Rund 20 Motorradfahrer versammelten sich am Samstag in Schönau, um gemeinsam eine Ausfahrt durch das kleine und große Wiesental zu zelebrieren. Das Besondere: Die Maschinen waren mit Elektromotoren angetrieben. Wer den Motorradfahrern begegnete und das übliche Brummen und Röhren erwartete, wurde enttäuscht, denn die Biker waren aus Deutschland, der Schweiz und Österreich angereist, um am „Electric Ride Schönau“ vom Verein Electrify Baden Württemberg teilzunehmen. Mit im Boot waren die Elektrizitätswerke Schönau (EWS). Die Initiatoren wollten zeigen, dass es auch ohne Lärm- und Abgasemissionen geht, denn das einzige Geräusch, das diese Motorräder machen, ist das Abrollgeräusch der Reifen und bei dem einen oder anderen surrende Betriebsgeräusche, was aber nicht viel mehr als dem Zirpen einer Grille entspricht.

Daumen hoch trotz Regens: die Teilnehmer bei einem Stopp unter einem Scheunendach in Kürnberg.
Daumen hoch trotz Regens: die Teilnehmer bei einem Stopp unter einem Scheunendach in Kürnberg. | Bild: Ralph Lacher

Bei strömendem Regen und Temperaturen knapp über null Grad zeigten die Biker, was ihre elektrisch betriebenen Gefährte – noch eine echte Rarität auf den Straßen – alles drauf haben und absolvierten gemeinsam rund 40 Kilometer im Wiesental, um im Anschluss bei den EWS die Ausfahrt abzuschließen und die Akkus der Zweiräder mit frischem Strom zu versorgen.

Entsprechend begeistert zeigten sich bei der Ankunft in der Friedrichstraße in Schönau Bürgermeister Peter Schelshorn bei einer Ansprache sowie der europapolitische Sprecher und Landtagsabgeordnete der Grünen, Josha Frey. Denn die Gemeinden im Wiesental hätten nach diesem Sommer ihre Geduld mit lärmenden Motorrädern verloren. Eine Alternative zu Lärm und Kohlendioxidausstoß müsse dringend auf den Weg gebracht werden.

Schelshorn und Frey waren sich einig: Die gezeigte Technik sei eine Alternative, die Anwohner ruhig schlafen lasse, während die Biker dennoch voll auf ihre Kosten kommen, denn die Elektro-Motorräder haben eine Leistungsentfaltung, die die meisten Serienmaschinen mit Verbrenner in den Schatten stellen.

Die weiteste Anfahrt zu diesem Event hatte Remo Klawitter, der über 800 Kilometer aus Berlin mit seinem Bike angereist war. „Wir sind noch eine sehr kleine Community von E-Bike-Fahrern in Berlin, aber es werden immer mehr und der Zusammenhalt ist sehr groß“, berichtete Remo Klawitter am Ende der Ausfahrt. Wie kommt man soweit mit einem vergleichsweise kleinen Akku? Alle 125 Kilometer musste der ambitionierte Motorradfahrer von der Autobahn abfahren, um eine Stunde Strom zu laden. „Die Infrastruktur ist noch nicht wirklich gut ausgebaut, denn um freie CCS-Ladestationen zu finden, muss ich meistens nahegelegene Orte entlang der Autobahn aufsuchen“, so Klawitter. CCS steht für „Combined charging system“. Entsprechend lang gestaltete sich die Reise nach Südbaden. Um 3.30 morgens in Berlin gestartet, erreichte der Fahrer um 20 Uhr Schönau. Die Wahrnehmung beim Fahren sei eine andere, und viele Biker würden die neue Technologie auf der Straße begrüßen, sagten auch andere Teilnehmer. Es gebe aber auch Motorradfahrer, die die elektrisch angetriebenen Biker anfeindeten.

Dass die neue Technik eine Lösung für die Probleme lärmgeplagter Bürger im Südschwarzwald sein könnte, wurd bei Stopps in verschiedenen Gemeinden deutlich. Die Motorradfahrer suchten entlang der Strecke vom Holzer Kreuz über Kürnberg und Todtmoos nach Schönau das Gespräch mit den Einwohnern. Wegen Regenwetters waren es aber nicht so viele, wie zunächst erwartet. So war beispielsweise in Kürnberg ein Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern geplant, doch Ortsvorsteher Peter Ulrich war weitgehend alleine geblieben zusammen mit einem Filmteam des Südwestrundfunks. Die E-Motorradfahrer suchten derweil Schutz unter dem Dach einer Scheune, als es nicht aufhören wollte zu regnen. Die unbeugsamen Fahrer hatten trotzdem noch ein Lächeln für den Fotografen und die Filmer übrig und waren froh, dass es hier – im Gegensatz zum Feldberg – nicht schneite.

Fazit: Die Zeiten von laut aufheulenden und tief brummenden Motoren hochgezüchteter Maschinen könnten vorbei sein, wenn alle auf den Verbrennungsmotor verzichten würden. Aber E-Motorräder und ihre Hersteller sind noch Exoten. Die Kosten einer Maschine belaufen sich derzeit auf 12.000 bis 27.000 Euro.

 

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