Hitzig diskutiert und teilweise harsch abgelehnt werden die aktuell gültigen 2G-Regelungen, die in der Warnstufe II der Corona-Verordnung des Landes für Teile des Einzelhandels gelten. Beklagt wird insbesondere eine Ungleichbehandlung innerhalb des Handels. Wir haben uns in den von Einschränkungen und Kontrollvorschriften betroffenen Geschäften in Schopfheim umgehört.

Martin Bühler
Martin Bühler | Bild: Gerald Nill

Euronics Bühler: Ein freundlicher Mitarbeiter empfängt den Kunden schon am Eingang und bittet um den Nachweis: geimpft oder genesen? Ansonsten gibt es keinen Zutritt zum Ausstellungs- und Verkaufsraum. Bei Martin Bühler vom Elektronik-Fachgeschäft überwiegt aktuell aber noch die Erleichterung darüber, dass der Einzelhandel nicht wie im Vorjahr vom Lockdown betroffen ist. „Der Lockdown vor Weihnachten im letzten Jahr hat uns extrem getroffen“, blickt der Vorsitzende des Gewerbevereins zurück. „Das war eine schlimme Zeit.“ Schließlich macht der Handel seine besten Umsätze vor Weihnachten. Ja, der Kontrollaufwand, das Impfzertifikat zu prüfen, sei eine Leistung, die der Einzelhandel aufbringen müsse, bestätigt Bühler. Die meisten Kunden zeigten aber bereits beim Betreten unaufgefordert entsprechende Nachweise. Bühler gibt aber auch zu bedenken: „Ein Drittel der potenziellen Kundschaft kommt überhaupt nicht zu uns, weil sie weder geimpft noch genesen ist.“ Das spüre der Einzelhandel selbstverständlich in der Kasse. Gleichzeitig werde der Trend verstärkt, online einzukaufen. Das Käuferverhalten verändere sich und es sei schwer, ans Internet verlorene Kunden zurückzugewinnen. „Außerdem rüsten Baumärkte und Discounter seit zwei Jahren ihre Sortimente auf und machen uns zunehmend Konkurrenz“, beobachtet Bühler. Er beklagt eine Ungleichbehandlung im Handel: Discounter würden als Grundversorger von den strengen 2G-Regeln verschont. „Das ist ein Riesenthema“, betont er.

Patrick Jost
Patrick Jost | Bild: Gerald Nill

Jost und Jost Haushaltswaren: Im Geschäft für Haushaltswaren und Deko-Artikel in der Scheffelstraße teilt man Bühlers Sorgen. „Ich sehe nicht ein, dass wir mit Haushaltswaren wie Pfannen nicht zu den Grundversorgern gehören “, beklagt sich Patrick Jost. Er hat gemeinsam mit der Parfümerie Stutz einen Protestbrief an Bürgermeister Harscher verfasst. Beide können nicht verstehen, dass zum Beispiel die Müller-Kette von den 2G-Vorschriften ausgenommen werde, obwohl sie identische Produkte verkaufe. Jost könne nicht nachvollziehen, dass Spielwaren, Kurzwaren und Blumen zur täglichen Grundversorgung zählten, sein Sortiment aber angeblich nicht. Seine Forderung zielt darauf ab, dass Discounter und Ketten eigentlich jene Produkte aus dem Sortiment nehmen müssten, die nicht zur täglichen Daseinsvorsorge zählten, um die Ungleichbehandlung zu beenden. Der Bürgermeister habe auf seinen Protestbrief noch nicht geantwortet, so Jost.

Oliver Philipp
Oliver Philipp | Bild: Gerald Nill

Sport Philipp: Dass durch die neuen Corona-Vorschriften ein Teil der Kundschaft verloren geht, bedauert Oliver Philipp vom Sportgeschäft am Rathaus. „Manche trauen sich jetzt gar nicht mehr her und sind verunsichert“, beobachtet er. Und dann gebe es auch die hartnäckigen Verweigerer, die den Einkauf boykottieren, wenn sie kontrolliert werden sollen. „Aber da muss ich konsequent bleiben. Ich will keine Kontrolle des Ordnungsamtes riskieren, nur um ein paar Sportsocken zu verkaufen.“

Sigrid Reif
Sigrid Reif | Bild: Markus Trinler

Sigrids Bastel-Lädele: Hartnäckige Verweigerer kennt auch Sigrid Reif vom Bastellädele in der City. „Die meisten Leute sind freundlich, aber manche empfinden den Check am Eingang als Diskriminierung und gehen wieder“, so Reif. Ihr Mann sagt: „Dabei diskriminieren sie uns.“ Schnell ist auch Reif beim Thema Ungleichbehandlung: „Warum sind Blumengeschäft oder Baumärkte von den Corona-Vorschriften ausgenommen?“. Auch im Tabak- und Zeitschriftengeschäft gegenüber sei „ die Ansteckungsgefahr nicht geringer als bei uns.“ Ihr ernüchtertes Fazit: „Wir sind immer die Dummen.“

Manuela Böhler-Szmerlowski
Manuela Böhler-Szmerlowski | Bild: Gerald Nill

Autohaus Böhler: Probleme sieht ebenfalls Manuela Böhler-Szmerlowski vom Autohaus Böhler: „Einige Kunden beschweren sich und zeigen wenig Verständnis für die aktuellen Maßnahmen“, sagt sie. Die Kunden hätten den verständlichen Wunsch, dass ihr Fahrzeug repariert wird. „Aber wir können nur erklären, dass das kontaktlos funktioniert, wenn kein Impfnachweis vorliegt“, so Böhler-Szmerlowski. Dann müsse ein Auftragsformular ausgefüllt und mit dem Autoschlüssel in den Nachtbriefkasten gesteckt werden. „In solchen Fällen müssen wir das Fahrzeug gründlich desinfizieren, wodurch uns ein Extraaufwand entsteht, den wir natürlich berechnen müssen“, erklärt die Vorsitzende des IHK-Handelsausschusses.

Abends bei der Autoabholung müsse jemand kommen, der geimpft oder genesen ist und der vor Ort die Rechnung bezahlt. „Unser Bringservice ist wegen der Corona-Regelung auch nicht mehr möglich“, sagt Böhler-Szmerlowski abschließend. „Leider erleben wir derzeit viele Kunden, die weder Nachweise, noch Verständnis mitbringen.“ Sie habe aber auch Verantwortung für die Mitarbeiter und riskiere keine Betriebsschließung wegen zu laxer Kontrollen.