Kleines Wiesental – Das Nassholzlager in Tegernau ist von Forst BW wieder in Betrieb genommen worden, ohne dass angekündigte und geforderte Maßnahmen zur Wasserreinigung durchgeführt worden sind. Aktuell fließt das Wasser von der Beregnung von 6000 Festmetern Fichtenholz direkt in die Köhlgartenwiese. Forst BW erklärt, es gebe eine Übergangsfrist zum Bau einer mehrstufigen Kläranlage bis zum Juni.

In der März-Sitzung des Gemeinderats Kleines Wiesental hatte Hubertus Stratmann, Leiter Technische Produktion und Holzverkauf im Forstbezirk Hochrhein, für eine Verlängerung der Betriebsgenehmigung des Nassholzlagers um weitere 15 Jahre geworben. Der Förster sagte zu, dass der Betrieb künftig sicherer und umweltfreundlicher durchgeführt werde. Der Gemeinderat hatte zum Teil Bedenken gegen den Weiterbetrieb geäußert, vor allem weil im Dürrejahr 2020 gegen Umweltauflagen verstoßen worden war. Drei Gemeinderäte entschieden sich gegen den Weiterbetrieb.

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Stratmann hatte eingeräumt, dass das belastete Wasser von der Holzberegnung nicht auf dem Lagerplatz versickert und ungeklärt wieder dem Gewässer zugeführt wurde. Die ursprüngliche Genehmigung sei nicht umzusetzen gewesen: „Wir haben mit der Einleitung von Wasser vom Holzlagerplatz in die Köhlgartenwiese gegen Auflagen verstoßen.“

Hubertus Stratmann vom Forst BW
Hubertus Stratmann vom Forst BW | Bild: Gerald Nill

Die Situation in Tegernau hatten vor zwei Jahren Umweltschützer des BUND auf den Plan gerufen. Regionalvorstand Markus Wursthorn hatte kritisiert, dass die Auswaschung von Gerbstoffen an Nasslagerplätzen „zu einer hohen Konzentration toxischer Stoffe“ führe. Auch die nichtgiftigen Schwebstoffe, die ins Gewässer geleitet werden, seien eine Gefahr für Jungfische und Fischeier, weil sie dem Bach den Sauerstoff entziehen. Vor Ort waren in der Köhlgartenwiese Schaumkronen sichtbar und Bachflora war mit schwarzen Partikeln von ausgeschwemmtem Holzmaterial zugesetzt.

Verschärfte Auflagen für den Betrieb

Beim aktuellen Interims-Weiterbetrieb würden diese Zustände aber nicht auftreten, versichert Stratmann auf Anfrage. „Da die wasserlöslichen Inhaltsstoffe des alten Holzes weitgehend ausgeschwemmt sind, kann nicht von einer Erhöhung der Wasserbelastung ausgegangen werden“, teilt er mit. Der Förster verweist darauf, dass die Genehmigungsbehörde in Lörrach eine Übergangsfrist zugestanden habe. „Seit dem 14. April liegt uns die neue Genehmigung für den Nasslagerbetrieb vor“, so Stratmann. „Diese beinhaltet neben den vielen neuen und verschärften Auflagen auch eine Frist, bis zu der die Maßnahmen umgesetzt werden müssen: spätestens bis 30. Juni.“

Es sei richtig, dass das ungeklärte Abwasser von der Stamm-Beregnung aktuell direkt in die Köhlgartenwiese geleitet werde. „Die Umleitung des Ablaufs in sein altes, natürliches Bett wurde vorgenommen, um die anstehenden Erdarbeiten im Trockenen durchführen zu können“, erklärt der Forst-Experte. Um während der Umbauarbeiten das alte eingelagerte Holz beregnen zu können, beinhalte die Genehmigung ausdrücklich eine entsprechende Übergangslösung.

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Es gehe bei einer Menge von 6000 Festmetern immerhin um einen Wert von rund 700 000 Euro, ohne Beregnung würde dies bei den aktuellen Temperaturen durch Pilzbefall innerhalb weniger Wochen komplett entwertet. „Voraussetzung dafür ist allerdings, dass in dieser Zeit kein frisches Holz eingelagert und beregnet wird und dass über regelmäßige Laboranalysen nachgewiesen wird, dass die vorgegebenen Wasserwerte eingehalten werden“, betont Stratmann. „An diese Vorgaben halten wir uns selbstverständlich.“ Das Vorgehen sei mit der Genehmigungsbehörde abgestimmt und der Forst stehe im stetigen Austausch mit dem Landratsamt. Es gab und gebe auch immer wieder Termine vor Ort.

Kläranlage mit mehrstufigem Verfahren

Nun muss der Forst bis Juni bei den Umweltschutzauflagen erheblich nachbessern. Er wird für den Holzlagerplatz eine Kläranlage mit einem mehrstufigen Verfahren bauen. In einem Sandfang sollen zunächst die Holzpartikel, die durch die Beregnung der Stämme aus dem Holz gewaschen werden, herausgefiltert werden. In einem nächsten Schritt sollen in einem Schilfbeet auch die Gerbstoffe aus dem Brauchwasser herausgeholt werden, ehe es wieder der Köhlgartenwiese zugeführt wird. Forst BW bezifferte die Kosten für die Reinigung des Beregnungswassers in Tegernau auf 50000 bis 60.000 Euro.

Um auch künftig flexibel auf Situationen reagieren zu können, in denen der Holzanfall die Absatzmöglichkeiten übersteigt, besonders bei größeren Sturmholzmengen und Borkenkäferkalamitäten, sei die Nasskonservierung auch ein wichtiger Baustein für den Waldschutz, heißt es im Antrag. Daher wurde die wasserrechtliche Erlaubnis und baurechtliche Genehmigung zum Betrieb des Lagerplatzes über 15 Jahre, Laufzeit bis Ende 2036 beantragt. Die maximale Einlagerungsmenge solle 10 000 Festmeter Holz betragen.