Bei der Jahreshauptversammlung der Naturfreunde Ortsgruppe Schopfheim wurde es zur traurigen Gewissheit: Dem 1922 gegründeten Traditionsverein, der in diesem Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern könnte, droht nun das endgültige Aus. Mitgliederschwund und unbesetzte Vorstandsposten sind Gründe für die Auflösung.

Von den mittlerweile nur noch 29 Mitgliedern waren insgesamt 14 Personen zur Versammlung erschienen. Nachdem sich der erste Vorsitzende Albrecht Burkhart und seine Stellvertreterin Katharina Bachmann nicht mehr zur Wahl stellten, konnten diese beiden Vorstandsposten nicht mehr neu besetzt werden. Der Vorsitzende schlug den Versammlungsteilnehmern deshalb schweren Herzens vor, die Ortsgruppe Schopfheim aufzulösen. Allerdings hätten dieser Vereinsauflösung laut Satzung 50 Prozent der Mitglieder zustimmen müssen. Weil diese Quote mit 14 anwesenden Mitgliedern nicht erreicht wurde, muss für den 18. Februar eine neue Versammlung zur Vereinsauflösung anberaumt werden.

  • Berichte: Die Jahresberichte des Vorsitzenden für 2020 und 2021 konnten aufgrund der fast gänzlich ruhenden Aktivitäten wegen der Corona-Krise sehr kurz gehalten werden. Nach der letzten Hauptversammlung haben nach einer moderaten Beitragserhöhung noch einmal mehrere Mitglieder den Verein verlassen. Diese Erhöhung sei aber erforderlich geworden, da die Abgaben an die Verbände die Einnahmen durch die Mitgliedsbeiträge sogar überstiegen. Trotz der eingeschränkten Vereinsaktivitäten konnte Wanderwart Jörg Gsellinger über einige Wandertouren berichten.
  • Vereinsgeschichte: Neun Personen gründeten im Juni 1922 die Ortsgruppe Schopfheim im Touristenverein „Die Naturfreunde“. Schon wenige Monate später hatte der neue Verein 51 Mitglieder. 1924 kauften die Naturfreunde Schopfheim von einem Forstwart ein Haus in Herrischried-Stehle mit Wald und Feldgrundstücken, obwohl sie das nötige Kapital gar nicht zur Verfügung hatten. Deshalb musste die damalige Gauleitung das Geld vorstrecken, so dass deshalb das geplante Projekt des Naturfreundehauses auf dem Feldberg um ein Jahr verschoben werden musste. 1933 wurde der Verein von den Nationalsozialisten verboten, das Haus der Naturfreunde in Herrischried brannte 1945 ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte 1946 die Neugründung der Ortsgruppe mit 58 Mitgliedern. In den Jahren 1980 bis 1995 hatte der Verein mehr als 100 Mitglieder. Die damalige Vorsitzende Erika Thoma (1980 bis 1990) forcierte die Jugendarbeit mit Kinder- und Jugendgruppen sowie Freizeiten auf dem Hotzenwald oder in den Vogesen. Später sank die Mitgliederzahl stetig ab. Mit derzeit nur 29 Mitgliedern und ohne Vorstandsteam wird wohl am 18. Februar bei der Mitgliederversammlung, wo eine einfache Mehrheit über die Auflösung entscheidet, das endgültige Aus für diesen Schopfheimer Traditionsverein besiegelt.