Schopfheim-Enkenstein – Das Warten hat ein Ende: Das Landratsamt Lörrach gibt grünes Licht für Tempo 30 in Enkenstein. Im Dorf verspricht man sich von der Temporeduzierung weniger Lärm und mehr Sicherheit. In Kraft tritt die neue Regelung, sobald die neuen Schilder aufgestellt sind – was voraussichtlich in den nächsten vier Wochen erfolgen soll.

Wrummm. Was Ortsvorsteherin Eva Brutschin in diesem Moment gesagt hat, wird vom Lärm eines Lastwagens kurzerhand verschluckt. Allein während des rund 20-minütigen Pressegesprächs am Mittwochmorgen, das direkt an der Landesstraße 139 vor dem Enkensteiner Rathaus stattfindet, fahren fast ein Dutzend Lastwagen und mindestens drei Mal so viele Autos vorbei. Auch begegnen sich zwei Lastwagen kurz vor dem Ortsausgang. Weil die Straße zu eng ist, weicht einer der beiden seitlich auf den Grünstreifen aus.

In Enkenstein ist das keine unübliche Szene, berichtet Ortsvorsteherin Eva Brutschin. Dies ist einer der Gründe, die jetzt den Ausschlag für eine lange herbeigesehnte Entscheidung des Landratamts Lörrach gegeben haben: Die Behörde gibt grünes Licht für durchgehend Tempo 30 in Enkenstein auf der Landesstraße 139 und der Maibergstraße. Eva Brutschin sowie Bürgermeister Dirk Harscher und Anke Bühler (stellvertretende Leiterin Fachgruppe Ordnung, Verkehrswesen und Naturschutz) verkündeten dieses „freudige Ereignis“, so Harscher.

Der Rathauschef war sichtlich erleichtert: „Was lange währt, wird endlich wahr.“ Was Harscher damit meint: Diese Temporeduzierung hat einen schon etwas längeren Bremsweg hinter sich. Die ständig steigende Belastung der Anwohner der ins Kleine Wiesental führenden Landesstraße durch immer mehr Motorräder, Auto- und Schwerlastverkehr – nicht zuletzt durch Holz- und Steinbruchtransporte – ist wie in Langenau zwar ohnehin schon lange Thema. Im Herbst 2020 nahm die Debatte jedoch richtig Fahrt auf. Eine „Interessensgemeinschaft Verkehr Enkenstein“ gründete sich, die ihre Argumente im Gemeinderat vortrug. Im Januar 2021 beschloss der Gemeinderat eine Resolution, gerichtet an Landkreis und Regierungspräsidium. Gefordert wurde „die schnellstmögliche Umsetzung von Maßnahmen zur Reduzierung des Verkehrslärms sowie die Verbesserung der Verkehrssicherheit“ entlang der Landesstraße 139 in Enkenstein und Langenau. Danach jedoch tat sich lange nichts – weshalb Stadträte in den jüngsten Sitzungen zuletzt mehrfach ihren Unmut äußerten.

Bürgermeister Dirk Harscher trat indes auf die Bremse und verwies auf Personalengpässe beim Landratsamt. Jetzt sieht er sich darin bestätigt, dass es richtig gewesen sei, der Behörde mehr Zeit gegeben zu haben, statt auf den Tisch zu hauen: „Wenn man mit Fakten vorgeht, kommt man zu einer Lösung – jedenfalls eher, als wenn man mit Äußerungen agiert.“

Anke Bühler vom Ordnungsamt berichtete, dass für den Tempo-30-Antrag zusammen mit der Polizei eine Ortsbegehung stattgefunden hatte sowie eine Verkehrszählungen. Außer mit dem Fehlen eines beidseitigen Gehwegs wurde auch damit argumentiert, dass die Landesstraße an vielen Stellen von Fußgängern überquert werden muss, um etwa zum Maibergsaal, zur Bushaltestelle oder zum Spielplatz zu kommen. Vor diesem Hintergrund führe es „zu einem Sicherheitsgewinn, wenn nur noch Tempo 30 gefahren werden darf“, so Bühler.

Wichtig sei, dass die neue Vorgabe kontrolliert wird – dafür sei ebenfalls der Landkreis zuständig, so Anke Bühler. „Ich bin wirklich froh, dass das jetzt kommt“, bekundete Eva Brutschin. Angesichts des zunehmenden Verkehrs – auch wegen des Nassholzlagers in Tegernau – sei es mit Blick auf Kinder und Senioren erforderlich, zumindest jene Dinge umzusetzen, die „Sicherheit erhöhen und die möglich sind. Und Tempo 30 ist möglich.“

Zwar habe man in Enkenstein schon länger eine Verkehrszunahme wahrgenommen. „Als aber die Messungen gemacht wurde und sich gezeigt hatte, dass so enorm viele Fahrzeuge durchfahren und dazu in dieser Größe, sind wir selber erschrocken.“ Für Bürgermeister Harscher wäre ohnehin „deutschlandweit innerorts Tempo 30 die sauberste Lösung. Da hätten wir eine große Entspannung.“