Nach erfolglosen Anläufen in den Jahren 2016 und 2020 sollen die historischen Uehlin-Häuser jetzt erneut zum Verkauf angeboten werden. Die Chancen dürften dieses Mal deutlich besser sein, da jetzt beide Gebäude abgerissen werden dürfen, das bisher größte Verkaufshindernis somit entfallen ist. An anderen Vorgaben will die Stadt festhalten – dabei geht es neu auch um die Erinnerung an Johann Georg Uehlin.

Mehr als 16 Jahre stehen sie nun schon leer, die beiden Uehlin-Häuser an der Hauptstraße 40 – jetzt aber will die Stadtverwaltung keine weitere Zeit mehr verlieren. Mitte März gab Bürgermeister Dirk Harscher bekannt, dass nach langem Hin und Her die bislang größte Verkaufshürde gekippt ist – das Abrissverbot für das Eckgebäude. Ein Käufer der beiden Häuser kann, muss aber nicht mehr das Eckgebäude erhalten. Jetzt, in der April-Gemeinderatsitzung, soll denn auch gleich der Gemeinderat Nägel mit Köpfen machen und eine Verkaufsausschreibung der rund 200 Jahre alten Gebäude beschließen. Diese sind zwar schon lange in schlechtem Zustand, waren bei dem Brand 2017 aber zusätzlich schwer beschädigt worden.

Diese in der Uehlin-Druckerei eingesetzte „Hoffmannsche Buchdruckpresse“ aus dem 1850 soll im Erdgeschoss ausgestellt werden – von dieser seltenen Maschine sind nur noch etwa zehn Exemplare bekannt.
Diese in der Uehlin-Druckerei eingesetzte „Hoffmannsche Buchdruckpresse“ aus dem 1850 soll im Erdgeschoss ausgestellt werden – von dieser seltenen Maschine sind nur noch etwa zehn Exemplare bekannt. | Bild: Stadt Schopfheim

Wie von Bürgermeister Harscher angekündigt, soll der Verkauf wieder an Bedingungen geknüpft werden. Wie bei den früheren Ausschreibungen sieht die Beschlussvorlage vor, dass das 312 Quadratmeter große Gelände mit den beiden Gebäuden in Schopfheims zentralster Lage gegen Höchstgebot veräußert werden soll – wobei das Mindestgebot auf 250 000 Euro festgesetzt wird. Auch wird von Kaufinteressenten wieder ein Nutzungs-und Gestaltungskonzept verlangt „im Sinne der Stärkung der Innenstadt als zentralen Treffpunkt und Kommunikationsort“, wie es in der Vorlage heißt.

Johann Georg Uehlin
Johann Georg Uehlin | Bild: privat

Baurechtlich zulässig wäre Einzelhandel, nichtstörendes Kleingewerbe, Wohnen, Gastronomie und kulturelle Nutzungen – aber keine Vergnügungsstätten. Ausdrücklich soll der Gemeinderat in diesem Zusammenhang beschließen, dass sich die Stadt vorbehalte, „sowohl das Höchstangebot als auch das Gestaltungs- und Nutzungskonzept in die jeweilige Angebotsbewertung mit einzubeziehen und zu gewichten“.

Neu soll dieses Mal ein Verkauf aber noch mit einer zusätzliche Auflage verbunden werden: „Aus heimatgeschichtlichen Gründen besteht ein starkes Interesse der Stadt Schopfheim daran, bei Abbruch und Neubau des Eckgebäudes () oder auch bei dessen Erhalt und Instandsetzung das Werk und Wirken von Johann Georg Uehlin zu würdigen und daran zu erinnern“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Johann Georg Uehlin (geboren 23. September 1819; gestorben 20. Dezember 1893) hatte hier an dieser Stätte am 2. April 1864 die erste Schopfheimer Lokalzeitung, den „Statthalter von Schopfheim“ herausgegeben. Johann Georg Uehlin war nicht nur als Redakteur tätig, sondern auch Druckereibesitzer, Verleger und Autor zahlreicher Gedichte. Um sein Leben und sein Wirken zu würdigen, will die Stadt ausdrücklich festschreiben, dass „in öffentlich zugänglichen oder einsehbaren Räumlichkeiten (zum Beispiel Café, Restaurant oder Laden im Erdgeschoss) eine historische Druckmaschine als Dauerleihgabe der Stadt Schopfheim ausgestellt und am Gebäude eine Infotafel zur Geschichte des Ortes angebracht wird“. Sofern der Gemeinderat die neue Ausschreibung beschließt, hätten Interessenten bis einschließlich 9. Juli Zeit, ein Angebot abzugeben.

Der Gemeinderat tagt am Montag, 19. April, 18.30 Uhr öffentlich in der Stadthalle.