Der Weg ist frei für ein Weiterplanen am XXL-Wohnprojekt im Zentrum von Fahrnau: Trotz einiger Bedenken, die auch bei der Abstimmung zum Ausdruck kamen (sechs Gegenstimmen, vier Enthaltungen), hat der Gemeinderat am Montag mehrheitlich mit 13 Stimmen den städtebaulichen Entwurf befürwortet. Mehr als 100 Wohnungen sollen auf dem Areal entstehen, das meiste davon Mietwohnungen – davon wiederum mehr als 50 Sozialwohnungen.

Im dritten Anlauf hat nun also das Bauprojekt diese Hürde genommen. Im Mai hatte der Gemeinderat zwar bereits grünes Licht dafür gegeben, dass ein Bebauungsplan erstellt wird. Allerdings: Dem städtebaulichen Entwurf des Bauträgers – der Firma Altera – hatten die Räte damals wie auch in einer weiteren Sitzung im Juli die Zustimmung versagt. Damit war das Vorhaben erst einmal blockiert. Sollte doch der Bebauungsplan „Hammerschmiedgasse“ auf eben diesem Entwurf basieren.

Zum einen waren mehrere Stadträtinnen und Stadträte damals nicht der Ansicht, dass sich das Projekt in die Umgebung einfügt. Mehrere Räte empfanden die Gebäude – teils drei-, teils viergeschossig, dazu komplett oder teilweise mit Attika – als zu groß und zu wuchtig. Zum anderen gab es auch Bedenken, ob der Bauträger tatsächlich all das umsetzt, was er für die auf drei Gebäude aufgeteilte Wohnanlage in Aussicht stellt: Ein Kindergarten, eine ansprechende Renaturierung des Kanals, eine verkehrsberuhigende Umgestaltung der Hauptstraße, viel Grün auch auf den Dächern, das auch der Regenrückhaltung dient, ein innovatives Energiekonzept (Blockheizkraftwerk und Photovoltaik). Vor allem aber: Die XXL-Anlage soll fast nur Mietwohnungen beherbergen – und davon wiederum 51 Sozialwohnungen.

Dass es für einen Bauträger ungewöhnlich sei, Sozialwohnungen statt Eigentumswohnungen zu bauen, ist auch dem Bauträger bewusst. „Wir sind da auch etwas stolz drauf“, so Altera-Vertreter Matthias H. Müller. Im Immobilienbereich seien nicht viele Baufirmen unterwegs, die Sozialwohnungen bauen, weil dies weniger profitabel sei. In diesem Fall spiele allerdings auch eine Rolle, dass der künftige Käufer und Eigentümer der Anlage – ein Fonds mit Sitz in Frankfurt – sozial ausgerichtet sei. Gleichwohl allerdings müsse auch dieser rechnen.

Das hatten Müller und Firmen-Inhaber Eduard Stumpf auch schon bei der Sitzung im Juli durchblicken lassen, als sie einer kompletten Geschossreduzierung eine Absage erteilten. Jetzt am Montag hatte die Firma eine Planung vorgelegt, bei der zwar nicht ganze Stockwerke entfallen, die Gebäudehöhe aber dennoch reduziert wird – stellenweise um bis zu 4,80 Meter. Dafür hätten jetzt die Gebäude alle einen Zugang auf Straßenniveau. Dies sei möglich, indem Gebäude tiefer gegründet, zudem Raumhöhen, der Bodenaufbau und Dachaufbauten reduziert werden. Das allerdings gehe auf Kosten der Barrierefreiheit in einigen Wohnungen.

Vor allem Hildegard Pfeifer-Zäh (Freie Wähler) war indes „nicht ganz einverstanden mit der Planung“ und griff – erneut – eine ganze Reihe von Punkten auf, die aus ihrer Sicht kritisch sind. Die Gebäudereduzierung beziehungsweise die Aussage, dass die Gebäude nun alle einen Eingang auf Straßenniveau hätten, sei eine „Mogelpackung“, weil das zum Kanal hin abfallende Gelände aufgeschüttet werde und die Gebäude auch nicht komplett, sondern nur punktuell reduziert würden. Sie schlug unter anderem den Verzicht auf ein komplettes Geschoss beim Gebäude am Kanal vor – das wären lediglich zehn Wohnungen weniger. Bedenken äußerte Pfeifer-Zäh auch mit Blick auf die Parkplatzsituation. Stumpf und Müller widersprachen. Stumpf versprach, dass die geforderte Stellplatzzahl erfüllt werde.

Einem Verzicht auf eine volle Etage beim Kanal-Gebäude erteilten die Altera-Vertreter indes erneut eine Absage. Zum einen würde die Gebäudehöhe mit Blick auf die benachbarte Firma Develco aus Lärmschutzgründen benötigt. Zum anderen diene dieses Haus – das einzige der drei, in dem keine Sozialwohnungen vorgesehen sind – zur Querfinanzierung des sozial geförderten Wohnraums in den anderen Gebäuden.

Mark Leimgruber (CDU) sprach das Eckgrundstück an, das in Besitz einer Familie ist und mit überbaut werden soll. Im Gegenzug sollen die Eigentümer Eigentumswohnungen erhalten. Er habe gehört, dass sich beide Seiten noch gar nicht handelseinig seien. Dem widersprach Stumpf. Mit der Firma jedenfalls sei alles geklärt. Peter Ulrich erklärte für die SPD-Fraktion, dass sie dem Vorhaben „so wie es jetzt präsentiert wurde, zustimmt“. Ulrich lobte das nachhaltige Energieversorgungskonzept. „Besonders wichtig“ aber sei der SPD der Anteil an sozial gefördertem Wohnraum. „Das ist für uns ein ganz wichtiger Punkt – ich gehe davon aus, dass das auch so im städtebaulichen Vertrag festgeschrieben wird.“ Ulrich spielte damit darauf an, dass im Moment alles noch etwas unkonkret sei. Ein städtebaulicher Vertrag, der im Detail regelt, was tatsächlich umgesetzt wird, muss erst noch ausgehandelt werden. Auf Frage von Hildegard Pfeifer-Zäh, welche Auswirkungen das Projekt auf die Fahrnauer Grundschule habe, erklärte Fachbereichsleiter Jürgen Sänger, dass die Stadt mit zwölf bis 14 Grundschülern rechne, also einer halben Schulklasse. Allerdings werde die Schule bereits von „200 Schülern plus x“ besucht. „Und viel mehr verkraftet sie nicht.“

Bürgermeister Dirk Harscher warb um Zustimmung. Im Gegensatz zu vielen anderen Vorhaben, bei denen es meist um Eigentumswohnungen gehe, ist „das ein Projekt, das den Mietwohnungsbau in Schopfheim forciert“. Marianne Merschhemke (Grüne) bat den Technischen Beigeordneten Eddi Mutter um eine Einschätzung. Dieser erklärte, für ihn sei das „ein schlüssiges Konzept“, auch wenn es eine Herausforderung werde, alle Belange in einen städtebaulichen Vertrag zu packen. Letztlich billigte eine Mehrheit den städtebaulichen Entwurf – inklusive dem Vorschlag von Felix Straub (Grüne), dass das Gebäude zumindest so weit wieder erhöht werden soll, damit möglichst alle Wohnungen barrierefrei sind.