Der hohe Aufwand zum Umbau des Waldes im Klimawandel kann nicht alleine von den Waldbesitzern geleistet werden – er muss staatlich gefördert werden. Diese These vertraten am Donnerstag unisono hochrangige Funktionäre aus dem Forst bei einem Gedankenaustausch auf Initiative des größten Waldzertifizierers PEFC oberhalb von Präg mit Blick auf kahle Hänge abgestorbener Waldflächen.

Der Wald habe vielfältige Funktionen von Klimaschutz bis Naherholung, was vom Staat honoriert werden müsse, da der Forst von der Sparkasse der Waldbesitzer zum Verlustbringer geworden ist. Davon kann auch Todtnaus Bürgermeister und Vorstand der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Andreas Wießner ein Lied singen. „Einige 100.000 Euro“ brachte der Wald jedes Jahr in seinen Haushalt ein, zuletzt aber rote Zahlen. Und dies trotz eines Rekordeinschlags von 120.000 Festmetern, wie der frischgebackene Geschäftsführer der FBG, Benedikt Debes, berichten konnte. Die Riesenmenge sei fast ausschließlich durch „Kalamitätsholz“ zusammen gekommen.

Die FBG vermarktet das Holz von 13 Mitgliedsgemeinden und 640 Privatwaldbesitzern im Bezirk. Zum Glück seien die Ramschpreise der Borkenkäferzeit von unter 20 Euro je Festmeter inzwischen vorbei. Für Käferholz erzielt die Waldbesitzervereinigung aktuell immerhin 62 bis 75 Euro. „Die Waldbesitzer sind dieses Jahr positiv gestimmt“, so Debes.

Auf lange Sicht gesehen haben sie allerdings keinen Grund zu jubeln, wie Forstarbeiter Ralf Kleißler anmerkte. Vor 40 Jahren habe ein Waldbesitzer für einen Festmeter Holz noch eine Handwerkerstunde bezahlen können, heute benötigt er dafür zehnmal so viel Holz. „Das passt nicht“, so der Gresger. Hieran knüpfte der Vorsitzende des führenden Holzzertifizierers PEFC, Andreas Bitter, an: „Wenn weltweit 1000 Euro für einen Festmeter Schnittholz bezahlt werden, lässt sich die Diskrepanz nicht mehr erklären.“

Bei den Holzerzeugern komme jedenfalls zu wenig vom Erlös an. So meinte Wießner, dass eine staatliche Nachhaltigkeitsprämie zwar ein Schritt in die richtige Richtung sei, „aber mit neun Euro je Hektar habe ich keine Chance, Flächen kostendeckend wieder aufzuforsten.“ Die neue Forstbezirksleiterin Susanne Berger pflichtete bei und beschrieb die schwierigen Umstände, als zum Beispiel im letzten Dürrejahr 70 Prozent einer südlich exponierten Aufforstung sofort vertrocknet sei. „Wiederbewaldung ist teils extrem schwierig“, sagte sie. Fichte werde im Forstbezirk „definitiv nicht mehr angepflanzt“, dafür eine Mischung, zu der nun auch die Eiche gehöre.

Auf die vielfältigen Funktionen des Waldes verwies Jerg Hilt, Geschäftsführer der Forstkammer Baden-Württemberg. Neben dem Nutzholz stehe der Forst für Erholung und CO2-Speicherung. Das müsse künftig besser honoriert werden. Christoph Hoffmann (FDP), selbst Waldbesitzer, pflichtete bei, dass die Einnahmen aus dem Emissionshandel überhaupt nicht bei denen ankommen, die das Kohlendioxid binden. Er wettete, dass der Holzpreis auf 265 Euro je Festmeter steigen werde, wenn Baustoffe wie Beton, die CO2-intensiv sind, teuer werden und die Holznachfrage steige. „Dann haben wir aber zu wenig Holz“, reagierte Kleißler und Wießner pflichtete bei: „Wir schlagen in Todtnau nur soviel im Jahr ein wie nachwächst.“ Das sind 30.000 Festmeter. Im Übrigen könne sich Todtnau rühmen, schon heute klimaneutral zu sein. Einigkeit beim Fazit: Angesichts der vielfachen Anforderungen an den Wald könne man den Patienten nicht sich selbst überlassen, wie es „Märchen-Förster“ Wohlleben propagiere. Die Zeit habe man im rasanten Klimawandel einfach nicht.