Von Juni an wird das Impfen gegen Covid-19 in Deutschland für alle Bevölkerungsgruppen geöffnet. Das Seniorenbüro des Diakonischen Werkes empfiehlt älteren Mitbürgern in Schopfheim, jetzt tätig zu werden und im Falle einer Überforderung, selbst einen Termin zu vereinbaren, das bestehende Hilfsangebot der Diakonie zu nutzen.

„Wir befürchten einen regelrechten Verteilungskampf um den Impfstoff, wenn die Impfkampagne für alle Altersgruppen geöffnet wird“, sagt Dagmar Stettner vom Seniorenbüro. Sie glaubt, dass dann Senioren noch stärker im Nachteil seien, weil Termine aktuell praktisch nur online gebucht werden können und die telefonische Hotline permanent überlastet ist. Stettner weiß, dass Senioren der ersten Prioritätengruppe sehr häufig überfordert sind mit den digitalen Buchungen beim Impfzentrum: „Nur drei bis fünf Prozent der über Achtzigjährigen sind digital unterwegs. Das heißt, über 95 Prozent sind mit der Vereinbarung eines Impftermine über das Internet überfordert.“

Stettner weiß auch, dass der Anteil der Geimpften bei den über 70-Jährigen höher sein müsste. Selbst im Seniorenwohnen Schärers Au, wo das Seniorenbüro seinen Sitz hat, könnte die Impfquote höher sein. Deshalb trommelt die Seniorenbeauftragte jetzt noch einmal kräftig, die Chance zu nutzen. Bereits seit Anfang Januar steht das Angebot des Diakonischen Werkes, die Hilfe beim Vereinbaren von Impfterminen in Anspruch zu nehmen. So hat Stettner bereits 200 Senioren in Schopfheim weiterhelfen können, wenn Angehörige oder digitale Endgeräte fehlten. Hinzu kam eine einmalige Impfaktion für 300 Menschen. Selbst einen Fahrdienst konnte sie für die Anreise zum Impfzentrum vermitteln, sofern öffentliche Verkehrsmittel oder ein eigenes Auto nicht zur Verfügung standen.

Aus eigener leidvoller Erfahrung weiß Stettner, „dass die Hürden bei der Anmeldung zum Impfen riesig sind“. Die Hotline sei permanent überlastet und auch beim Einwählen über das Internet gleiche die Jagd nach einem Termin einem Glücksspiel. Sie habe es sogar schon erlebt, dass ein Terminfenster nach Ausfüllen aller Daten schon wieder geschlossen gewesen sei. Der Frust sei enorm. „Ich habe das Handy immer auf dem Schreibtisch und versuche neben meiner Arbeit mein Glück“, berichtet Stettner, wie sie sich für Ihre Klientel einsetzt. Sie rät Senioren jetzt dringend, die nächsten drei Wochen zu nutzen. Die aktuelle Diskussion zeige, dass Öffnungen des gesellschaftlichen Lebens kommen werden „und die Eintrittskarte dazu ist die Impfung“, wirbt die Diakonie.

„Die Urlaubszeit kommt, und wenn nur Geimpfte verreisen können, wird sich der Ansturm auf die Impfzentren im Juni massiv erhöhen“, befürchtet Stettner. „Dann werden Senioren eher abgehängt, weil sie weniger vertraut mit dem Internet sind“, so ihre Einschätzung. Deshalb sollte der Vorrang dieser Bevölkerungsgruppe in den bestehenden drei Wochen unbedingt genutzt werden. Stettner: „Bitte melden Sie sich spätestens bis Mitte Mai, wenn Sie Hilfe benötigen.“ Das Seniorenbüro in Schopfheim hilft allen Mitbürgern aus Schopfheim inklusive Ortsteilen über 65 weiter, die keinen eigenen Internetzugang haben. Ausdrücklich weist Stettner daraufhin: „Die Impfung ist kein Wunschkonzert.“ Will heißen, beim Seniorenbüro kann kein bestimmter Impfstoff gewählt werden, es muss genommen werden, was kommt.

Kontakt: Montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr unter Tel. 07622/69 75 97 33