„Familienbetriebe kämpfen extrem“, berichtet Manuela Böhler-Szmerlowski vom gleichnamigen Autohaus in Schopfheim. Nach 14 Monaten Pandemie sind die finanziellen Reserven aufgezehrt und viele kleine Firmen versuchen sich mit Krediten über Wasser zu halten. Die IHK-Handels-Sprecherin ärgert sich am meisten darüber, dass die Regierung bislang keine Öffnungsstrategie vorgelegt hat und damit die Geschäftswelt auf die Folter spannt.

Ein Jahresumsatz von sieben Millionen Euro, Personalkosten von mehr als 800.000 Euro, dazu hohe Fixkosten und einen großer Fahrzeugbestand – da ist klar, dass beim Autohaus Böhler jeder Tag bei der Rückkehr zur Normalität zählt. „So wie uns geht es vielen familiengeführten Unternehmen in der Region“, weiß Böhler-Szmerlowski und redet sich den Frust der schier nicht enden wollenden Hängepartie durch Corona von der Seele.

Gut war die Corona-Soforthilfe des Bundes vor einem Jahr. 20 000 Euro flossen damals unbürokratisch. Zwar deckt die Summe beim Autohaus nur die Fixkosten von gerade mal einer Woche, aber immerhin. Die Mitinhaberin des Betriebs erinnert sich an die schlimmste Zeit vor einem Jahr, als der Umsatz in zwei Monaten um 47 Prozent einbrach. Erschreckend viel, aber knapp zu wenig, um weitere Überbrückungshilfen in Anspruch zu nehmen. Die Folge: Das Unternehmen musste zur Sicherung der langfristigen Handlungsfähigkeit ein Kfw-Förderkredit in Anspruch nehmen.

Beim zweiten scharfen Lockdown kam das Unternehmen nicht umhin, Kurzarbeit zu beantragen. „Wir stocken den Lohn unserer Mitarbeiter aber zu 100 Prozent auf“, hebt Böhler hervor. Das sei eine „Vorleistung für die guten Fachkräfte, die wir nicht verlieren wollen“. Im Gegenzug werde flexibler Einsatz vom Personal erwartet, wenn es wieder rund gehe. Von zwei Beschäftigten habe man sich in der Krise getrennt. Fällige Investitionen werden entweder immer wieder verschoben oder auf kleine verdauliche Portionen verteilt. Ohne das breite Verständnis der Mitarbeiter und der Kundschaft für die sich ständig wechselnden Vorgaben und Situationen, hätte der Familienbetrieb keine langfristige Perspektive sichern können. So trat die Geschäftsleitung in Vertragsverhandlungen mit einem neuen zusätzlichen Hersteller ein und verhandelte auch mit weiteren Kooperationspartnern.

Aber auch der eigene Lagerbestand an Neu-, Jahres- und Gebrauchtwagen musste teilweise im Preis stark reduziert werden, um Liquidität zu sichern und in keinen Kredit-Teufelskreislauf zu geraten. Der Boom bei Elektroautos habe den Verlust im Vorjahr in Grenzen gehalten, aber auf Kosten der Verbrenner, die jetzt „als Ladenhüter“ auf dem Hof stünden.

So gehe es vielen Familienbetrieben in von den Lockdowns betroffenen Branchen, beobachtet die IHK-Handelsprecherin. Sie spricht vom Schuhhaus in Schopfheim oder vom Sportgeschäft in Lörrach. „Gerade Familienbetriebe und Selbständige setzen all ihre vorhandenen Ressourcen zur Sicherung der Arbeitsplätze und des Unternehmens ein.“ Eine erhöhte Kreditaufnahme bedeute in der Regel für diese Betriebe ein erhebliches Risiko für die Zukunftsfähigkeit, also für den Fortbestand. „Kredite müssen zurückgezahlt werden, was angesichts der ungewissen Perspektive völlig unklar ist, wie dies mangels Einnahmen bewerkstelligt werden soll“, drängt Böhler auf klare Perspektiven.

Als Vorsitzende des IHK Handelsausschusses und als Beirätin des Gewerbevereins Schopfheim ehrenamtlich tätig ist, bekommt von einer Vielzahl an Familienbetrieben mit, wie riskant die derzeitige Lage für sie und damit für unsere Region ist: „Hinter amtlich verschlossenen Geschäftsräumen wird trotz allem weiter für die Kunden vor Ort geschafft und geleistet, was möglich ist.“

Bei allem Verständnis für den Lockdown müssten jetzt die Geschäftstüren schrittweise geöffnet werden. Manuela Böhler-Szmerlowski wünscht sich eine zeitnahe Öffnungsstrategie für Handel, Gastronomie und Hotellerie für Getestete, für Genesene und natürlich auch für Geimpfte. Und sie wünscht sich, dass die politischen Entscheidungsträger wieder ausgewogen zu Entscheidungen gelangen und einheitliche Strategien für ganz Deutschland beschließen und umsetzen.