Die Tannenhof-Klinik in Todtnauberg, eine Fachklinik für Mutter-/Vater-Kind-Kuren, ist wegen der Corona-Krise geschlossen. Klinikleiter Lukas Griesbaum musste auf Anordnung des Landes alle Patienten nach Hause schicken. „Sozialminister Lucha schickt uns in den Regen, und der Bund lässt uns nicht unter den Schirm“, sagt er. Denn der Rettungsschirm, das Krankenhausentlastungsgesetz, gelte nur für Akut- und Reha-Kliniken; Familienmaßnahmen seien aber ausgeschlossen.

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Die Tannenhof-Klinik ist eine von sechs Eltern-Kind-Fachkliniken des Vereins Deutscher Arbeitskreis für Familienhilfe. Sie ist mit zirka 100 Mitarbeitern einer der großen Arbeitgeber in Todtnau. Rund 100 Betten gibt es im Haupthaus und in den fünf Nebengebäuden, bis zu 60 Familien sind im Schnitt hier untergebracht. Zu den Schwerpunkten zählen die Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates, elternspezifische Belastungen, Erschöpfungs- und Dauerstresszustände sowie die Hilfe bei der Bewältigung von Krisen-, Trennungs- und Beziehungsproblemen. „Wir haben hier eine sehr hohe Auslastung zwischen 90 und 98 Prozent“, sagt Griesbaum. Doch in der vergangenen Woche musste er die letzten elf verbliebenen Familien wegen der Corona-Schutzmaßnahmen heimschicken; einen Aufnahmestopp habe es bereits ab 18. März gegeben. Die Patienten hätten durchweg verständnisvoll reagiert, auch wenn eine Mutter gerne geblieben wäre, weil sie sich hier „wie auf einer sicheren Insel“ fühlte, so Griesbaum. Seit Mittwoch, 1. April, ist nun Kurzarbeit in der Klinik angesagt, anstehende Renovierungs- und Sanierungsarbeiten werden nun vorgenommen. Den finanziellen Schaden versuche man mit Krediten zu überbrücken, doch je nach Dauer der Schließung würde man in finanzielle Bedrängnisse kommen können, so Lukas Griesbaum. Deswegen habe er alle Hebel in Bewegung gesetzt und einen Hilferuf Richtung Politik gestartet.

Lukas Griesbaum
Lukas Griesbaum | Bild: Ulrike Jäger

Er habe die Bundestagsabgeordneten Armin Schuster und Peter Weiß, Landrätin Dorothea Störr-Ritter (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) und Landtagsabgeordnete Sabine Hartmann-Müller angesprochen, die sich nun auf verschiedenen Ebenen für eine Unterstützung der Fachkliniken einsetzen wollen. „Wir hoffen sehr, dass wir unter den Rettungsschirm schlüpfen können, um die Arbeitsplätze zu erhalten und die finanzielle Situation zu festigen. Unsere Kuren sind ein wichtiges Standbein im Gesundheitssystem. Ich kann nicht verstehen, dass diese Fachkliniken nicht unter das Krankenhausentlastungsgesetz fallen“, äußert Griesbaum sein Unverständnis. Er hofft nun, dass er zum geplanten Termin am 22. April wieder Patienten aufnehmen kann, doch würde die Situation zunächst neu bewertet werden müssen. Die Klinik sei zu allen Jahreszeiten sehr beliebt und stark nachgefragt, lange Wartelisten zeugten davon. Die besondere Lage und Schwerpunkte wie die Trauerarbeit seien zusätzliche Argumente, eine Kur in der Fachklinik zu beantragen. Die Patienten kämen aus allen sozialen Schichten in die Tannenhof-Klinik, die unter der ärztlichen Leitung von Margarita Salgado steht. Eine Kur dauert in der Regel drei Wochen. Die nun abgebrochenen Kuren müssten neu beantragt und dann wiederholt werden.