Die Saat, die die Stadt Schopfheim in den vergangenen beiden Jahren auf städtischen Flächen ausgebracht hat, ist aufgegangen und trägt Früchte in Form von schönen Anblicken und auch in Form eines höheren Insektenaufkommens, das sagen Bauhofleiter Stefan Wetzel und der Chef des städtischen Gärtnereiteams Michael Reimann. Die Versuche mit verschiedenen Blühmischungen sollen in den kommenden Jahren auf weiteren städtischen Flächen fortgesetzt werden.

Städtische Blütenpracht in der Belchenstraße in Gündenhausen.
Städtische Blütenpracht in der Belchenstraße in Gündenhausen. | Bild: Susanne Filz

Im Mai 2020 hatten wir berichtet, dass die Stadt in Kooperation mit dem BUND Schopfheim und dem Verein Kambium, dem Trägerverein des Hofs Dinkelberg in Wiechs, in einem Versuch Wiesen an drei Standorten durch Aussaaten aufgewertet hatte. Drei Versuchsflächen – drei unterschiedliche Ergebnisse. Die Saatmischung, die im Frühjahr 2020 auf tausend Quadratmetern beim Friedhof in Fahrnau ausgesät wurde, sei zwar angegangen und habe im vergangenen Jahr auch üppig geblüht, was auch den Bürgern aufgefallen sei. In diesem Jahr habe sich aber die Schafgarbe durchgesetzt, so dass von der letztjährigen Pracht in diesem Jahr nichts zu sehen gewesen sei. „Wir sammeln Erfahrungen“, so Stefan Wetzel. In Gündenhausen, wo bereits eine naturnahe Magerwiese vorhanden ist, hatten die Stadtgärtner auf einer Fläche von 850 Quadratmetern beim Langenauer Kreisel an einigen Stellen eine vom Naturpark empfohlene Mischung ausgesät. „Da die Wiese sowieso schon naturnah ist, hatten die Stadtgärtner innerhalb der großen Fläche drei kleinere Flächen umgegraben und hier die Mischung eingebracht“, berichtet Stefan Wetzel.

Einen spektakulären Erfolg landete die Stadt mit ihrer Aussaat auf einer Fläche im Wohngebiet in der Käppelematt in Gündenhausen. Wie Michael Reimann berichtet, standen hier früher Kugelakazien und Robinien, die aus Altersgründen gefällt werden mussten. Reimann hatte angeregt, hier statt des damaligen Zierrasens eine Blühwiese auszusäen. „Das Ziel war, dass es insektenfreundlich ist und außerdem ansprechend aussieht“, so Reimann. Das Erdreich, der früher mit Zierrasen bedeckt war, wurde ausgetauscht und eine reine Blühpflanzenmischung eingebracht, unter anderem mit Mohn, Ringelblume, Wildakelei und Margariten. Die Blüte ist dann so üppig ausgefallen, dass Anwohner, darunter eine Imkerin, durchweg positive Rückmeldungen gegeben haben, berichtet Stefan Bauhofleiter Wetzel. In der Folge seien hier – deutlich mehr Bienen, Hummeln und andere Insekten gesichtet worden.

Im Herbst, wenn sich die Pflanzen versamt haben, soll die Blühwiese gemäht werden. „Im nächsten Jahr wollen wir dann sehen, was von der diesjährigen Pracht von selbst wiederkommt“, erläutert Reimann.

Auch in der Belchenstraße hat die städtische Gärtnerei etwas ausprobiert. Hier wurden auf einer Fläche neben der Straße Staudengewächse angepflanzt: Lavendel, Felsenbirne, Hortensie, auch verschiedene Gräser. Aussehen tut es fantastisch – und das soll es auch. „Was wir in der Stadt machen, muss auch optisch etwas bringen, sonst kriegt man dafür keine Akzeptanz“, sagt Stefan Wetzel.

Was sich in Sachen Insektenvorkommen durch die Aussaaten und Anpflanzungen tatsächlich verändert, wird ein Insektenmonitoring des Naturparks zeigen. Für das Monitoring wurden zwei Flächen auf Schopfheimer Gebiet ausgesucht. Dabei arbeitet der Naturpark mit dem Julius-Kühn-Institut für Bienenschutz zusammen. Die erste Begehung fand im April statt, eine zweite sei für den Herbst geplant. „Wir wollen wissen, was da ist und wie viel da ist“, sagt Stefan Wetzel. In diesem Jahr wurden noch auf zwei weiteren Flächen Saatmischungen eingebracht, eine im Bremt und eine beim Ortseingang von Enkenstein. Außerdem sollen zukünftig in jedem kommenden Jahr jeweils zwei weitere Flächen eingesät werden – je eine im Innenbereich und eine im Außenbereich der Stadt.

Ob das Vorbild der Stadt Nachahmer im Privatbereich gefunden hat, lasse sich nicht sagen. „Wir hatten den Bürgern zwei Infoveranstaltungen angeboten, an denen Vertreter der Stadt erklärt haben, was wir machen, wie wir es machen und warum wir es machen“, so Wetzel. Dabei haben man auch darüber informiert, was die Bürger selbst tun können, um ihre Gärten insektenfreundlicher zu gestalten. Und was wäre das zum Beispiel? „Einfach mal ein Stück Rasen nicht mähen, damit Wildpflanzen blühen und sich versamen können“, sagt Wetzel. So würden es übrigens auch die Stadtgärtner machen. „Wenn sie auf den innerstädtischen Flächen mähen, lassen sie einfach mal einen Quadratmeter hier und da aus“, erklärt Stefan Wetzel.