Wer künftig als Inhaber der Hochschwarzwald Card die Lifte am Feldberg während seines Urlaubs durchgängig nutzen will, könnte einen einmaligen Aufpreis dafür zahlen müssen. Das ist der Vorschlag, den die Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) dem Liftverbund Feldberg nach den Querelen um die Abrechnungsmodalitäten und die Kündigung nun unterbreitet. Darüber informiert ein Schreiben an die Partner der Karte. Eine Einigung steht noch aus.

Die Situation

Im Juni schlugen die Wellen hoch: Der Liftverbund Feldberg verkündete seinen Ausstieg aus der Hochschwarzwald Card. Zum Liftverbund gehören auch die Anlagen in Fahl, Muggenbrunn, Todtnauberg, am Notschrei und am Belchen. Grund für den Ausstieg: offene Fragen zum Abrechnungssystem. HTG-Chef Thorsten Rudolph sah als Reaktion darauf „keine Gesprächsgrundlage“ mehr mit dem Liftverbundvorsitzenden Adrian Probst (St. Blasien) und dessen Stellvertreter Johannes Albrecht (Feldberg). Wenig später wurden die Gespräche wieder aufgenommen – man wollte gemeinsam nach Lösungen suchen. Die Akteure, so die Vereinbarung, wollten sich dazu erst wieder öffentlich äußern, wenn ein Wirtschaftsprüfer und die Kommunalaufsichten der drei Landkreise die Abrechnungsmodalitäten geprüft haben.

Der Brief

„Zwischeninformation zu den Verhandlungen mit dem Liftverbund Feldberg“ steht als Betreff über dem Brief der HTG, der im August an die Partner der Hochschwarzwald Card verschickt wurde. Das sind mehr als 500 Gastgeber und die Anbieter von mehr als 100 Freizeitangeboten, außerdem ging das Schreiben an die Bürgermeister. In dem Schreiben informieren HTG-Geschäftsführer Thorsten Rudolph und Ulrike Brodscholl, Leiterin der Hochschwarzwald Card, dass „eine renommierte Anwaltskanzlei sowie ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer das Abrechnungssystem intensiv geprüft und im Grunde für korrekt erklärt“ hätten. In einer Gesprächsrunde mit Gastgebern sei einstimmig beschlossen worden, dass es für den Urlauber eine Aufzahlung für den Skipass geben muss – „da die Gastgeber eine Umlageerhöhung kategorisch ablehnen“. Weiter heißt es in dem Schreiben, dass der HTG durch Gastgeberkündigungen ab 2021 „ein hoher sechsstelliger Umlagebetrag fehlen wird“. Die Gastgeber, so ist zu hören, hätten die Wiederaufnahme der Gespräche und eine Lösung eingefordert – wollen sie doch wissen, woran sie in der Wintersaison sind.

Der Vorschlag

In ihrem Schreiben machen Rudolph und Brodscholl den Vorschlag, dass es ab dem 1. Januar 2021 für den Gast, der die Hochschwarzwald Card nutzt, eine „Hochschwarzwald Card Plus Liftverbund“ geben soll, die für dessen gesamten Aufenthalt im Hochschwarzwald 50 Euro kosten soll. Zum Vergleich: Ein normales Tagesticket kostet 39 Euro pro Person. Abzüglich einer zehnprozentigen Bearbeitungsgebühr würde der Liftverbund pro Hochschwarzwald-Card-Gast 45 Euro erhalten, heißt es. Aus der Vergangenheit wisse man, dass rund 62.000 Gäste pro Saison den Liftverbund nutzen. „Der Liftverbund könnte nach diesem Modell von zusätzlichen Einnahmen in Höhe von bis zu 2,8 Millionen Euro ausgehen.“

Die Stimmen

„Zum neuesten Schreiben von Herrn Rudolph möchten wir uns nicht äußern“, teilt der Vorsitzende des Liftverbunds, Adrian Probst, auf Anfrage mit. „In der Tat wurde von allen Beteiligten vereinbart, die Prüfungsergebnisse der Kommunalaufsichten gemeinsam mit allen Bürgermeistern des Liftverbunds zu besprechen und dann zum weiteren Verfahren zu beraten. Dies konnte bisher noch nicht stattfinden“, so Probst. Er macht keine Aussage dazu, wie der Liftverbund den HTG-Vorschlag bewertet. „Unterlagen einer Anwaltskanzlei oder des Wirtschaftsprüfers liegen uns nicht vor.“

HTG-Aufsichtsratsvorsitzender Jürgen Kaiser, Bürgermeister von Schluchsee, und die Vorsitzende des Zweckverbands Hochschwarzwald, Titisee-Neustadts Bürgermeisterin Meike Folkerts, sagen zum jetzigen Zeitpunkt ebenfalls nichts zum Schreiben. Zunächst sollen in einer für die zweite Septemberhälfte angesetzten Sondersitzung die Prüfungsergebnisse intern besprochen werden.

Auch die HTG äußert sich nicht. Es sei ein vertrauliches Schreiben an die Gastgeber und Partner gewesen, so Matthias Maier, bei der HTG zuständig für Medien und Kommunikation. „Wir fühlen uns weiter der Vereinbarung verpflichtet, keine Zwischenstände an die Öffentlichkeit zu geben – sondern erst, sobald etwas Spruchreifes steht“, sagt Maier.

Am 16. September lädt die Tourismusgesellschaft zum jährlichen Pressebrunch ein, wo aktuelle Entwicklungen im Hochschwarzwald Thema sein sollen. Wenn es bis dahin ein Ergebnis geben sollte, könnte es dort zum Thema werden.

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