Wiederholt zerschlagene Glasscheiben von Unterständen, Zweiradfahrer, die über Bahnsteige flitzen, Dreck und Müll, der allzu lange liegen bleibt: Leser berichten von Missständen am Schopfheimer Bahnhof und am S-Bahnhaltepunkt Schopfheim-West, etliche appellieren an die Stadt, die Missstände zu beseitigen. Doch die Zuständigkeit für Sicherheit und Sauberkeit in den Bahnhöfen und drumherum ist auf viele Schultern verteilt. Hier ein Überblick über die Probleme vor Ort und darüber, was die Verantwortlichen tun und tun können.

Thema Vermüllung

Dass die Stadt nicht verhindere, dass Reisende, die am Schopfheimer Bahnhof aussteigen, über Müll, die verdreckten Treppen und die sehr verdreckte Unterführung müssen, um in die Stadt zu gelangen, sei eine Schande, heißt es in einer Leserzuschrift. Bei der Bahn habe ihr niemand Auskunft geben können, wer für die Sauberkeit am Schopfheimer Bahnhof zuständig ist, so die Leserin.

Zuständig ist hier nach unserer Recherche die Deutsche Bahn (DB). Wie die Pressestelle des DB-Regionalbüros Stuttgart mitteilt, sind die DB-Reinigungskräfte in Schopfheim dreimal wöchentlich mit einer Grobreinigung im Einsatz; einmal im Monat finde eine Feinreinigung statt. In Schopfheim-West gebe es ähnliche Intervalle. Darüber hinaus kontrolliere die Bahn regelmäßig, ob sich der Bahnhof in einem ansprechenden Zustand befinde, notwendige Reparaturen würden in der Regel kurzfristig erledigt.

Die Nachfrage der Zeitung habe die DB zum Anlass genommen, sich die Situation vor Ort noch einmal ansehen zu wollen, heißt es in dem Schreiben der DB weiter.

Zweiradverkehr auf dem Bahnsteig

Dass die Bahnsteige des S-Bahnhaltepunkts Schopfheim-West verbotenerweise mit Fahrrädern und Elektro-Scootern befahren werden, beklagt Heiko Weide, der Vorsitzende der Vereinigung „Die Unabhängigen“, die auch im Schopfheimer Gemeinderat vertreten ist. Mit dem Thema hat sich Weide in mehreren Schreiben, die der Zeitung vorliegen, an die Deutsche Bahn und an die Stadt Schopfheim gewandt, durchaus mit einem Teilerfolg. Auf die Appelle hin hatte die DB Anfang vergangenen Jahres zwei große Tafeln jeweils an den Zugängen zum Bahnsteig angebracht, auf denen darauf hingewiesen wird, dass das Befahren des Bahnsteigs mit Zweirädern verboten sei. Zudem hatte die DB den „Unabhängigen“ mitgeteilt, dass das DB-Sicherheitspersonal angewiesen wurde, bei Kontrollen auf dem Bahnsteig Radfahrer entsprechend auf das Verbot hinzuweisen.

Der Ergebnis habe allerdings enttäuscht. Nach wie vor würden teils ganze Familien mit Fahrrädern über den Bahnsteig fahren, berichtet Weide. Seiner Meinung nach wäre es sinnvoll, schon beim Park&Ride-Platz auszuschildern, dass der Radweg durchs Gewerbegebiet Lus führe und es untersagt sei, die Abkürzung über den Bahnsteig zu nehmen.

In dem Schreiben an die Zeitung beklagen Die Unabhängigen auch, dass ihre Appelle an das Ordnungsamt der Stadt Schopfheim ergebnislos geblieben seien, da die Stadt ihrerseits schlichtweg noch nichts angeregt habe, um die Zweiradfahrer vom Befahren des Bahnsteigs abzuhalten. Dass die Stadt hier gar nicht zuständig sei, stellt Marcus Krispin, Pressesprecher der Stadt Schopfheim klar. Zuständig für den Haltepunkt Schopfheim-West und alles, was an Problemen damit verbunden sei – das Befahren des Bahnsteigs mit Zweirädern, die beklagte Vermüllung und die gewünschten Kontrollen –, seien die Deutsche Bundesbahn und die Bundespolizei. Die Stadt habe die gemeldeten Vorkommnisse bereits an die zuständigen Stellen weitergeleitet. Was aber doch in der Zuständigkeit der Stadt liege, sei die Kontrolle der Skateranlage und des Park&Ride-Platzes. Kontrolliert werde hier in einem bestimmten Turnus, teilt Marcus Krispin mit. Den „Unabhängigen“ ist das nicht genug. Kontrollen der Polizei seien hier, wie Heiko Weide der Stadt mitgeteilt hat, seiner Meinung nach vor allem an Wochenenden und in der Nacht nötig. Eine so vollumfängliche Kontrolle sei aufgrund der personellen Ressourcen leider weder für die Stadt noch für die Polizei möglich, so Marcus Krispin auf Nachfrage. Es sei aber wichtig, dass beobachtete Vorfälle sofort der Polizei gemeldet werden.

Dauerbrenner Sachbeschädigung

Auch von wiederholt eingeschlagenen Glasscheiben an einem der Warte-Unterstände am Haltepunkt Schopfheim-West berichtet der Schriftverkehr zwischen Heiko Weide und dem Bahnhofsmanagement in Freiburg. Die Rede ist in dem Schreiben außerdem von Farbschmierereien, die noch immer am besagten Haltepunkt zu besichtigen sind. Zuletzt hatte im Juli Unbekannte dort wieder einmal die Scheiben eines Warteunterstandes und des Fahrplanaushangs komplett zerstört. Die umfangreichen Zerstörungen hatte die Bahn angezeigt.

In ihrem jüngsten Schreiben an die DB und die Stadt Schopfheim beklagen die „Unabhängigen“, dass die fehlenden Glasscheiben am Unterstand an der Westseite bisher noch nicht ersetzt wurden.

Dies wird aber wohl auch in Zukunft nicht geschehen. Wie die Pressestelle der Deutschen Bahn auf Nachfrage mitteilt, sei man derzeit auf der Suche nach einer zufriedenstellenden Alternative zu den Glasscheiben, nachdem diese im vergangenen und im laufenden Jahr insgesamt achtmal zerstört worden sind.