Schopfheim – Die Hauptstraße ist reif für die Insel(n): Bürgermeister Dirk Harscher stellte im Gemeinderat erstmals konkrete Pläne für eine verkehrsbremsende Umgestaltung der Hauptstraße vor. Mit einer Kette bepflanzter Inseln entlang der Fahrbahn soll der Bereich verschönert, vor allem aber die Straße verengt werden. Bis 1. April 2023 – so hat es der Gemeinderat beschlossen – soll dies umgesetzt sein. Eine Tempolimit von sieben Stundenkilometern kommt demnach erst, wenn die Insel-Lösung Wirkung zeigt.

Wann wird endlich die Hauptstraße verkehrsberuhigt? Wann kommt endlich Schrittgeschwindigkeit? Um diese Fragen kreist in Schopfheim eine Dauerdebatte. Genau genommen verfolgt die Stadt seit mehr als zehn Jahren dieses Ziel. Zuletzt hatten Bündnis 90/Grüne und SPD im Frühjahr mit einem gemeinsamen Antrag aufs Tempo gedrückt. Sie forderten darin, dass Schrittgeschwindigkeit jetzt im September kommt, Bürgermeister Harscher in jeder Sitzung über den Stand berichtet und er zudem die ganze Kommunikation zur Chefsache macht.

Vorstellung der Verkehrsplaner

Nachdem der Antrag im Mai vertagt wurde, stand jetzt am Montag eine Entscheidung an. Doch noch bevor der Antrag an der Reihe war, nahm Bürgermeister Dirk Harscher diesem ein Stück weit den Wind aus den Segeln – indem er, und das war neu, erstmals konkret vorstellte, wie sich die Stadt beziehungsweise die beigezogenen Verkehrsplanerbüros das weitere Vorgehen vorstellen.

Viele würden sich von einer Verkehrsberuhigung, sprich Tempo sieben in der Hauptstraße, eine Attraktivitätssteigerung und Verbesserung der Aufenthaltsqualität versprechen – was übrigens auch der Verein „Schopfheim-Aktiv“ so sieht, der am Montag erstmals einen Zwischenbericht (wir berichten noch) seiner Aktivitäten präsentierte. Laut dessen Geschäftsführer Manfred Schnell hat die Verkehrsberuhigung für den Verein „im Moment höchste Priorität“. Allerdings lasse sich Schrittgeschwindigkeit nicht einfach eben so anordnen, darauf wies Harscher im Gemeinderat erneut hin. Vielmehr müssten rechtliche Voraussetzungen dazu erfüllt sein. Was Harscher damit meint: Die Zahl der täglich durchfahrenden Fahrzeuge muss auf unter 3000 sinken. Um das zu erreichen, müsse – nachdem jetzt kleinere Schritt wie die Gebührensenkung für die Uehlingarage und die Erhöhung im Marktplatzbereich erfolgt seien – die Durchfahrt durch die Hauptstraße zwischen Adolf-Müller-Straße und Adlerkreisel unattraktiver werden. Handelt es sich derzeit doch zu 70 Prozent um Durchgangsverkehr.

Erstmals nun ließ Harscher durchblicken, wie genau die Lösung dazu aussehen soll: So ist angedacht, acht bis zehn „modulare“, sprich mit Radlader verschiebbare Elemente in Inselform aufzustellen. Diese werden im Bereich von Parkplätzen an den Fahrbahnrändern platziert und verengen so die Fahrbahn – an der engsten Stelle auf 3,81 Meter Breite. Von diesem Insel-Hopping erhofft sich die Stadt, dass sich automatisch das gefahrene Tempo reduziert und dem reinen Durchfahrtsverkehr die Lust auf diese Route genommen wird. Die Inseln sollen attraktiv gestaltet und auch bepflanzt werden, dadurch würde die Innenstadt „an Freiraumqualität und Identität gewinnen“, so Harscher. Beweglich sollen die Inseln – die man sich im Moment nur gedanklich vorstellen kann, weil noch keine Visualisierungen existieren, wie die Stadtverwaltung auf Anfrage mitteilt – deshalb sein, damit sie etwa für Veranstaltungen oder für Leitungsarbeiten weggerückt werden können. Bepflanzt werden sollen sie entweder mit „Blühendem“ oder mit Bäumen, nicht aber mit Büschen.

Klar sei, dass im Gegenzug Parkplätze entlang der Hauptstraße wegfallen. Um zu vermeiden, dass der Verkehr auf freie Parkplätze ausweicht, sei daran gedacht, Blumenkübel des Gewerbevereins aufzustellen. Harscher: „Wenn der Verkehr über freie Parkplätze ausweichen würde, wäre das kontraproduktiv.“ Letzte rechtliche Details müssten noch geklärt werden, so schnell wie möglich aber sollen dem Arbeitskreis (AK) Innenstadt – wohl im September – drei preislich abgestufte Varianten präsentiert werden, danach gehe das Ganze in den Gemeinderat. „Im Frühling zur Blühsaison“ würden gemäß dieser Planung die Inseln aufgestellt, das Ganze „mit einem kleinen Fest gefeiert“, Tempo sieben wäre dann der nächste Schritt – wenn die Insel-Lösung Wirkung zeigen und die Verkehrszahlen sinken.

Im Übrigen mache er das Thema sehr wohl zur Chefsache – in der Form, dass er „penetrant dahinterstehe und darauf dränge, dass es umgesetzt wird.“ Die Kommunikation mit Behörden und Büros jedoch müsse sinnvollerweise über die Fachmitarbeiter laufen. SPD-Fraktionschef Peter Ulrich schlug vor, im Antrag das Ziel einer „Tempo-7-Zone“ ab September durch die Formulierung zu ersetzen, dass die Inseln bis Frühjahr 2023 aufzustellen sind – etwa zum 1. März kommenden Jahres.

Bei Ernes Barnet (Grüne) saß zwar der „Frust“ tief, dass der eh schon reduzierte Antrag nun letztlich weitgehend ausgehebelt werde, ließ sich aber zähneknirschend unter der Bedingung darauf ein, „dass ein konkretes Datum genannt wird, sonst sitzen wir nächsten Sommer immer noch da“. Letztlich verständigte sich der Gemeinderat auf den 1. April 2023 und beschloss das von Harscher skizzierte Vorgehen. Forderungen aus dem Ratsrund, den AK früher als September tagen zu lassen, erteilte der Bürgermeister eine Absage. „Ich gehe er erst damit im AK ins Rennen, wenn alles rechtlich geklärt ist. Ich eiere da nicht nochmals rum. Jetzt gehen wir wirklich auf Kurs.“