Schopfheim – Er ist in trockenen Tüchern, der Kompromiss im Kanal-Streit in „Klein-Venedig“: Der Gemeinderat hat seinen Kanal-Zuschüttungsbeschluss aus dem Vorjahr zurückgenommen und stattdessen eine von der Stadtverwaltung erarbeitete Kompromisslösung befürwortet.

So wird der rund 90 Meter lange Seitenkanal des Gewerbekanals, der durch das Wohngebiet fließt und ihm einen Hauch von „Klein-Venedig“ verleiht, nicht vollständig, sondern lediglich bis etwa 15 Zentimeter über dem Wasserspiegel im Hauptkanal aufgefüllt – mit wasserdurchlässigem Material. So sollte weiterhin eine „Durchströmung“ stattfinden. Ferner soll er mit Schilf, Schwertlilien und Teichbinsen bepflanzt werden. Das soll das Quartier aufhübschen und vorteilhaft fürs Mikroklima sein. Zugleich soll damit aber auch vermieden werden, dass es wegen Wassermangels zu weiterem Fischsterben kommt.

Dies war der Auslöser, weshalb der Gemeinderat 2021 beschlossen hatte, dass der Kanal verfüllt und bepflanzt werden soll. In der Folge hatten Anwohner dagegen protestiert – nach Gesprächen mit Bürgermeister Dirk Harscher suchte die Stadt nach Alternativen. Die jetzt gefundene sei „ökologisch eine tolle Sache. Sie ist etwas Besonderes, ein neuer Versuch“, schwärmte Harscher. „Es ist ein Prototyp“ – was allerdings auch bedeute, dass man keine Erfahrungswerte habe. Mit der Anwohner-BI sei das Ganze abgestimmt, ebenso mit dem BUND und dem Angelsportverein.

Auch aus dem Ratsrund gab es für die von Remko Brouwer und Amalia Besada (Bauamt) konzipierte Planung viel Lob. „Es hört sich sinnvoll an“, merkte SPD-Fraktionschef Peter Ulrich an. Allerdings frage er sich, ob man die Anwohner nicht hätte früher befragen können.“ Kai Horschig (Freie Wähler) stellte die Frage nach dem Pflegeaufwand – und der Gefahr von Vermüllung. Eine Zunahme von Abfällen prognostiziert auch Jeannot Weißenberger (CDU), wenn der „Müll im Gewächs verschwindet.“ Der Pflegeaufwand beschränkt sich laut Brouwer auf „ein Mal mähen im Herbst.“

Heidi Malnati (CDU) sprach von einer „hervorragenden Lösung“. Sven-Hendrik Wünsch (Freie Wähler) lobte die Planung, die „ein sehr gutes Beispiel dafür ist, dass wir nicht teure Planungsbüros brauchen, sondern große Kompetenz hier bei uns haben.“ Felix Straub (Grüne) stellte die Frage, ob am Wuhr im Stadtpark eine ähnliche Lösung möglich sei. Harscher erklärte, dass dort wieder Wasser fließen soll, sobald der Umbau des Hammerwehrs an der Wiese erfolgt sei – also in rund zwei Jahren.