In den Gebäuden, in denen einst Arlington Socks produzierte, geht es zurück zu den textilen Wurzeln: Auf 700 Quadratmetern fertigt die im April neu gegründete „A+M GmbH“ im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums Woche für Woche 400.000 „all Mask made in Germany“ – und damit ein Prozent der Menge von 40 Millionen Masken, die von der Bundesregierung zum Wettbewerb ausgeschrieben waren und in Auftrag gegeben wurden. Gegründet haben die Firma Textilingenieurin Abda Hitz (früher Lauffenmühle) und ihr Mann, Wirtschaftsingenieur Michael Hitz.

120 Bewerber habe es gegeben, sagt Michael Hitz, der zuvor als Bereichsleiter in einem Meß- und Regeltechnik-Betrieb arbeitete. 27 hätten den Zuschlag bekommen. Nachdem dann einige abgesprungen sind, seien zehn bis 15 Firmen übrig geblieben, die gemeinsam dafür sorgen sollen, dass die 40-Millionen-Marke eingehalten werden kann. „Wir mussten fristgerecht bis Mitte August die ersten 400 000 Masken liefern. Und das haben wir geschafft“, sagt das Gründerpaar. Seitdem nun wird diese Zahl Woche für Woche produziert. Die Chance zur Selbstständigkeit sahen die beiden, als der Lockdown begann und sich herausstellte, dass in Deutschland kaum Masken zu haben waren und keine hier gefertigt wurden.

Maskenproduktion am laufenden Band: Ein Blick in die A+M-Räume.
Maskenproduktion am laufenden Band: Ein Blick in die A+M-Räume. | Bild: Hans-Jürgen Hege

Deutschland abhängig vom Ausland? „Das kann nicht sein“, sagten sich die beiden und streckten bereits Mitte März die Fühler aus, suchten Lieferanten für die Stoffe, für den besonderen Draht, der für den Halt über der Nase sorgt, und nicht zuletzt für Maschinen, die es hierzulande ebenfalls nicht gab. Parallel dazu versuchten sich Abda und Michael Hitz an einer Vorkalkulation, um für das, was kommt, gewappnet zu sein. Das hat sich ausbezahlt. Denn auf die landesweite Ausschreibung konnte man schnell und zielsicher reagieren.

„All das war mit gewissen Risiken verbunden und ziemlich abenteuerlich“, blickt Michael Hitz am Freitag beim Pressegespräch, zu dem auch Bürgermeister Dirk Harscher, Ortsvorsteher Walter Würger, der SPD-Landtagsabgeordnete Rainer Stickelberger (SPD) und der Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann (FDP) gekommen waren, zurück. Aber schon bald stellte sich heraus, dass das Wagnis kein Wagnis blieb. Fast überall rannte das Paar offene Türen ein. An der Suche nach Räumlichkeiten beteiligte sich unter anderem Bürgermeister Harscher, die Volksbank griff dem Gründerpaar, das „einige 100 000 Euro“ in ihr Projekt investieren musste, unter die Arme. Erst dann wurden zwei Maschinen in Asien bestellt, „unbesehen, weil wir nicht hinfliegen konnten“. Sechs Millionen Meter Draht hat ein Partner aus China geliefert. Lediglich das Vlies konnte in Deutschland eingekauft werden, denn hierzulande gibt es inzwischen drei namhafte Lieferanten, die unter 40 bis 50 möglichen europäischen Herstellern zur Verfügung stehen.

„Wir hatten viel Glück“, bekannten die Betriebsinhaber, die aber auch keinen Hehl daraus machten, dass es an Unwägbarkeiten nicht mangelte. Vlies beispielsweise kostet aktuell rund zehn bis zwölf Euro, war in den Hoch-Zeiten aber nicht unter 100 Euro zu haben. Ein Materiallager entstand in der Fabrikstraße, das allein schon einem Wert von 200.000 Euro entspricht. Da waren Abda und Michael Hitz – und das unterstreichen sie auch – „froh“, dass sich die Medienberichte als Fake erwiesen, in denen davon die Rede war, die Zahlungen des Bundes würden nur schleppend eintrudeln. Längst laufe alles in geregelten Bahnen. Und es sieht so aus, als könne die Produktion der begehrten Gesichtsmasken auch noch weiteren Mitarbeitern der Lauffenmühle, die wegen der Insolvenz ihres Arbeitgebers arbeitslos geworden sind, in Schopfheim zu neuen Jobs verhelfen. Im Moment beschäftigt das Firmenchef-Paar vier Vollzeit- und vier Teilzeitkräfte.

Rahmenvertrag läuft zunächst bis Ende 2021

Bis Ende 2021 läuft zunächst der Rahmenvertrag mit der Bundesregierung, der die Abnahme von 400.000 Masken pro Woche garantiert. Produziert werden dreilagige, frei verkäufliche Masken für Normalverbraucher und vierlagige, eigens zertifizierte und den vorgeschriebenen Normen entsprechende, von beiden Seiten spritzgeschützte Teile für alle medizinischen Bereiche. Die garantierte Menge wird ans Gesundheitsministerium geliefert und von dort verteilt beziehungsweise zugewiesen. Es sei aber durchaus möglich, Masken direkt in Schopfheim zu bestellen, sagen die Firmeninhaber. A+M sei in der Lage und berechtigt, Bestellungen aus Deutschland und über die Grenzen hinaus entgegenzunehmen und eigene Kunden über normale, gängige Vertriebswege zu versorgen.

Die Stadt Schopfheim erhielt am Freitag als eine der ersten Kunden die Möglichkeit, die „Masken made in Germany“ zu testen. Abda und Michael Hitz übergaben Bürgermeister Dirk Harscher anlässlich der Vorstellung ihres neuen Betriebes 5000 dieser schützenden Teile im Wert von insgesamt 3500 Euro.

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