Schopfheim – Die „Alte Ziegelei“ an der Hauptstraße 135 soll verkauft werden. Frank Rupprecht sieht darin eine Chance zur Schaffung nachhaltig sozialer Wohnmöglichkeiten und möchte eigens zu diesem Zweck eine Wohnbaugenossenschaft ins Leben rufen. Mit uns sprach der Gründungsinitiator über seine ambitionierten Pläne.

Frank Rupprecht ist 47 Jahre alt, hat zwei Kinder und lebt mit seiner Familie in Schopfheim. Nach eigener Aussage kann er auf langjährige Erfahrungen im Bauhandwerk zurückblicken. 15 Jahre lang arbeitete er überwiegend in der Altbausanierung. Seit 2015 ist er als LBO-Bauleiter für Alt- und Neubauvorhaben im Landkreis Lörrach tätig. 2017 gründete er das „Café am Hebel“ und betreibt es seitdem als Quartiers- und Kulturcafé. Vorzugsweise bringt er sich in soziale Projekte ein und nennt sich selbst einen „genossenschaftlichen Überzeugungstäter“. Die betagte Eigentümerin der „Alten Ziegelei“ ist mittlerweile in Pflege. Ihre Interessen werden von einer gesetzlichen Vertreterin wahrgenommen.

Da die Mieteinnahmen für die Pflegefinanzierung der Eigentümerin nicht ausreichen, wurde im Frühsommer 2020 der Verkauf des Grundstücks und der darauf befindlichen Gebäude beschlossen. Zum Verkauf stehen zwei durch einen Gewerbebach getrennte und mit Gebäuden versehene Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 3.556 Quadratmeter. Die Wohnfläche beträgt 1750 Quadratmeter. Von 16 Wohneinheiten sind derzeit zwölf vermietet. Der Kaufpreis für Grundstücke und Gebäude beträgt rund 1,57 Millionen Euro. Rupprecht sagt, es der Verkäuferin wichtig, die Mieter vor Kündigungen zu schützen und die „Alte Ziegelei“ in soziale Hände zu geben.

„Die Vertreterin ist an mich herangetreten. Sie kennt meine soziale Einstellung und meine baulichen und fachlichen Kompetenzen und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, dafür eine Genossenschaft zu gründen.“ Frank Rupprecht gefiel der Gedanke und er sagte zu. Seitdem kümmert er sich um die Gründung einer Wohnbaugenossenschaft, die den Namen „Alte Ziegelei Schopfheim eG“ tragen soll. Eine erste Gründungsinitiative erfolgte im November 2020, die sich aber nach vier Monaten wieder auflöste. Zu viele individuelle Interessen seien aufeinandergeprallt, die sich mit denen der Mieter nicht vereinbaren ließen, erzählt Rupprecht. Die daraus gezogenen Lehren hätten nun zu einem neuen Ansatz für die Genossenschaftsgründung geführt. Das derzeitige neue Gründungsteam besteht aus Frank Rupprecht und zwei weiteren Personen. Erklärtes Ziel der künftigen Genossenschaft ist es, „durch den Erwerb des Grundstücks und der Gebäude diese einer Immobilienspekulation zu entziehen und so dauerhaft günstigen sozialen Wohnraum bereitstellen und bewirtschaften zu können“.

Geplant seien eine ökologisch sinnvolle und nachhaltige Sanierung der Gebäude und das Fördern sozialer Wohnformen. Das aber ist momentan noch Zukunftsmusik. Zunächst einmal wird Kapital benötigt. Insgesamt 1750 Genossenschaftsanteile zu je 300 Euro sind erforderlich, um das für den Kauf benötigte Eigenkapital von 525 000 Euro aufzubringen. Es werden Mitglieder gesucht, sowohl investierende als auch solche, die später selbst im Objekt wohnen möchten.

Jedes Mitglied entrichtet ein Beitrittsgeld von 200 Euro und sollte mindestens 30 Geschäftsanteile zu insgesamt 9000 Euro übernehmen. Besonders wichtig für Frank Rupprecht: „Allen Mitgliedern sollte klar sein, dass es sich hier um ein soziales Projekt handelt.“ Eine solidarische Einstellung und die Bereitschaft zu ehrenamtlicher Mitarbeit seien Voraussetzung. Die Zeit drängt – die Gründungsversammlung soll schon in einem Monat stattfinden, der Kauf unmittelbar danach.

Auch den Mietern der „Alten Ziegelei“ wurde eine Mitgliedschaft angeboten – laut Rupprecht reagierten sie auf den Vorschlag aber ausnahmslos distanziert. „Sie haben mir alle gesagt, dass sie sich das finanziell nicht leisten können und das sie alles so lassen wollen, wie es ist.“ Genau das aber gehe eben nicht. Die Wohnungen werden so oder so verkauft, „und wenn nicht über ein soziales Projekt, geschieht es über ein anderes“. Eines versichert der Gründungsinitiator: Sollte die in Gründung befindliche Genossenschaft das Projekt erwerben, könne ausnahmslos jeder Mieter in seiner Wohnung bleiben. „Einer der Hauptantriebe, warum ich diese Initiative führe, ist der Schutz der Bestandsmieter vor Entmietung.“

Interessenten an einer Mitgliedschaft in der Wohnungsbaugenossenschaft „Alte Ziegelei Schopfheim eG“ können sich per E-Mail über kontakt@cafe-am-hebel.de bei Frank Ruprecht melden.