Sichtlich wohl fühlt sich Taison Thomas im Wiesental. Der indische Priester ist den August über als Ferienvertretung von Pfarrer Helmut Löffler in der Seelsorgeeinheit Oberes Wiesental tätig. Besonders die Landschaft, die so ganz anders ist, als die in seinem Heimatland, haben es dem 32-Jährigen angetan – auf den Belchen ist er bereits mehrfach gewandert.

„Mit dem Alemannischen habe ich noch so meine Probleme“, sagt Taison Thomas schmunzelnd. Doch würde ihm dann immer Verständnis entgegengebracht. „Wenn ich mal etwas nicht weiß oder nicht verstehe, wird mir sofort geholfen. Alle sind hier sehr nett und hilfsbereit.“ Vielleicht mag dies auch an seiner positive Ausstrahlung liegen, der gebürtige Inder, der in Rom studiert, hat eigentlich immer ein Lächeln auf dem Gesicht. Und mit dieser Art hat er es denn auch gleich in die Herzen der Todtnauer geschafft. Noch bis Ende August wohnt Taison Thomas im Pfarrhaus in Todtnau. Bereits im vergangenen Jahr weilte er in den Sommerferien in der Seelsorgeeinheit Oberes Wiesental – er wusste also, was ihn erwartet und hatte sich schon sehr darauf gefreut, sein Deutsch verbessern zu können.

Schon seit mehreren Jahrzehnten ist es in der hiesigen Pfarrgemeinde gängige Praxis, in Rom studierenden Priesterstudenten während ihrer Semesterferien die Möglichkeit zu geben, mit der Ferienvertretung des örtlichen Priesters etwas zur Finanzierung ihres Studiums dazuzuverdienen. Taison Thomas stammt aus Kerala (Erzdiözese Trichur), ein Bundesstaat im Südwesten Indiens. Im Jahre 2016 wurde er zum Priester geweiht. Zunächst arbeitete er in der Seelsorge, später dann als Bischofssekretär. Derzeit bereitet er seine Doktorarbeit im Fach Katholische Moraltheologie in Rom vor. Das Thema seiner wissenschaftlichen Arbeit lautet: Barmherzigkeit und Wahrheit.

Da er in Italien lebt, habe er bei der Ankunft in Deutschland keinen Kulturschock erlebt. Auch mit dem badischen Essen könne er sich durchaus anfreunden. Dies sei bei einigen seiner Vorgänger aus Indien nicht immer so gewesen, hätten Pfarrgemeinderatsmitglieder ihm erzählt. „Ich möchte alles kennenlernen“, sagt Taison Thomas mit Begeisterung. In der Seelsorgeeinheit Oberes Wiesental, zu der neben den beiden großen Pfarreien Schönau und Todtnau auch die Gemeinden Wieden, Geschwend und Todtnauberg zählen, übernimmt er alles, was ansteht. Gottesdienste, Taufen, und vieles mehr. In seiner freien Zeit geht der 32-Jährige gerne Wandern und erkundet das Obere Wiesental – meist in Begleitung von Pfarrgemeinderatsmitgliedern. Den Belchen habe er schon mehrmals erklommen, „immer auf einem anderen Weg“. Seine Heimat Kerala sei nicht so schön grün wie das Wiesental, seine zweite Heimat Rom sei nicht so schön ruhig, „ich liebe die frische Luft hier in Todtnau.“ Taison Thomas ist im bevölkerungsreichen Bundesstaat Kerala im Süden Indiens mit einem Christenanteil von rund 20 Prozent aufgewachsen. In ganz Indien beträgt der Anteil der Christen etwas über zwei Prozent. „Unser Haus befindet sich ganz in der Nähe einer Kirche“, erzählt er. Als er im Jugendalter seinem Vater offenbarte, dass er Priester werden möchte, sei dieser weniger begeistert gewesen. Der Vater wusste, dass eine Priesterausbildung bedeuten würde, dass sein Sohn für mehrere Jahre weg von zu Hause sein werde. Als ältestes Kind von dreien sollte Taison Thomas aber nach seinen jüngeren Geschwistern schauen und seinem Vater zu Hause helfen. In Indien sei der Respekt vor den Eltern groß, was der Vater sagt, werde gemacht, erklärt Thomas. Somit habe er seinen Traum vom Priesterdasein schon beinahe aufgegeben – bis schlussendlich seine Mutter ihren Mann davon überzeugen konnte, den Sohn ziehen zu lassen – für eine gute Sache.

Einfach ging es dann aber nicht weiter für Taison Thomas. Während seines Theologiestudiums holten ihn immer wieder Zweifel ein. War es der richtige Weg, den er eingeschlagen hatte? Und warum sollte er eigentlich Priester werden? Fragen, auf die der junge Mann versuchte, Antworten in der Bibel und in Gesprächen mit anderen Priesteranwärtern zu finden. Heute ist die Antwort klar: Er möchte Menschen helfen – helfen auf ihrem Weg zu Gott.

Die nächste Hürde galt es dann zu überwinden, als Thomas‘ Bischof in Indien ihn nach Rom zum vertiefenden weiteren Studium schicken wollte. Der Vater hatte Sorge, dass er seinen Sohn nun endgültig verlieren würde. Doch Taison Thomas kämpfte weiter für seinen Traum. „Heute ist mein Vater stolz auf mich“, sagt er, und seine Mutter sei es ohnehin schon immer gewesen.

Den Sommer über im Oberen Wiesental zu verbringen, beschreibt Taison Thomas als „großes Abenteuer“. Seine Freunde und Familie in Indien lässt er mit Telefonaten oder versendeten Fotos gerne daran teilhaben. „Ich musste aber erst einmal erklären, dass ich jetzt im ‚black forest‘ lebe“, sagt der Priester lachend. In seiner Heimat sei der Begriff durchaus bekannt – allerdings beschreibe er einen Kuchen (Schwarzwälder Kirschtorte). Dass er nun in einem Kuchen lebe, habe da zunächst einmal für Verwirrung gesorgt.