Alpaka-Touren würde man im Südschwarzwald nicht unbedingt vermuten. Ernst Weniger aus Gersbach hat seit 2015 eine stattliche Herde mit den Tieren aus den südamerikanischen Anden aufgebaut. Er setzt die Tiere zur Landschaftspflege, aber auch für Erlebniswanderungen ein. Durch die Corona-Regeln sind die Möglichkeiten zwar eingeschränkt, aber immerhin ist so eine Tour im kleinen Kreis noch möglich.

„Im nächsten Jahr gibt es erstmals braunen Nachwuchs“, sagt Ernst Weniger. Seine beiden Alpakastuten, die erst vor wenigen Wochen Junge bekommen haben, wurden schon wieder gedeckt. Da der neue Deckhengst Carlos braunes Fell hat, ist deshalb auch mit braunem Nachwuchs zu rechnen. Romeo, der bisher die Alpakastuten gedeckt hat, hatte zuvor nur Nachwuchs mit weißem Fell und blauen Augen gezeugt und das, obwohl er selbst hellbraunes Fell hat. Mit dem kleinen Lenny gab es vor sechs Wochen erstmals ein Junges in der Fellfarbe des Vaters. „Alpakas mit blauen Augen sind in Züchterkreisen nicht gerne gesehen“, meint Ernst Weniger. Diese wären in der Regel taub. „Meine hören alle“, ist er sich sicher, denn sie reagierten schließlich auf Zurufe. Und da er das Ganze nur hobbymäßig betreibe, gehe es ihm auch nicht um Züchteransprüche.

Seine Alpakas werden – ebenso wie wie die mittlerweile 14 Ziegen – zur Landschaftspflege eingesetzt. Der schwarze Bordercollie Ben kümmert sich um die Herdentiere und hält sie beisammen. Innerhalb der Ortschaft gibt es einige Flächen zur Beweidung und auch am Wall der Schanze werden seine Tiere eingesetzt. Fünf Ziegen sind über den Sommer weg, um andernorts ihr Werk zu verrichten. Im Stall, der zum Wohnhaus Wenigers gehört, sind auch noch zwei Einstellpferde untergebracht. In den Sommermonaten werden die Tiere dann auf der Weide gehalten.

Die Alpakas sind auch für Freizeitaktivitäten zu haben. Zwar kann man derzeit wegen Corona keine großen Gruppentouren wie bei Kindergeburtstagen oder Ferienprogrammen machen, wie es in den vergangenen Jahren möglich war. Eine Familie oder Personen eines Haushalts können sich aber nach wie vor zu einer Wanderung anmelden. Schade findet Ernst Weniger, dass auch Aktivitäten in freier Natur durch die Corona-Regeln eingeschränkt sind, obwohl es draußen nachweislich kaum Ansteckung gibt und man bei Wanderungen auch gut größere Abstände einhalten kann.

Ann-Kathrin Turnbull, die Vorsitzende des Tourismusvereins ist froh, dass während der Corona-Zeit im Ort überhaupt etwas stattfinden kann. Die Alpaka-Wanderungen seien ein „tolles Angebot“ auch für den Tourismus. Da Gersbach viel für Familientourismus übrig hat, passt das Angebot prima ins Konzept und man arbeitet gerne mit Ernst Weniger zusammen. Gerade bei den Wandertouren lässt sich den Menschen die schöne Umgebung und der herrliche Ausblick gut zeigen.

So eine Tour findet auf Spendenbasis statt, wer möchte, „kann etwas ins Futterkässle einwerfen“. Bei so einem Ausflug kann man dann auch viel über die domestizierte Kamelart aus den Anden erfahren und von den Erfahrungen Wenigers profitieren. Die kastrierten Männchen beispielsweise lassen sich gut in einem Stall zusammen halten, während die Deckhengste einzeln untergebracht werden müssen, da sie sonst Rivalenkämpfe ausfechten. Für die Stallhaltung in den Wintermonaten sind Alpakas relativ pflegeleicht, denn sie koten stets an nur einem festen Platz. Die Ziegen entledigen sich des Geschäfts hingegen im kompletten Stall, so dass der Reinigungsaufwand deutlich höher ist. Außerdem lesen die Alpakas noch jeden einzelnen Grashalm auf, so dass kein Futter verschwendet wird. Die Alpakas von Ernst Weniger sind allesamt leinenführig, darauf werden sie regelmäßig trainiert.

Die beiden Jüngsten der Alpaka-Familie Mia (acht Wochen) und Lenny (sechs Wochen) sind im Stall geboren. So haben sie früh intensiven Kontakt zu Menschen und sind nicht so scheu, wie die, die auf der Weide geboren wurden. Zum Spaziergang braucht Ernst Weniger nur die Muttertiere an die Leine nehmen. Die Sprösslinge laufen dann hinterher. Ab und zu muss man sie nur davon abhalten, die Blumen aus den Gärten anzuknabbern. Die Tragezeit für Alpakas beträgt etwa 11,5 Monate. Die Muttertiere können die Geburt je nach Witterung um einige Tage zurückhalten, bis das Wetter gut ist.

Da die Stuten ihren Nachwuchs nicht trocken lecken können, werden die Jungtiere bei Sonnenschein am späten Vormittag geboren. Sogar, wenn sie im Stall untergebracht sind, richten die Tiere die Geburt nach dem Wetter aus. Zwei Jahre dauert es, bis die Tiere ausgewachsen sind. Im Alter von 14 Monaten werden die männlichen Alpakas aber bereits kastriert. Außer einem Stall für den Winter und einer Weide für den Sommer, sollte man auch einen Sandplatz vorhalten und eine Wasserstelle. Damit pflegen die Tiere durch Wälzen ihr Fell und halten es frei von Ungeziefer. Die Wolle der Alpakas ist im Vergleich zur Schafwolle wärmer, weicher und feiner und deshalb sehr beliebt. Teilweise verkauft Ernst Weniger die Rohwolle, teils lässt er Garn daraus herstellen.

Angefangen hatte die Alpakaliebe von Ernst Weniger mit einer Kleinanzeige. Nach reiflicher Überlegung und intensiver Beschäftigung mit der Haltung der Tiere, kaufte er 2015 zum Start gleich drei Exemplare. Das Ziel war damals schon, den Bestand nach und nach auf etwa 15 Tiere auszuweiten. Diese Zahl hat er nun erreicht, so dass er bei jetzt drei weiblichen Alpakas – eins der Jungtiere ist ein Weibchen – demnächst noch mehr Nachwuchs erwartet und über den Verkauf einzelner „Buben“ nachdenkt, wie er die kastrierten Männchen nennt.

Aktueller Zusatz: Wegen der aktuellen Änderungen durch die Corona-Notbremse könnte es sein, dass die Wanderungen eine Weile nicht möglich sind.

Interessenten an einem Alpaka-Ausflug wenden sich direkt an Ernst Weniger unter Tel: 01522/5655331 oder per Mail ernst-weniger@t-online.de