Am Amtsgericht Schönau hat der Strafprozess gegen zwei Männer aus dem Oberen Wiesental begonnen, die in Zell einen Jugendspieler aus Singen verletzt haben sollen. Das 18-jährige Opfer hat seitdem Depressionen und Schlafstörungen.

Es waren hässliche Szenen, die sich am Sonntag, 6. Oktober 2019, am Schluss eines Fußballspiels der A-Junioren zwischen der SG Zell/Schönau und dem JFV Singen im Stadion in Zell zugetragen haben. Dabei soll ein damals 18-jähriger Jugendspieler der Singener Gastmannschaft von Zuschauern auf der Tartanbahn am Rande des Spielfeldes zu Boden geworfen, geschlagen und getreten worden sein.

Vor dem Amtsgericht Schönau hatten sich deshalb nun zwei junge Männer wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. Einer der Angeklagten gestand, dass er den Jugendspieler, nachdem dieser ihn als „Hurensohn“ beleidigt habe, gepackt und zu Boden geworfen habe. Geschlagen und getreten habe er jedoch nicht. Allerdings sei sein mitangeklagter Bruder an dieser Rangelei nicht beteiligt gewesen. Der Bruder wollte aber keine Angaben zum Tathergang machen.

Der als Zeuge geladene 19-Jährige aus Singen schilderte, dass er nach Spielende auf dem Weg zu den Umkleidekabinen sein Trikot ausgezogen hatte und auf der Tartanbahn am Spielfeldrand auf einen Mitspieler wartete. Dabei sei er von einer Gruppe von Zuschauern, die auch schon während des Spiels durch verbale Beleidigungen der Gästespieler aufgefallen sei, angepöbelt worden.

Plötzlich seien zwei Personen vor ihm und mehrere Personen hinter ihm aufgetaucht. Einer habe ihn dann umklammert, er habe mehrere Faustschläge bekommen und sei auf den Boden geworfen worden. An mehr könne er sich nicht erinnern, weil er nach dem Aufprall kurzzeitig bewusstlos gewesen sein musste, sagte er.

Dann sei die Polizei erschienen, die ihn vernommen und seine Verletzungen fotografiert habe. Auf Anraten der Polizei habe er sich dann nach der Heimfahrt in Singen einer ärztlichen Untersuchung unterzogen, wobei der Verdacht auf eine Gehirnerschütterung, mehrere Hämatome an der Schulter und eine Jochbeinprellung diagnostiziert worden sei. Eine Woche lang konnte er nicht zur Schule gehen. Nach diesem traumatischen Erlebnis habe er nie mehr Fußball spielen wollen. Der 18-Jährige leide immer noch an Schlafstörungen und Depressionen. Ein 26-jähriger Schiedsrichterbeobachter schilderte vor Gericht seine Beobachtungen von der Zuschauertribüne. Er habe gesehen, dass der Jugendspieler auf dem Gang zum Kabinentrakt auf der Laufbahn aufgehalten und mit Schlägen traktiert worden sei. Auch als er schon am Boden lag, sei auf ihn eingeschlagen und eingetreten worden.

Als Täter habe er eindeutig jenen Angeklagten erkannt, der sich zum Tatgeschehen nicht geäußert hatte und nach Aussage seines Bruders nicht an der Tat beteiligt gewesen sein soll. Der Schiedsrichterbeobachter hatte zwar bei der polizeilichen Vernehmung nur von „dem Typen“ als Täter gesprochen. Als Zeuge sei er aber heute überzeugt, dass er den Täter genau identifizieren könne, weil er als Schiedsrichter schon einmal ein Spiel geleitet habe, bei dem der von ihm genannte Mann als Aktivspieler bei einer Zeller Mannschaft mitgewirkt habe.

Der Prozess soll zur weiteren Beweisaufnahme fortgesetzt werden.

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