Schopfheim – Nach zweieinhalb Jahren von der Idee bis zur Umsetzung ist es nun so weit: Am Sonntag, 3. Juli, wird der Christliche Erzählgarten in Gersbach mit einem Gemeindefest eröffnet. Mehr als 30 veredelte Bäume historischer Apfelsorten wurden bei der Kirche gepflanzt und laden zu einer Erkundungstour ein. Der Garten soll die Schönheit und kulturelle Bedeutung einer als alltäglich empfundenen Obstsorte aufzeigen.

Die Bäumchen stammen vom Veredelungstag Anfang März 2020, an dem interessierte Gersbacher teilgenommen hatten. Aufgrund von Corona hat sich der Ablauf danach verzögert, bis zur Pflanzung kümmerte sich Bildungs- und Gartenbauwissenschaftlerin Eleonora Zickenheiner in ihrer Baumschule in Zell-Adelsberg um die Bäume.

Vor etwa einem halben Jahr haben sie dann ihren Platz in Gersbach gefunden. Eleonora Zickenheiner ist stolz auf das Geschaffene und freut sich jetzt schon darauf, Bürgern und Touristen die Geschichten, die hinter den Apfelsorten stecken, näherzubringen. Zickenheiner forscht im Rahmen eines Projekts an der Humboldt-Universität Berlin zu historischen Apfelsorten der Region. Die Idee zum christlichen Erzählgarten war vor zweieinhalb Jahren eher zufällig mit Gersbachs damaliger Ortsvorsteherin Ann-Bernadette Bezzel und Pfarrerin Ulrike Krumm entstanden.

Nun sind alle Feuer und Flamme, dass es tatsächlich geklappt hat – ein Erzählgarten in dieser Form existiert – übrigens noch an keinem anderen Ort. Für das Gersbacher Projekt hat Zickenheiner in ganz Europa angefragt und um die Zusendung von Reisern der ausgewählten Apfelsorten gebeten. Die Wissenschaftlerin weiß: Äpfel sind greifbare Zeitzeugen des Christentums, zeitgleich mit den ersten Apfelsorten hat sich das Christentum etabliert. Mit dem Erzählgarten werde indes auch ein ehemals wichtiger Teil der Kulturlandschaft wieder zurückgebracht: Jahrhundertelang gehörte zu jeder Kirche ein Garten.

Wer den Christlichen Erzählgarten in Gersbach besucht, kann sich dort auf eigene Faust bewegen. „Nicht jeder will die Geschichten von 30 Apfelsorten wissen“, sagt Zickenheiner. Daher wurde am Eingang des Gartens eine Übersichtskarte angebracht, die aufzeigt, wo sich welche Apfelbäumchen zu welchen Themen befinden. Unter den acht Themenblöcken sind etwa „Schuld, Rache und Vergebung“, „Zwischen Keuschheit und Missbrauch“ sowie „Glaube, Hoffnung, Liebe“.

An jedem Bäumchen ist ein Informationsschild angebracht, auf dem Angaben unter anderem zu Herkunft, Eignung und Gesundheitswert angegeben sind. Zu Letzterem erklärt Zickenheiner, dass historische Apfelsorten den modernen Sorten beim Gesundheitswert meist überlegen sind. „Die Besucher sollen den Wert der Sorten erkennen“, sagt sie. Zu den informativen Herkunftsgeschichten gibt es Erzählungen – die Texte stammen aus der Feder von Eleonora Zickenheiner –, die als Audio-Stream mittels QR-Code angehört werden können. Die Wissenschaftlerin verfolgte bei der Umsetzung des Projekts eine moderne Form der Wissenschaftskommunikation. Die Fakten zu den Apfelsorten sollen durch die Geschichten lebendiger werden.

Die Arbeit am Projekt sei besonders durch die große Mithilfe aus der Bevölkerung geprägt gewesen, sagt Zickenheiner. „Ich komme aus der Stadt, eine solche Arbeit im Team kannte ich bislang noch nicht.“ Auch Andreas Falk, seit Ende 2021 Ortsvorsteher Gersbachs, half tatkräftig bei der Fertigstellung des Gartens mit. „Er ist ein weiterer touristischer Magnet im Dorf“, freut sich Falk.

Die Eröffnung des Gartens findet im Rahmen eines Gemeindefestes am Sonntag, 3. Juli, statt. Bei dieser Veranstaltung soll alles unter dem Gesichtspunkt Apfel stehen, erklärt Zickenheiner. Los geht es mit dem Familiengottesdienst um 10 Uhr mit Pfarrerin Krumm, um 11 Uhr folgt dann die feierliche Eröffnung des Erzählgartens. Die Redner werden alle von ihrem persönlichen Bezug zu Äpfeln erzählen. „Ich etwa hatte schon als Kind immer zwei Äpfel in der Tasche – damit ich reinbeißen konnte, wenn ich etwas Unangenehmes gefragt wurde“, schmunzelt Zickenheiner. Im Anschluss, um 12 Uhr, gibt es Mittagessen – natürlich wird auch dieses mit Äpfeln in Verbindung stehen. Geplant sind auch Kaffee und Kuchen sowie Gartenführungen. Auch wird es ein Apfelquiz geben, bei dem bereits veredelte Bäumchen verlost werden, sowie einen Apfelparcours. Der Erlös des Festes soll in den Garten gesteckt werden, etwa in eine geplante Zisterne zur Bewässerung.

Das Projekt wurde von Eleonora Zickenheiner geleitet und in Kooperation mit Gersbach und der evangelischen Kirchengemeinde umgesetzt. Die Gemeinde hat das Gelände überlassen. Finanzielle Unterstützung gab es vom Biosphärengebiet Schwarzwald sowie dem Evangelischen Kirchenbezirk Markgräflerland.