Verharmlost die Umweltbehörde am Landratsamt die Ablagerungen von Erdaushub und Straßenfräsmaterial auf und an Waldwegen im Kleinen Wiesental? Diesen Eindruck hat zumindest der Regionalverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Hochrhein. In einer Pressemitteilung erhebt der Vorsitzende des BUND Hochrhein, Markus Wursthorn, Vorwürfe gegen die Behörde und die Verantwortlichen für die Ablagerungen.

Anlass für diese Presseerklärung ist einerseits, dass die Sichtung des Beweismaterials bei der Staatsanwaltschaft nun abgeschlossen ist und eine Entscheidung über eventuelle Konsequenzen bevorsteht, andererseits bezieht sich der BUND auch auf den Zeitungsartikel, in dem Bürgermeister Gerd Schönbett erste Untersuchungsergebnisse der Umweltbehörde präsentierte – das ausgebrachte Material, so Schönbett, sei aus Sicht des Landratsamts unbedenklich. An dieser Sichtweise hat der BUND nun erhebliche Zweifel. „Im Kleinen Wiesental und Böllener Tal wurde teilweise kontaminierter und unsortierter Straßenbauschutt für Forstwegebau verwendet“, schreibt Wursthorn.

Das hatte zu einer Anzeige durch den windkraftkritischen Verein Vernunftkraft bei der Staatsanwaltschaft gesorgt, was die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte. Auch die lokalen BUND-Vertreter Dieter Berger und Markus Wursthorn seien daraufhin aktiv geworden. Das Ergebnis der BUND-Expeditionen zu den Ablagerungen: „Geradezu ein Hohn ist die Aussage, Straßenbauschutt werde in kleinen Mengen für den Wegebau eingesetzt. Vielmehr sind manche Aufschüttungen so massiv, dass sie durch Wegebau und die Anlage von Holzablagerungs- oder Wendeplätzen nicht gerechtfertigt werden können und offenbar eher billigem Abklappen von Material dienten“, so der BUND. Dass dieses Material so minderwertig sei, habe auch maßgeblich zu zwei Erdrutschen im Vordergrundbachtal geführt, bei denen das Material ans Tageslicht gekommen war. Tatsächlich sei die Ausbringung von Material zur Anlage oder Ausbesserung von Waldwegen genehmigungsbedürftig – „und eine solche Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde lag nicht vor“, so der BUND. „Bis jetzt gibt es weder vonseiten der Staatsanwaltschaft noch vonseiten der Unteren Naturschutzbehörde irgendeine Entscheidung, wie gegen die Verantwortlichen dieses Umweltskandals in Zweckverband, Gemeinde und Forst vorgegangen werden soll“, heißt es in der Mitteilung.

Bei Untersuchungen seien Umweltbehörde, Staatsanwaltschaft und BUND zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen, obwohl dieselbe Beprobungsmethode angewandt worden sei. Der BUND vermutet, dass durch die offiziellen Probestellen bei einem der Erdrutsche am Vordergrundbachtal „nur die oberste Schicht aufgekratzt“ worden sei. „Es ist doch naheliegend, dass diese oberste, recht harmlose Schicht von mineralischem Aushub bedenklicheres Material tiefer drinnen kaschieren soll: Teer- und Bitumenbrocken, Betonteile“, mutmaßt Wursthorn. „Wäre es nicht zu jenem Erdrutsch gekommen, hätte man kaum etwas von diesem unsortierten Abbruchmaterial bemerkt.“

Man könne sich „des Eindrucks nicht erwehren, dass die Behörden das Verfahren verschleppen“. Vor allem bemängeln die Umweltverbände die „suboptimale Kommunikation“ mit der Unteren Naturschutzbehörde. So werde ein Gutachten unter Verschluss gehalten. Auch habe die Behörde nicht auf ein Anschreiben des BUND reagiert, in dem Bedenken vorgetragen werden. „Offensichtlich nehmen die Natur- und Umweltschutzbehörden die Naturschutzverbände nicht als Partner ernst, obwohl diese teilweise deren Arbeit übernehmen. Wir fragen uns, was hier gespielt wird und mahnen, im Sinne eines demokratischen Diskurses, mehr Transparenz und Verlässlichkeit an.“

Georg Lutz, Fachbereichsleiter Umwelt am Landratsamt Lörrach, weist diese Kritik zurück: „Das sind nicht mehr als Unterstellungen“, so Lutz. Die Proben an den Erdrutschen im Vordergrundbachtal seien vorschriftskonform genommen worden, seien repräsentativ und liegen nun zur Auswertung bei der Staatsanwaltschaft. „Dass mit einer darüberliegenden Schicht weiter unten liegende Schichten verborgen werden sollten, halte ich für völlig abwegig.“ Die bisherigen Proben hätten nach Kenntnis der Behörde keine Überschreitung der Grenzwerte ergeben, „wir haben keinen Hinweis auf eine höhere Belastung“, so Lutz.

Im Übrigen sei seine Behörde in diesen Fragen neutral, „wir haben keinen Grund, irgendetwas zu kaschieren“. Gleichwohl sei es auch aus Sicht seiner Behörde klar, „dass dieses Material dort nichts verloren hat“ und – je nach Ergebnis der staatsanwaltlichen Ermittlungen – wieder entfernt werden muss.