Sehr viele Besucher sind in dieser Zeit in die Kirche gekommen und hätten sich „tief beeindruckt“ gezeigt, wie sich der vertraute Kirchenraum durch diese Einwirkung von Farbfiltern verändert habe. Bevor die Installation wieder abgebaut wurde, erläuterte Marcus Pericin vom Farb-Licht-Zentrum der Zürcher Hochschule der Künste noch einmal das Geheimnis hinter dieser außergewöhnlichen Farbwahrnehmung.

Besucher erlebten den Übergang vom natürlichen Licht zu den faszinierenden Magenta-Tönen

Seinen Vortrag begann er draußen vor der Kirchentüre, wo er anhand eines Farbwürfels mit Rot, Gelb, Blau, Grün, Cyan und Magenta und eines Stücks Magenta-Folie, die Wechselwirkung der Farbe und das Prinzip seiner Installation zu erläuterte. Auch konnten die Finissage-Besucher noch einmal den Übergang vom natürlichen Licht draußen zu den faszinierenden Magenta-Tönen im Kirchenraum nach vollziehen.

Dort wurde mittels Theaterfolien an den Innenseiten der Fenster das Tageslicht so gefiltert, dass nur Rot und Blau wahrgenommen wurde und Grün herausgefiltert war – bis auf das grüne Nachbild, das beim Schauen auf den offenen Ausgang entstand. „Wir wollten das Grün als Nachbild inszenieren“, beschrieb Pericin die Idee dieser räumlichen Farbgestaltung, durch die sich die Farbwahrnehmung verschoben und die Atmosphäre im Kirchenraum völlig verändert hat.

Magenta-Spektrum verändert den Raum

Wie auch den Besuchern auffiel, waren es ganz viele verschiedene Magenta-Töne, die den Raum in anderes Licht hüllten, je nach Tageslicht oder Sonneneinstrahlung: von kühlen bläulich-violetten Tönen bis zu hell leuchtenden, fast rötlichen Nuancen reichte das Spektrum. „Das zeigt die Kraft der Farbe, die den ganzen Raum verändert“, so Marcus Pericin. Wenn am Montag die Filter von den Fenstern entfernt werden, werde die Kirche wieder ganz anders wirken, kühler, etwas neutraler, ohne die Intensität und Wärme der Magenta-Töne.

Die Installation habe überraschend viele Besucher in die Kirche gelockt, viel mehr als sonst, sagte Johannes Kehm zum Abschluss. Immer, wenn die Kirche geöffnet hatte, seien zahlreiche Besucher da gewesen, auch Touristen und Feriengäste hätten sich die Farbinstallation angeschaut.

Auch die Führungen mit kunsthistorischen Ausführungen über Licht und Farbe im spätmittelalterlichen Kirchenbau, die der Kulturbeauftragte Dominik Baiker im August angeboten hatte, stießen auf großes Interesse. Die Zusammenarbeit mit Baiker sei „herzerfrischend und effektiv“, so Johannes Kehm. Als Erinnerung an das einmalige Magenta-Erlebnis können, wie Johannes Kehm informierte, Interessierte ein Stück Folie erwerben.

Beim Abbau der Installation können sich Interessierte Folienstücke sichern

Am Montag wird Marcus Pericin auf einem acht Meter hohen Gerüst die an den Fenstern angebrachten Magenta-Folien abnehmen. Ein Teil der Folien werde dann in Schopfheim bleiben, damit sich Interessierte ein Stück sichern können. Es handelt sich vorwiegend um Folienstücke in Din-A-4-Format, wie sie an den einzelnen Fensterteilen angebracht waren. Wer ein Stück Magenta-Kirche für zu Hause möchte, kann sich die Folie per Post schicken lassen oder bei der Stadt abholen. Entsprechende Zettel liegen in der Kirche aus.

Der Erlös des Folien-Verkaufs soll der Erhaltung der Alten Kirche St. Michael zugutekommen, wie Kehm sagte. Zum Beispiel sei die Rosette, die hinter der Orgel verborgen sei, stark beschädigt und werde wohl kaputt gehen, wenn sie nicht renoviert werde. Der Kunstverein möchte mit der Aktion des Folienverkaufs dazu beitragen, die Renovierungs- und Erhaltungsarbeiten zu unterstützen und ein Stück Geschichte zu bewahren.