Ein Bekenntnis gegen den Plastikverpackungswahn ist die Eröffnung des Unverpackt-Ladens „Glück im Glas“ in bester Lage Schopfheims. Vier junge Frauen schlossen am Freitag erstmals die Pforten ihres Start-up-Geschäfts im ehemaligen Müller-Markt am Kronenbrunnen auf. Kunden sollen die Gebinde für ihr „Glück im Glas“ am besten selbst mitbringen.

„Die Initiative für unsere Geschäftsidee hat sich an der Schule bei einer Projektwoche zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit entwickelt“, berichtet Malwina Arncken (18), die gemeinsam mit den gleichaltrigen Mitstreiterinnen Hannah Frank, Sofia Riese sowie Franka Popp (17) ziemlich aufgeregt die letzten Handgriffe vor der Eröffnung erledigte. Sie lassen keinen Zweifel: „Vom Konzept und von der Lage sind wir fest überzeugt.“ Sie erwarten zum Beispiel, dass Kunden, die gerne auf dem Markt einkaufen, anschließend ihren Einkauf im Unverpackt-Laden ergänzen.

„Wir haben ziemlich viel, was es auch im Supermarkt gibt“, sagt Malwina Arncken zur Produktpalette. „Zum Beispiel Grundnahrungsmittel, aber auch Haushaltswaren.“ Neben dem ökologischen Anspruch beim Verzicht auf Einzelverpackung ist der vegane Charakter der Produkte wichtig für das Gründerinnen-Quartett. Das gilt zum Beispiel auch für Zahnpasta, in der man nicht unbedingt tierische Erzeugnisse wie Knochen vermuten würde. Die Zahnbürste ist aus Bambus hergestellt, Haarseife und Duschbrocken werden von einem erfolgreichen Start-up aus Stuttgart geliefert, Shampookugeln aus Köln. „Wir bieten das Badezimmer ohne Plastik“, sagt Arncken und übergibt an Franka Popp, die für das Sortiment zuständig ist: „Wir wollen so viel wie möglich regional beschaffen, zum Beispiel vom Hof Dinkelberg.“ Das sei natürlich nicht immer möglich, zum Beispiel nicht bei Mango und Ananas. „Dann achten wir auf Fair Trade und Bio-Zertifikate“, betont Popp.

Fleisch, Wurst und Käse sucht man bei Unverpackt vergeblich. Einiges sei teurer, manches aber auch günstiger, weil Kunden die Menge von Reis oder Nudeln selbst dosieren können. Die Idee tragen die Vier seit eineinhalb Jahren mit sich herum. Dass die Pandemie eine ungünstige Zeit für eine Geschäftseröffnung ist, war allen klar. „Aber die strengen Hygienebestimmungen müssen wir auch ohne Corona einhalten“, gibt Franka Popp zu bedenken. Klar sei: „Wir fassen mitgebrachte Behältnisse nicht an.“ Corona beschränkt die Kundenzahl auf maximal acht im Geschäft. Natürlich sollten Kunden am besten ihre Gefäße für den Einkauf von zu Hause mitbringen. Für den spontanen Einkauf gibt es aber auch wiederverwertetes oder neues Glas. Das Quartett, das sich ohne Vorerfahrung und spezielle Ausbildung ins Abenteuer Geschäftswelt stürzt, hat im Vorfeld viel moralische Unterstützung erfahren. Angeblich wartet lautet eigener Marktumfrage halb Schopfheim auf diese Marktlücke. Begeistert zeigte sich bei der Eröffnung Michael Straub, langjähriger Stadtrat der Grünen: „Ich habe immer gehofft, dass es klappt“, sagte er und überreichte den vier jungen Frauen einen vergoldeten Glückspfennig als Talisman. Demnächst soll auch noch ein Lieferdienst mit einem Lasten-E-Bike angeboten werden, wodurch das „Glück“ nach Hause gebracht werden könne.

Bestellungen werden entgegengenommen unter Telefon 07622/6 88 97 68 sowie per E-Mail an info@glueck-im-glas.de.