Der Klarinettist Robert Oberaigner und die Pianistin Andrea Kauten begeisterten mit einem romantischen Duo-Programm beim ersten Konzert in der Reihe Klassik im Krafft-Areal in Fahrnau seit der Corona-Krise.
Der Klarinettist Robert Oberaigner und die Pianistin Andrea Kauten begeisterten mit einem romantischen Duo-Programm beim ersten Konzert in der Reihe Klassik im Krafft-Areal in Fahrnau seit der Corona-Krise. | Bild: Roswitha Frey

Ein Dreivierteljahr war es still in der Tonhalle in der ehemaligen Schuhfabrik Krafft in Fahrnau. Umso mehr freuten sich die Kammermusik-Freunde, dass am Samstagabend das erste Konzert bei „Klassik im Krafft-Areal“ seit der Corona-Krise möglich gemacht wurde. Die Pianistin Andrea Kauten, künstlerische Leiterin der Reihe, und der Klarinettist Robert Oberaigner begeisterten 90 Zuhörer mit einem erlesenen Duo-Abend, der ganz der Romantik gewidmet war. Und auch in der Stadtkirche war wieder Musik „gegen die Krise“ zu hören.

  • Klassik im Krafft-Areal: Eigentlich hätte die Saison im Krafft-Areal bereits im Juni starten sollen. Doch zwei Konzerte wurden aufgrund der Corona-Situation gestrichen. So begann die Spielzeit verspätet und, wie Organisator Werner Geigle eingangs betonte, mit einem etwas anderen Konzertablauf als sonst. Das Programm lief ohne Pause durch, auf den geselligen Teil mit Beisammensein nach dem Konzert, den viele Besucher sehr schätzen, musste verzichtet werden. Die vielen Stammhörer, zu denen etliche neue Besucher dazu kamen, wurden aber durch den erstklassigen Musikgenuss vollauf entschädigt. Viel Arbeit und Mühe hatte Organisator Werner Geigle in die Umsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen investiert. Angefangen bei der Erfassung der Anmeldungen bis zur Bestuhlung im 1,50 Meter-Abstand.

Die ehemalige Fabrikhalle, die zum Konzertsaal umfunktioniert wurde, bietet ausreichend Platz. An diesem Abend war sie sehr gut gefüllt. Paare, Dreiergruppen und einzelne Besucher saßen in der luftigen Bestuhlung verteilt in der ganzen Halle. Da die Abstände gewährleistet waren, musste nur beim Betreten und Verlassen der Halle eine Mund-Nasen-Maske getragen werden, nicht aber auf den Plätzen. So konnte sich bei geöffnetem Fenster eine angenehme Konzertatmosphäre entfalten. Wie sehr die Klassikfreunde das Konzerterlebnis vermisst haben, zeigte sich am herzlichen Beifall, mit dem die Künstler begrüßt wurden.

Mit den Fantasiestücken für Klarinette und Klavier a-Moll op. 73 von Schumann eröffneten Robert Oberaigner und Andrea Kauten ihr Programm. Differenziert und nuancenreich gestaltete der Soloklarinettist der Staatskapelle Dresden diese Preziosen der romantischen Kammermusik: lyrisch, kantabel und fließend im ersten Stück, tonlich geschmeidig im zweiten und spieltechnisch wendig im stürmischen dritten Stück. In Andrea Kauten hatte der Spitzenklarinettist eine ebenbürtige Klavierpartnerin, die diesen Schumann ebenso feinfühlig wie lebhaft im Ausdruck mitgestaltete.

Den großen Brahms-Block eröffnete Andrea Kauten solistisch mit drei Klavierstücken aus op. 118. Voller Leidenschaft und vitaler Geste ging sie das erste Intermezzo an, das zweite sehnsuchtsvoll-wehmütige Intermezzo interpretierte sie verinnerlicht, voller lyrischer Tiefe und elegischer Klangstimmung, um dann in der Ballade mit leidenschaftlichem Zugriff und aufwühlend-bewegtem Spiel zu beeindrucken. Mit den Sonaten Nr. 1 und 2 op. 120 für Klarinette und Klavier, ebenfalls aus Brahms‘ Spätwerk, erklangen zwei Meisterwerke dieser Gattung.

Robert Oberaigner konnte das Ausdrucks- und Klangspektrum und die Register seines Instruments in allen Nuancen wirkungsvoll ausschöpfen. Spieltechnisch gewandt, mit beredtem Ton und unangestrengter Leichtigkeit, meisterte er die rhythmisch markanten Allegro- und Vivace-Sätze der ersten Sonate. Im ruhigen Andante ließ er seine Klarinette in den melodiösen Themen aufs Schönste singen mit betörend warmem und weichem Ton. Einnehmend und fein nuanciert gelang ihm auch die zweite Sonate mit den expressiven und virtuosen Passagen, der leidenschaftlichen Ausdruckskraft und den spätherbstlich melancholischen Farben.

Der Klarinettenzauberer harmonierte im inspirierten Dialog bestens mit Andrea Kauten, die am Flügel diesem späten Brahms viel Leidenschaftlichkeit, romantische Emphase und feinfühliges Empfinden mitgab. Mit anhaltendem Beifall feierte das hellauf begeisterte Publikum die beiden Interpreten, die noch eine bezaubernde Zugabe, das Petite Pièce, von Claude Debussy, spielten.

  • Kultur gegen die Krise: Einige Besucher waren an diesem Samstagabend direkt von der Evangelischen Stadtkirche ins Krafft-Areal nach Fahrnau geeilt. In der Schopfheimer Stadtkirche hatte der Cellist Juris Teichmanis in der Reihe der Abendmusiken ein tief beeindruckendes Bach-Solorecital gegeben. Rund 60 Zuhörer ließen sich in Bann ziehen von der großen Cellokunst des Gastinterpreten aus Freiburg. Veranstalter Christoph Bogon freute sich, dass das ursprünglich schon im Februar vorgesehene Konzert nun nachgeholt werden konnte. Auf einem Barockcello interpretierte Teichmanis die Solosuiten Nr. 2 BWV 1008 und Nr. 3 BWV 1009 spieltechnisch und gestalterisch überragend. Akzentuiert, mit dynamischer Bogenführung und gestischem Strich in den Tanzsätzen, mit konzentriertem Ernst, Ausdruckstiefe, Innigkeit und warmem Klang in der Sarabande, ließ er die Zuhörer eintauchen in den Bachschen Cellokosmos. Es war ein besonders authentisches Hörerlebnis durch das rhetorisch markante Spiel auf dem Barockcello. Die Besucher konnten sich im Anschluss die neueste Bach-CD von Teichmanis signieren lassen. „Kultur gegen die Krise“ hatte an diesem Abend in Schopfheim gleich an zwei Orten starke Resonanz.

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