart dafür sorgen, dass „ein paar Millionen Euro“ nach Schopfheim fließen.

Richtfest am Neubau

Nachdem die Feiergesellschaft die wenigen Meter in den Schatten des benachbarten Schulneubaus hinter sich gebracht hatte, setzte sich die symbolische Zeremonie hier fort: Der Rohbau des dreigeschossigen Neubaus ist fertig und das wurde mit dem üblichen Richtspruch des Poliers und ein paar würdigenden Worten begangen. „Sowas werden wir in den nächsten 30 bis 40 Jahren in Schopfheim nicht mehr erleben“, meinte Bürgermeister Harscher über das Campus-Gesamtprojekt und betonte wiederholt, dass er die Millionen – es sind Stand jetzt insgesamt um die 35 – hier ganz gut angelegt findet. Eine Ansicht, die auch Schulrat Helios Scherer uneingeschränkt teilt: „Das ist eine Investition in die eigene Existenz“, sagte Scherer mit recht viel Pathos, um dann etwas lockerer fortzufahren: „Es geht hier nicht darum, Kinder zu bespaßen, sondern ihnen eine Raum zu geben, wo sie willkommen geheißen werden, wo sie die Füße an die Erde kriegen und sich entwickeln können.“

Der Richtspruch samt fliegender Gläser gehört dazu.
Der Richtspruch samt fliegender Gläser gehört dazu. | Bild: Nicolai Kapitz

In der ersten Augustwoche wird per Schwerlastkran die Brücke einschweben, die den Altbau mit dem Neubau in Höhe des zweiten Stockwerks verbinden wird. Zum Start des Schuljahrs 2021/2022 sollen hier Schüler der Friedrich-Ebert-Gemeinschaftsschule und der Johann-Peter-Hebel-Förderschule unterrichtet werden, das Rektorat der Förderschule bekommt einen eigenen Bereich.

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„Ich bin froh, dass es jetzt so weit gekommen ist“, kommentierte eine zufriedene Claudia Brenzinger die Feier. Die frühere Rektorin erinnerte sich noch daran, wie sie bereits 2006 auf die Stadt zugegangen sei, um eine Sanierung von Schule und Halle zu erreichen. Jetzt, drei Jahre nach ihrer Verabschiedung in den Ruhestand, erfüllt sich ihr damaliger Wunsch. „Und jetzt muss es fertig gemacht werden.

Der Zeitpunkt, es noch zu stoppen, ist längst vorüber.“ Nach dem Richtspruch ließen die beiden jungen Herren von der Baufirma die Schorlegläser zum letzten symbolischen Akt des Tages vom Dach des – Stand jetzt – 10,1 Millionen Euro teuren Neubaus fallen. Schließlich sollen Scherben doch Glück bringen.