Die Stadt zieht die „Bundesnotbremse“ und schiebt Partys beim Skaterplatz im Lus buchstäblich einen Riegel vor: Seit Mittwoch ist die Anlage in Schopfheims Westen mit Bauzäunen abgesperrt. Zuletzt war sie ein rege besuchter Partytreff. Bis zu 100 Personen hatten sich nach Angaben der Polizei abends dort getroffen, viele davon „Nicht-Schopfheimer“, die wohl auch deshalb anreisten, weil die Anlage als einzige im Landkreis zugänglich war.

„Der nächste Shitstorm steht wahrscheinlich schon in den Startlöchern“, mutmaßt Ordnungsamtsleiterin Cornelia Claßen am Mittwochnachmittag, als sie im Pressegespräch verkündet: Der Skaterplatz ist am sofort geschlossen. Zuletzt war er gerade abends Treffpunkt für viele junge Menschen. Ganze Gruppen kamen demnach von auswärts. Begründet wird die Sperrung mit der am Mittwoch in Kraft getretene Bundesnotbremse. Diese besagt, dass Freizeiteinrichtungen aber einer Inzidenz von 100 zu schließen sind.

Dass dieser Schritt nicht auf Gegenliebe stoßen wird, hatte sich am Montag letzter Woche im Bau-, Umwelt- und Technikausschuss abgezeichnet. Als Bürgermeister Dirk Harscher dort andeutete, dass sich eine Sperrung wohl nicht mehr länger umkurven lässt, gab es einzig von Heidi Malnati (CDU) Zuspruch. Es bestehe ein Risiko, dass die Anlage zum Infektions-Hotspot werde. Ansonsten aber regte sich Unmut im Ratsrund. Peter Ulrich (SPD) etwa warf die Frage auf, was die Verantwortlichen auf höherer Ebene „an den Schreiben der Aerosolforscher nicht verstanden haben“. Draußen sei die Ansteckungsgefahr minimal. Statt den jungen Leuten die letzte Treffmöglichkeit zu nehmen, sollte die Stadt in Absprache mit anderen Kommunen Möglichkeiten ausloten, mehrere solche Angebote offen zu halten – eben damit nicht das passiere wie jetzt in Schopfheim, dass „sich alle an der letzten offenen Stelle konzentrieren“.

Auch Jürgen Fremd (Grüne) fand es sinnvoller, dass andere Orte auch ihre Anlagen öffnen. Andreas Kiefer (Unabhängige) stellte provokativ die Frage, „warum da oben nicht mal richtig das Gehirn eingesetzt wird“. Die Ansteckungsgefahr im Freien sei „nahe null“ – anders als etwa im Kindergarten, wo 20 Kinder auf engstem Raum miteinander spielen. Wenn oben nicht richtig gehandelt werde, müsse eben die „Basis von unten sagen: So geht es nicht.“ Felix Straub (Grüne) war ebenfalls gegen eine Schließung und sprach sich für „kreative Lösungen aus“, etwa eine noch mehr verstärkte Präsenz der Jugendarbeiter vor Ort – und zur Not eben auch mehr Sanktionen durch die Polizei, wenn sich zu viele Personen an der Anlage tummeln. Dieses Vorgehen könne man auch den jungen Menschen kommunizieren. „Eine Schließung sollte die letzte Option sein.“

Das könnte Sie auch interessieren

Um diese „letzte Option“ aber kommt die Stadt nicht herum, stellt jetzt Dirk Harscher klar, nachdem der Corona-Verwaltungstab das Thema zum wiederholten Mal besprochen hat. Fakt sei, dass die Anlage eigentlich gesperrt war, erläutert Cornelia Claßen. Das Flatterband aber ist regelmäßig im Mülleimer gelandet. Die Stadt habe dann „aufgegeben und aufgemacht“. So gesehen habe die Stadt jetzt lange die Augen zugedrückt. Zuletzt aber sei nach Rückmeldungen der Polizei, dass „dort regelrechte Partys mit 80 bis 100 Leuten stattfinden und das nicht nur einmal, sondern immer wieder“, der Druck immer größer geworden, zu handeln. Viele dieser Personen seien dabei von den Polizisten eindeutig als „Nicht-Schopfheimer“ erkannt worden.

Diese seien wohl auch deshalb in Scharen angereist – die Anlage liegt ja in direkter Nähe der S-Bahn-Station Schopfheim-West –, weil der Skaterpark als einziger im Kreis mehr oder weniger „offen“ war. „Es kann aber nicht sein, dass sich hier Leute von überall her treffen und Party machen. Zwar dient jetzt die Bundesnotbremse als Begründung. „Wir hätten aber so oder so zugemacht“, betont Claßen. Die Stadt habe nicht länger die Augen vor dem Geschehen verschließen können. „Das Ganze hatte einfach solche Auswüchse angenommen, dass wir gesagt haben: Die Anlage muss gesperrt werden – mit Bauzäunen.“ In allererster Linie wegen Corona – sprich der Kontakt- und Abstandsregeln. Aber auch Probleme mit Vermüllung und Urinieren hätte man nicht länger ignorieren können.

Stellt sich die Frage: Was ist, wenn die Bundesnotbremse wieder außer Kraft ist, wenn der Inzidenzwert unter 100 liegt? „Vielleicht können wir dann Lockerung machen“, deutet Cornelia Claßen an. Allerdings: „Dass wir komplett aufmachen, glaube ich nicht – einfach weil wir jetzt gesehen haben, dass es einfach nicht funktioniert.“ Denkbar wären aber befristete Öffnungen unter Aufsicht der Mitarbeiter des Jugendreferats. „Im Kopf haben wir bereits einige Szenarien durchgespielt“, sagt Claßen. Doch letztlich hänge eine Lösung auch davon ab, „was die Verordnungen zu diesem Zeitpunkt sagen und welche Erleichterungen es gibt“. Im Moment ändere sich die Situation ja fast täglich.

Bürgermeister Dirk Harscher stellt klar: „Ich mache das nicht gerne. Das tut mir im Herzen weh.“ Lieber hätte er die Skateranlage aufgelassen. Auch im BUT hatte er bereits gesagt, dass er im Freien ein geringes Risiko sehe und es „ja eigentlich schön ist, dass der Ort so gut angenommen wird – aber im Szenario Corona funktioniert das nicht.“